Einsames Glaubensbekenntnis von Harry Connick Jr.

Harry Connick Jr. singt «How Great Thou Art» vor einer von Papst Franziskus geleiteten Messe im Madison Square Garden (2015).
Harry Connick Jr. singt «How Great Thou Art» vor einer von Papst Franziskus geleiteten Messe im Madison Square Garden (2015).

Andrew Burton / Pool/epa/Getty Pool/dpa

21.03.2021 18:03 Uhr

Ein guter Schauspieler, noch besserer Sänger und Grammy-Gewinner - Harry Connick Jr. blickt auf 30 Jahre einer erfolgreichen Karriere zurück. Jetzt präsentiert er sich als religiöser Musiker.

Immerhin fünf Grammy-Schubladen gibt es für die Stil-Nische „Gospel/Contemporary Christian Music“.

Wenn man nun hört, wie sich der US-Sänger Harry Connick Jr. mit seinem christlich grundierten neuen Album ins Zeug wirft – dann wäre man über seinen Grammy-Sieg 2022 mit „Alone With My Faith“ nicht allzu überrascht.

Drei der begehrten Trophäen hat der 53-Jährige schon im Regal, davon eine für seine Soundtrack-Beiträge zur Superkomödie „Harry und Sally“, die ihn 1989 schlagartig berühmt machten. Seitdem ist viel passiert. Der in New Orleans geborene, mit dem Sound der Metropole bestens vertraute Connick arbeitete selbst mit einigem Erfolg als Schauspieler, sang wie ein junger Sinatra und spielte fabelhaft Klavier. Er heiratete 1994 das Model Jill Goodacre, mit dem er drei Kinder hat, und veröffentlichte seither regelmäßig elegante Platten zwischen Jazz, Pop und Blues.

Nach Angaben seiner Plattenfirma hat der Musiker mit dieser smarten Mixtur rund 30 Millionen Tonträger verkauft. Dennoch sagt er jetzt über sein Gospel-Album, das er komplett solo im Lockdown einspielte: „Es war das erste Mal, dass ich dieses Level von Trost, Frieden und Wahrheit durch den Prozess des Musikmachens erreicht habe.“

Connick sei „ein Mensch und Musiker mit religiösen Überzeugungen“, berichtet das Jazz-Label Verve zum Hintergrund von „Alone With My Faith“. Deshalb schrieb er sechs christliche Lieder für diese Platte gleich selbst und fügte einige Klassiker hinzu – darunter das einst von Aretha Franklin (und zuletzt von Barack Obama) ultimativ bewegend interpretierte „Amazing Grace“.

Vieles, aber nicht alles gelingt in den teilweise mit Orgel und Bläsern üppig instrumentierten Liedern. In dem auf Latein gesungenen „Panis Angelicus“ nach Thomas von Aquin trägt Connick dann doch arg dick auf. Aber selbst wenn man es nicht so hat mit religiöser Musik – was stets bleibt, ist neben der großen Ernsthaftigkeit diese Ehrfurcht gebietende Stimme. Der Grammy-Nachfolger von PJ Morton oder Kanye West, die 2021 bei den Gospel- und Christian-Music-Alben gewannen – es könnte durchaus Harry Connick Jr. sein.