„Day/Night“: Parcels im Doppelpack

dpadpa | 03.11.2021, 18:48 Uhr
Auf dem Album «Day/Night» von den Parcels geht es um Gegensätzlichkeit.
Auf dem Album «Day/Night» von den Parcels geht es um Gegensätzlichkeit.

Remi-Ferrante-Hartman/Check Your Head/dpa

Das zweite Album ist oft eine Zerreißprobe für Bands. Mit „Day/Night“ scheinen Parcels das Problem gekonnt zu umschiffen. Sie bringen gleich zwei Tonträger zum Preis von einem raus.

Wer in Zeiten hoher Preise für Strom, Gas und Benzin nach einem Schnäppchen sucht, könnte bei der Elektro-Popband Parcels fündig werden. Für den Preis eines Tonträgers liefern die fünf Australier ganze 19 Tracks.

Das könnte man fast als Doppelalbum bezeichnen – aber Obacht: „Day/Night“ sind zwei Alben!“, betont Gitarrist Jules Crommelin im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, einen Zwei-für-Eins-Deal zu machen.“

Textlich ist das Werk ambitioniert. Die Albumhälften „Day“ und „Night“ beschäftigen sich Crommelin zufolge mit Gegensätzlichkeit. Erstmalig habe er es auf der neuen Platte geschafft, sich dem Hörer zu öffnen. „Ich fing an, mich mit Psychologie zu beschäftigen, sozusagen als Nebenbei-Hobby.“ Das habe das Album sehr persönlich gemacht. „In einem meiner Songs „Never Loved“ geht es im Grunde darum, dass ich mir die Idee der Liebe nie wirklich erlaubt habe, weil ich ein bisschen ein Fake war.“

Die Diskrepanz zwischen coolen Klängen und tiefen Texten sei durchaus gewollt, sagt Crommelin. „Wenn man sich einen Happy-Go-Lucky-Song anschaut, den wir geschrieben haben, und die Texte liest, sieht man, dass sie normalerweise ziemlich düster sind.“

Seit 2015 haben Parcels ihre Homebase in Berlin. Produziert hat das zweite Studioalbum James Ford, der schon mit Haim und Florence + the Machine zusammengearbeitet hat. Das Ergebnis klingt durchweg stimmig. Tracks wie „Somethinggreater“ und „Theworstthing“ grooven gemächlich dahin. Mit dem kraftvollen „Comingback“ geht die Sonne auf.

„Wir haben alles live eingespielt. Wir haben kaum Spuren doppelt aufgenommen. Es waren im Grunde nur wir im Raum und haben gespielt“, erklärt Crommelin. „Day/Night“ sei so das bisher organischste Werk von Parcels geworden.