Montag, 16. April 2018 12:50 Uhr

„Der Echo muss weg“

Angesichts des vor allem medialen Proteststurms nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang will der Veranstalter das Konzept erneuern. Ob’s hilft bleibt offen. Einer sieht den Preis schon am Ende.

"Der Echo muss weg"

Kollegah (l.) & Farid Bang – Preisträger in der Kategorie „Hip Hop/Urban national“. Foto: MG RTL D / Andreas Friese

Die Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält die Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“. Empörung gab es auch, weil die Rapper am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird.

Thomas Schreiber, sogenannter ARD-Koordinator für Unterhaltung u.a. verantwortlich für die deutschen Teilnahmen am Eurovision Song Contest, sieht das Ende des Musikpreis gekommen, der letzten Donnerstag zum 27. Mal vergeben wurde. Es gebe nur eine sinnvolle Reaktion der Musikindustrie, schrieb Schreiber in einem Gastbeitrag für „Die Welt“: „Eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch.“

Der Echo muss weg

Thomas Schreiber. Foto: NDR/Marcus Krüger

Schweigen in der Musikindustrie

Weiter heißt es in der durchaus interessanten Polemik: „Wusste die Musikindustrie, wen sie nominiert? Vermutlich nicht, denn Textsicherheit und Repertoirekenntnis gehört nicht unbedingt zu der Qualifikation der Verantwortlichen. Wäre es für den sogenannten Line-up-Kreis, in dem Abgesandte der großen und der unabhängigen Labels sowie des Lobbyverbandes BVMI sitzen, relevant gewesen? Nein, wenn ich an meine Erfahrungen aus dem Jahre 2014 denke, als ich, nachdem ich mich ein Wochenende durch das Repertoire der Band FreiWild gehört hatte, dem Line-up-Kreis mitteilte, dass ich diese Band nicht akzeptiere.“ Damals, so Schreiber weiter, „wurde der sogenannte Ethikrat ins Leben gerufen, weil der Verband sich die Hände nicht selber schmutzig machen wollte (…)“

„Zumindest jetzt könnten die Vorstände des Bundesverbandes Musikindustrie – Frank Briegmann von Universal; Bernd Dopp von Warner; Patrick Mushatsi-Kareba von Sony; Konrad von Löhneysen für die unabhängigen Labels; Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender, Chairman und CEO – etwas sagen. Tun sie aber nicht. Das heißt: Sie finden Nominierung, Preisverleihung und Auftritt scheinbar richtig.“ (PV/mit dpa)

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