13.02.2014 09:12 Uhr

Die schräge Bewerberin Ása kritisiert Wildcard-Auswahl für ESC-Vorentscheid

Ása Ástardóttir [spricht sich wie Außa] ist eine isländische Sängerin, Tänzerin und Komödiantin und offenbar ganz großer Eurovisions-Fan.

Seit vielen Jahren lebt sie in Köln und hatte sich mit einem Video für die Wildcard zum Vorentscheid beim Eurovision Song Contest beworben.
Ihr Bewerbungssong ‚Skál!‘ (ein isländisches Trinklied) war von der ersten Woche an auf der Startseite unter „beliebtestes Video“ und „meist angesehenes Video“ zu finden und fiel nicht einen Tag von den Spitzenplätzen. Nun kritisiert Ása das Auswahlverfahren, denn unter den zehn Bewerbern für eine Wildcard war sie trotz Spitzenposition bei den beliebtesten Videos nicht dabei.

An die Adresse der Organisatoren richtete Ása, die sich auch „Ása – außer Rand und Band!“ nennt, folgendes Schreiben:

Die Nachricht von einer Youtube-Wildcard Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest führte bei mir zu einer inneren Freuden-Eruption!
Deutschland emanzipiert sich von der Langeweile! Heute kommen die buntesten, verrücktesten, skurrilsten und kreativsten Künstler aus Deutschland und begeistern ganz Europa.

Ich war überzeugt mit meiner Bewerbung ein Teil einer grandiosen Idee zu sein. Endlich gab es Platz für das Unberechenbare, für all die Musikrichtungen, Stile und außergewöhnlichen Künstler, die unter der einseitigen Alleinherrschaft von Ralf Siegel und Stefan Raab sofort entsorgt wurden. Denn das ist es gerade doch, was den Reiz des Eurovision Song Contests ausmacht. Man will staunen, Gänsehaut haben, lästern, lachen und mitfiebern mit SEINEM persönlichen Lieblings-Act.

Wer erinnert sich nicht noch an die Auftritte der finnischen Monster Lordi, der ukrainischen Travestie-Trash von Verka Serduchka, der irischen Zwillinge Jedward, der russischen, keksbackenden Muttis oder Guildo Horns Meisterstück 1998.

So hatte ich den Wildcard-Wettkampf interpretiert und mit mir ganze 2200 weitere Künstler und tausende echter, brennender Eurovision-Fans. Endlich werden satte, fantasielose Industrievertreter und selbstherrliche Musikredakteure ins Abseits gestellt: nun geht es ausschließlich um die Freiheit und Unbestechlichkeit der Musikkunst!

Und dann wurden die Teilnehmer bekannt gegeben. Wie schön hat es der britische Eurovision-Blogger Roy Delaney formuliert: „All we got was ten shades of the same kind of beige. Thoroughly disappointing.” Freudlos, farblos, fad.

Wie hat es Anke Engelke so schön bei der Punktevergabe in Baku gesagt: „Es ist gut, eine Wahl zu haben.“ Aber wo bleibt denn die Wahl, wenn die Auswahl nur aus Pflaumen, Backpflaumen, Zwetschgen und Renekloden besteht?

Keine Bananen, keine Litschis, keine Ananas, keine Erdbeeren. Kein leckerer Obstsalat, den ich mir zusammenstellen kann. Nur Pflaumen, Pflaumen, Pflaumen. Wie bekömmlich das ist, bleibt jedem Magen selbst überlassen.

Mein kleines Eurovision-Herz wurde jedenfalls vorgeführt. Mit fast 50.000 Views war mein Video auf der ‚Unser-Song-für-Dänemark‘ ganz vorne bei den meistgesehen und beliebtesten Videos. Mir, jedem Fan des kreativen und andersartigen Eurovision, jedem Blogger, jedem Youtube-Künstler mit hochgeladenem Video ist nun klar, dass hier NIE ein ehrlicher Wettbewerb angedacht war.

Schade NDR, es hätte eine Pralinenschachtel der amüsanten Abendfüllung werden können, doch es wurde Rohkost! Als bekennendes Schleckermäulchen und Eurovision-Fan kommt für mich auch weiterhin nur der bunte Süßigkeitenteller mit allen Facetten des Musikgeschäfts auf den Tisch bzw. Bildschirm. Ich werde immer daran glauben, dass Disco, Glanz und Glamour siegen werden!
Wann lassen Sie sich endlich in Lametta einwickeln und öffnen sich für die fröhliche Seite des Eurovisions?

(PV)

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