Neues Album "Tekkno"Electric Callboy aus Castrop-Rauxel über eine erneute ESC-Bewerbung

Electric Callboy veröffentlichen am 16. September ihr neues Album "Tekkno". (tae/spot)
Electric Callboy veröffentlichen am 16. September ihr neues Album "Tekkno". (tae/spot)

Sony Music

SpotOn NewsSpotOn News | 14.09.2022, 19:15 Uhr

Beim ESC-Vorentscheid 2022 gab es großen Wirbel: Die Metalcore-Band Electric Callboy wurde nicht ausgewählt, Fans starteten daraufhin sogar eine Petition. Im Interview blickt Sänger Kevin Ratajczak darauf zurück und erklärt, warum eine erneute Bewerbung für die Gruppe ausgeschlossen ist.

Metal mit Schlager und anderen Genres mixen, das geht nicht? Geht doch, beweist die Band Electric Callboy aus Castrop-Rauxel. Die sechs Künstler wissen ihr Publikum zu unterhalten, ob bei aufregenden Liveshows oder aufwändigen Musikvideos. Mit dem Song „Pump It“ waren Electric Callboy zudem für viele Fans wohl die Sieger der Herzen des diesjährigen Eurovision Song Contests. Die Gruppe hatte sich für den deutschen Vorentscheid beworben, wurde schlussendlich jedoch ausgesiebt.

Den Anfang machte ein Fan-Kommentar unter einem Video, wie Sänger und Keyboarder Kevin Ratajczak im Interview mit spot on news erzählt. Dieser lautete: „Sowas müsste beim ESC für Deutschland antreten, dann hätten wir auch mal wieder Chancen.“ Gesagt, getan: Electric Callboy schickten ein Bewerbungsvideo. „Wir sind ehrgeizig und detailverliebt, wenn wir Sachen angehen und geben uns auch große Mühe. Wir machen in der Regel nichts halbherzig“, erzählt Ratajczak. „Das ist eine wilde Zeit gewesen.“

Electric Callboy hätten beim ESC „punkten“ können

Die Band wäre „super gerne“ beim ESC dabei gewesen, betont der Musiker. Er ist sich sicher, dass Electric Callboy beim ESC „auf jeden Fall punkten“ hätten können. „Wir hätten Deutschland gerne vertreten, auch wenn unsere Musik vielleicht nicht so mainstreamtauglich ist. Ich glaube, dass wir Menschen vor den Fernsehgeräten kurz einmal hätten aufschrecken lassen.“ Als sie nicht ausgewählt wurden, war das für die Band „schade“. Aufgebrachte Fans starteten daraufhin eine Online-Petition, die mehr als 100.000 Unterschriften sammelte.

„Wir sind uns sicher, dass die Petition nicht nur für Electric Callboy, sondern vor allem gegen das Auswahlverfahren ging“, sagt Ratajczak. „Als das dann so seinen Weg nahm, war das ein bisschen befremdlich für uns. Dass da auf einmal Menschen auf die ausgewählten Künstler losgingen, war uns total zuwider.“ Zwar habe die Band die Unterstützung „total zu schätzen gewusst“. Es sei „sehr schmeichelhaft, wenn Menschen sich da so einsetzen, dass man für sein Land Musik machen darf, das ist ja der Wahnsinn“.

Dennoch: „Da können ja die anderen Künstler nichts dafür. Die hatten ein ganz schweres Los, weil sich unter jedem Post auf Social Media negativ geäußert wurde. Das fand ich dann auch müßig. Ich stelle mir das aus Sicht der Künstler vor: Da bist du endlich dabei und dann kannst du es gar nicht genießen oder dich freuen, weil du nur Gegenstimmen abbekommst. Das fanden wir schade.“

Erneute ESC-Bewerbung ist ausgeschlossen

Der NDR begründete seine Entscheidung damals damit, dass „Pump It“ nicht radiotauglich genug sei. Ein Bewerbersong müsse vor dem deutschen Vorentscheid im Radio gespielt werden, „damit möglichst viele Menschen ihn hören, sich daran gewöhnen und auch eine Meinung bilden können, damit sie wissen, wofür sie sich entscheiden“, erklärt Ratajczak dazu. Die Radiostationen wollen darüber hinaus „Musik haben, die von einem breiten Publikum akzeptiert wird“. Das „große Plus“ von Electric Callboy liege nun aber darin, „dass wir nicht wie alles andere sind“. Genau dadurch hätten sie sich auch „größere Chancen beim Eurovision Song Contest ausgerechnet“.

Electric Callboy waren deswegen vom Argument der Radiotauglichkeit nicht gerade begeistert. „Das finden wir nicht cool. Wir wollen überraschen, eine Show bieten, die Leute wollen unterhalten werden. Ich glaube, das hätten wir gut geschafft, auch der Überraschungseffekt wäre auf unserer Seite gewesen“, sagt der Musiker.

Für Electric Callboy ist der Eurovision Song Contest damit auch Geschichte: Die Band möchte sich nicht noch einmal mit einem anderen Song bewerben. „Der ESC ist jetzt nicht unser höchstes Ziel gewesen“, erklärt Kevin Ratajczak. „Es gibt tatsächlich Künstler da draußen, die jahrelang daraufhin arbeiten, einmal daran teilzunehmen und da möglichst gut abzuschneiden. Für uns war’s eher der Spaß an der Sache.“ Weiter sagt er: „Die Umstände, wie es dazu gekommen ist, haben das Ganze aufregend gemacht. Das war ein Momentum, da eine super Sache daraus zu machen. Das wurde uns ja jetzt ein bisschen genommen. Da jetzt wieder ein Jahr zu warten und dann einen Song zu schreiben, der möglichst gut ins Bild passt, das nimmt dem Ganzen den Spaß. Das Ganze jetzt noch mal neu aufzuzäumen, ergibt für uns keinen Sinn.“

Electric Callboy: Neues Album und große Arena-Tour

Electric Callboy haben ohnehin schon etwas Neues, auf das sie sich freuen können: Am 16. September erscheint ihr neues Album „Tekkno“, das viele unterhaltsame und partytaugliche Songs vereint. Perfekt, um diese auch vor großem Publikum zu spielen. Im nächsten Jahr geht die Band aus dem Ruhrgebiet auf Arena-Tour, „das Größte, was wir in unserer Bandkarriere jemals machen konnten“, schwärmt Kevin Ratajczak. Über die Jahre hat sich die Gruppe bei der Produktion und den Locations stetig vergrößert: Von Clubs und kleinen Jugendzentren erst zu den kleinen, jetzt zu den großen Arenen. Davor haben Electric Callboy „eine absolute Ehrfurcht“.

Die Fans dürfen Großes erwarten: „Wir haben von Feuer bis Laser mittlerweile alles auf der Bühne gehabt und arbeiten weiter daran, das Ganze auszubauen“, erzählt Ratajczak. „Wir bringen das neue Album mit, die Musik ist die Grundlage von allem. Wir freuen uns riesig, die Songs live zu spielen. Und auch an Visuellem haben wir gearbeitet. Wir werden uns wie immer viel einfallen lassen, damit das Ganze ein super Erlebnis wird.“