Samstag, 29. Juni 2019 21:29 Uhr

Dr. Motte zum Jubiläum: So war 1989 die erste Loveparade

Foto: Petrov Ahner

Die Loveparade galt in den 90ern weltweit als DAS Event für Techno und andere elektronische Musikarten. Im Sommer 1989 wurde die erste Parade von DJ-Legende Dr Motte (58) ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ zog man ravend als politische Demonstration durch Berlin. Von Jahr zu Jahr wuchs die Parade und die Ereignisse überschlugen sich: 1999 gab es schließlich den Allzeit-Rekord mit 1,5 Millionen Besuchern!

Dr. Motte zum Jubiläum: So war 1989 die erste Loveparade

Foto: Dr. Motte

Ab 2007 zog die Parade dann unter neuer Führung weiter ins Ruhrgebiet und fand dort an wechselnden Orten statt. 2010 kam es dann in Duisburg zu einer schrecklichen Katastrophe und dem Ende der Loveparade: Bei einer Massenpanik  starben 21 Menschen und  541 weitere wurden verletzt.

Am 1. Juli jährt sich die allererste Loveparade zum 30. Mal und Erfinder Dr. Motte (58) erinnert im Gespräch mit klatsch-tratsch.de an die Zeit damals.

Foto: Dr. Motte

Wie hat das damals alles angefangen?
Das war an einem Sonntag Morgen im Mai. Ich hatte eine kleine Idee. Als ich die erzählte, waren alle freudig begeistert. Wir machen was Neues. Wir machen eine Demo und spielen dort unsere Musik, für eine bessere Welt. Die Versammlung wurde richtig bei der Stadt angemeldet und das Demonstrations-Motto lautete: „Friede, Freude, Eierkuchen“. Friede, für Abrüstung, Freude, durch Musik als Mittel der Völkerverständigung und Eierkuchen, als Forderung nach einer gerechten Nahrungsmittelverteilung. Nach nur sechs Wochen sind wir dann am 1. Juli um 14.30 Uhr, am Wittenbergplatz gestartet. Als wir nach fünf Stunden glücklich sein wieder am Wittenbergplatz ankamen, waren wir ca. 150 Raver. Nach gerade mal 10 Jahren tanzten dann zehntausendmal so viele, nämlich 1,5 Millionen Menschen.

Wie kam es eigentlich zu der Idee?
Ich war inspiriert von Erzählungen von Freunden, die in England auf „illegalen“ Warehouse Raves gewesen sind. Nach ein paar Stunden kam da immer die Polizei und beendete die Party. Die Leute standen vor dem Warehouse herum und irgendjemand hatte dann einen Ghettoblaster dabei, machte den an und alle tanzten einfach auf der Straße weiter. Dieses Bild ließ mir keine Ruhe mehr. Was für ein toller Vibe und eine herrliche Idee für friedlichen Widerstand. Irgendwann, im Mai 1989, saß ich dann morgens mit Freunden vor dem Weird Club in Kreuzberg – und wie eine Lampe, die angeknipst wurde, hatte ich plötzlich diese Idee…

Dr. Motte zum Jubiläum: So war 1989 die erste Loveparade

Foto: Dr. Motte

Wie war die erste Parade?
Es regnete den ganzen Tag. Wir alle hatten sowas noch nie gemacht und standen zum angemeldeten Zeitpunkt um 14.00 Uhr herum wie junge Kälber, die nicht wussten, was sie nun tun sollen. Etwa eine halbe Stunde später kam der Leiter der Polizei auf mich zu und fragte, ob wir denn nun endlich mal los wollten, wir ständen hier jetzt schon so lange herum… Wir schalteten die Anlagen auf den drei Wägen an und los ging es. Das war so aufregend… Ich werde nie vergessen, was das für Gänsehautgefühle gewesen sind, die Kreuzung Joachimsthaler Straße und Kurfürstendamm für ganze 15 Minuten tanzend zu besetzen…

Und wer war dabei?
Dabei waren eine sehr kleine Gruppe von Acid-House-Liebhabern und Freunde wie z. B. Helge Birkelbach. Das war die neue Musik, die aus den USA über England zu uns herüber geschwappt war. Die DJ’s, die uns damals Kassetten für die erste Loveparade aufgenommen hatten, waren Kid Paul, Jonzon, Westbam und meine Wenigkeit … Danielle de Picciotto war damals meine Freundin und sie hatte neben ihrer eigenen Mode auch noch Christa Raspe und Fiona Bennett mit dabei, die alle zeigen wollten, wie bunt und kreativ unsere Mode war. Im Zuge der Demo kamen dann spontan immer mehr Leute dazu…

Dr. Motte zum Jubiläum: So war 1989 die erste Loveparade

Dr. Motte 30 Jahre später. Foto: Petrov Ahner

Welche Mythe oder welches Gerücht um die hat dich immer am meisten genervt?
Was immer wieder mal auftaucht, ist das Gerücht, die erste Parade sei meine Geburtstagsparty gewesen. Totaler Quatsch. Wer sich die Mühe macht kurz nachzusehen, wird sofort feststellen, dass das gar nicht sein kann, denn die erste Loveparade fand am 01.07.1989 statt. Und mein Geburtstag ist erst über eine Woche später, am 09.07. Und Geburtstage feiert man nicht vor. Aber es nervt mich nicht. Ich finde das eher lustig.

Wer noch mal in die Zeit der großen Loveparade-Tage eintauchen möchte, kann das in einer der multimedialen „Loveparade“ -Ausstellung. Diese  ist vom 02. Juli 2019 bis 31. Januar 2020 am Molkenmarkt 2 in 10179 Berlin zu sehen. Weitere Infos dazu gibt es hier.

 

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