Samstag, 2. November 2019 13:53 Uhr

Faber: Der Schweizer Star nimmt kein Blatt vor’n Mund

Foto: Peter Kaaden

Zwei Jahre hat er sich Zeit gelassen, jetzt veröffentlichte der Herr Faber sein neues Album mit dem Titel „I Fucking Love My Life“! Faber wer? Den Schweizer Sänger kennen hierzulande wohl nur die absoluten Musik-Spezis.

Dabei macht Julian Pollina, wie er bürgerlich heißt, mit seiner rauchigen Reibeisen-Stimme und ehrlichen, teils gesellschaftskritischen Texten schon ziemlich feine Musik für den geneigten Zuhörer. Dem ein oder anderen könnte vielleicht der Titel „Alles Gute“ vom Debüt-Album „Sei ein Faber im Wind“ etwas sagen, doch dann hört’s eigentlich auch schon auf.

Faber: Der Schweizer-Star nimmt kein Blatt vor'n Mund

Foto: Peter Kaaden

Ohne Zuckerwatte und bunte Streusel

Der 26-jährige ist nicht der typische Musiker, wie sie in den Radios rauf und runter laufen. Seine Musik ist weder schmalzig-poppig noch mit Auto-tune gepimpt. Eher erinnern die Stücke an rockig-poppige Volksmusik gepaart mit mal witzigen, mal ernsten, aber auf jeden Fall sehr ehrlichen Texten zu unterschiedlichen Themen. Unterstützt von der „Goran Ko? y Vocalist Orkestar Band“ mit Posaune, Klavier, Orgel und anderen ,altertümlichen‘ Instrumenten haucht und schreit er seine melodramatische Musik mit viel lyrischem und einigem an Subtext, den es zu verstehen gilt, ins Mikro bis ihm schon fast die Stimme wegbricht.

Der deutschsprachige Singe-Songwriter geht es mit seinen teils kritischen musikalischen Ergüssen scheinbar wenig darum zu gefallen und die selbe Leier zu spielen, wie andere nichtssagende deutsche Musiker. Und krasser als jeder Trash-Rapper der heutigen Zeit ist Faber alle mal.

„I fucking love my life“ ist ein Album geworden, auf dem sich der harte Kerl mit den jungenhaften Grübchen durch ein hysterisches Lachen als präziser Chronist gesellschaftlicher und privater Notlagen präsentiert. So findet der Chansonnier zu aufrüttelnden, ergreifenden Songs wie der ersten Single, „Das Boot ist voll“ oder zuletzt „Sag mir wie du heisst (Pt.2)“.

Faber: Der Schweizer-Star nimmt kein Blatt vor'n Mund

imago images / VIADATA

Faber hält der Welt den Spiegel vor

Die Lieder aus seinem Repertoire sind ein Spiegel der Gesellschaft, die aber gleichzeitig mehr denn je auch von den persönlichen Befindlichkeiten und aus dem Leben des Musikers erzählen. Schließlich bedingt das eine das andere und am Ende ist jeder Einzelne von uns ein Produkt der Gesellschaft, in der wir leben und gestaltet diese zugleich mit. Insofern gelingt dem Züricher die höchste Kunst: Aus den eigenen, eher weniger objektiven, Betrachtungen und seinen eigenen Erlebnissen Werke zu schaffen, die universelle Gültigkeit erhalten.

Sein erstes Album „Sei ein Faber im Wind“ erschien im Sommer 2017 und nahm den Hörer mit auf eine Reise durch Fabers Lieben, Leiden und die Gesellschaft, wie der junge Mann sie sieht. Die verheißungsvolle erste Single-Auskopplung „Das Boot ist voll“ verriet schon, dass er auch auf dem neuen Album die politische Lage nicht außer acht lassen wird. Mit „Generation YouPorn“ hält der Schweizer der Welt auch wieder den Spiegel vor die Nase, um zu zeigen wie widersprüchlich die Gesellschaft ist – und ganz so unrecht hat er da wohl auch nicht.

Der 1993 geborene Musiker ist jung, er schafft es aber mit seiner Kunst zum Denken anzuregen und hat mit seiner Alternativ/Indie-Musik doch sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als er bisher bekommt. Zumindest bei den „MTV Europe Music Awards 2019″, die am 03. November verliehen werden, ist er schon mal in der Kategorie „Bester Schweizer Act“ nominiert.

Faber: Der Schweizer-Star nimmt kein Blatt vor'n Mund

Foto: Peter Kaaden

 

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