Der traut sich was! Rockergranate „Swiss“ singt jetzt Schlager

Der traut sich was! Rocker "Swiss" singt jetzt Schlager
Der traut sich was! Rocker "Swiss" singt jetzt Schlager

© SonyMusic

23.04.2021 13:20 Uhr

Ex-Rapper und Punkrocker Swiss von der Band "Swiss + Die Andern" ist seit geraumer Zeit ein Phänomen der deutschen Musiklandschaft, das sich vor allem aber selbst treu geblieben ist.

Trotz drei Alben in Folge in den Top 5 der deutschen Charts, innerhalb von Minuten ausverkaufte Tourneen und Auftritte bei namenhaften Festivals wie dem Deichbrand oder Hurricane hat Swiss eins nicht immer nur bewahrt, sondern auch betont: seine politische Haltung!

Somit ist es nicht verwunderliche, dass diese auch Thema seiner neuen Single und EP „ Linksradikalen Schlager“ ist. Als Coronatherapie und Spaßprojekt gestartet, präsentiert uns der 37-Jährige heute die gleichnamige Single seiner neuen EP.

Der traut sich was! Rocker "Swiss" singt jetzt Schlager

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„Menschen, die sich als Punker oder Rocker identifizieren nehmen sich in ihrer Rolle oft sehr ernst. Aber eigentlich ist doch nichts mehr Punkrock, als wenn ich auf alles scheiße und eine Schlager-EP mit linksradikalen Texten mache“

Swiss (sein richtiger Name bleibt sein Geheimnis) macht ab jetzt also Schlager. Linksradikalen Schlager, versteht sich.

EP „Swiss – Solo“ kommt

Am 2. Juli erscheint die gleichnamige EP – Swiss-Solo, Spaßprojekt und Coronatherapie in einem. Fünf Songs, garantiert nicht zum Zuhören oder Verstehen. Sondern einfach linke Mucke, die promillesafe ist und sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Zum Mitsingen und Mitgrölen. Zum Lockermachen und Feiern. Zum Anfeuern des schwarzen Mobs und zum Vollsaufen der Solikasse. Im ersten Moment mag das irritieren. Denn mit seiner Band“Swiss + Die Andern“ hat der Sänger und Texter aus dem Hamburger Schanzenviertel seit jeher alles andere als belanglose Musik gemacht.

Vielmehr hat die Band sich durch Alben wie „Missglückte Welt“, „Saunaclub“ und „Orphan“ und ausverkauften Live-Shows einen Namen als spannendste linkspolitische Punkrockrap-Band der letzten Jahre gemacht.

Linksradikaler Schlager ist doch auch Punk

Und jetzt: Linksradikaler Schlager?! „Menschen, die sich als Punker oder Rocker identifizieren nehmen sich in ihrer Rolle oft sehr ernst. Aber eigentlich ist doch nichts mehr Punkrock, als wenn ich auf alles scheiße und eine Schlager-EP mit linksradikalen Texten mache“, sagt Swiss dazu. Zumal der Hamburger Schlager schon immer gefeiert hat. „Natürlich nicht dieses neuen Techno-Utz-Utz-Ballermann-Ding, sondern die Oldschool-Sachen: ‚Für dich soll’s rote Rosen regnen‘, ‚Ti Amo‘, ‚Ich war noch niemals in New York‘ und ‚Moskau‘. Und von Rio Reiser gibt es ja auch ein paar Songs, die zumindest Schlageresque anmuten.“

Die Pandemie hat Swiss‘ Pläne geändert

Aus diesem Faible entsteht die Idee, ein ganzes Projekt mit Schlagersound und linksradikalen Texten zu machen. Aber das Vorhaben noch zwischen die gut 70 Band-Shows im Jahr und das Einkloppen eines neuen Albums von „Swiss + Die Andern“ zu quetschen? Unmöglich. Bis Corona kommt.

Dann legt der Sohn eines Schweizer Schauspielers und einer Theatermacherin los. Anstatt groß drauf rumzudenken wird einfach aus der Hüfte geschossen. Mal schauen, was daraus wird – im schlimmsten Fall eine Bonus-CD fürs nächste Album als Band. Mit Manager Pat entstehen erste Melodien, mit Corvin Bahn und Chris Harms werden daraus innerhalb kürzester Zeit fünf fertige Songs.

Der traut sich was! Rocker "Swiss" singt jetzt Schlager

© IMAGO / Future Image

Die Songs auf der EP

Im Titeltrack „Linksradikaler Schlager“ trifft Disco auf Eurodance und ein bisschen Dschingis Khan und kreiert so die Rettung für alle linksdenkenden Menschen, die nicht immer nur schwermütige Musik hören, sondern zu wichtigen Parolen endlich auch mal feiern wollen.

„Antifa“ ist hingegen eine Hymne auf die Antifa, verpackt in die Metapher einer mutigen Frau, die sich für das Gute einsetzt, aber doch nicht den Respekt bekommt, den sie verdient. „Man muss einfach sagen: In Deutschland haben die Faschos es wegen der Antifa schwerer einen Fuss auf den Boden zu bekommen – weil, egal wo, Leute auftauchen und sich ihnen entgegenstellen. Insofern ist es lächerlich, wie in den Medien auf der Antifa rumgehackt wird.“

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„Alles kann, nichts muss“

Und dann ist da noch „Solikasse“, ein kleiner geiler Partytrack in allerbester Discofox-Manier mit ZSK-Frontmann Joshi, der gleichzeitig als Hommage an die Feierei und den guten Zweck fungiert. „Das ganze Ding ist komplett hängengeblieben“, erzählt Swiss weiter. „Auf der einen Seite umschifft es geschickt jede mögliche Zielgruppe. Den Schlager-Fans ist es zu politisch. Den Linksradikalen ist es zu Schlageresque. Die Musik scheißt auf alles – aber genau das macht die Qualität der Songs aus. Ich war noch nie so entspannt bei einem Release wie jetzt. Einfach, weil es kompletter Quatsch ist. Ich erwarte gar nichts damit. Die EP ist ein bisschen wie das Motto im Swingerclub – alles kann, nichts muss. Und das fühlt sich gut an. Ich feier’s, meine Leute feiern es. Im schlechtesten Fall laufen die Songs bei unseren Aftershow-Parties um drei Uhr morgens. Im besten Fall verkaufe ich damit die Mercedes-Benz-Arena aus.“