Montag, 13. April 2020 23:01 Uhr

Felix Jaehn: Endlich mehr Zeit für die Familie

Universal Music

Erst am Freitag meldete sich Felix Jaehn mit dem neuen Song „Sicko“ zurück. Nach seinem Dido-Cover hat sich Jaehn mit dem DJ Snake & G-Eazy Kollaborateur Gashi und der kanadischen Newcomerin Faangs zusammengetan.

Sein neuer Track enthält urbane Elemente, die durch Gashis & Faangs‘ kraftvollen Vocals perfekt ergänzt werden. Die radiotaugliche Produktion ist in ihrer doppelten Bedeutung einzigartig, denn der Text spiegelt eine traurige und einsame Welt wider, die viele Künstler erleben und die durch ständige Tourneen und emotionale Höhen und Tiefen bestimmt wird. Doch wie bei vielen Millionen anderen Menschen ist auch Felix Jaehn zu einer quasi Zwangs-Einsamkeit verdonnert. Wir wollten wissen, wie es ihm geht.

Felix Jaehn: Endlich mehr Zeit für die Familie

Jens Koch/Universal Music

Krank oder gesund?
Gesund.

Was ist in deinem Alltag jetzt anders?
Ich reise viel weniger oder gar nicht mehr. Ich bin zu Hause, so wie alle, und das ist für mich echt ungewohnt. Normalerweise gab es keine Woche, in der ich nicht im Flugzeug saß. Jetzt bin ich daheim und nutze das Handy viel viel mehr und viel mehr Social Media und viel mehr E-Mail, WhatsApp, FaceTime, Skype und bin dankbar für die Möglichkeiten und die Technologien im Bereich der Kommunikation. Ich bin auch einfach happy, dass auch, wenn wir räumlich voneinander getrennt sind, trotzdem in Kontakt bleiben können.

Wie schätzt Du die Situation für Kunst und Kultur ein?
Auch für Kunst und Kultur ist es eine unglaubliche, nie dagewesene Krise und ein unglaublich großer Einschnitt. Gerade jetzt im Sommer, wo das Live-Geschäft, all die Festivals, all die Open Airs, all die Events, all die Cafés und Kneipen geschlossen sind oder nicht stattfinden. Die Events, die abgesagt werden müssen. Die Künstler, die vom Live-Geschäft finanziell abhängig sind und jetzt eine extrem schwere Zeit haben. Andererseits versuche ich ja immer das Gute zu sehen und hoffe darauf, dass wir gestärkt aus der Situation gehen. Aus besonderen Umständen entsteht auch immer neue Inspiration und ich bin sehr gespannt darauf, was all die Künstler, die jetzt Zuhause sitzen und Zeit haben, sich einfallen lassen. Ich habe selbst bei mir schon gemerkt, dass sich einiges geändert hat und bin jetzt nochmal an mein eigentlich schon fertiges Album gegangen, habe noch mal ein paar Songs runtergeschmissen und neu raufgenommen und sehe mich und die Welt einfach nochmal mit anderen Augen durch diese Zeit.

Wie können Künstler in Krisen ihre Reichweite sinnvoll nutzen?
Ich versuche meine Reichweite auf verschiedenen Ebenen sinnvoll zu nutzen. Einmal natürlich, das weiterzumachen, was ich gerne mache. Das ist auflegen, das ist Musik produzieren, das ist Gute-Vibes-verbreiten. Anstelle von Clubs und Festivals lege ich jetzt jeden Sonntag um 18 Uhr auf meinem Instagram-Kanal auf, habe das ganze Insta-Air genannt. Ich habe auch Special Guests dabei. Alma, Steve Aoki und Kungs waren schon dabei und es folgen noch viele weitere Gäste. So bleiben wir auch als Künstler weiter miteinander connected und können für die Fans zuhause Musik spielen und Freude verbreiten. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Dann versuche ich natürlich auch über die Musik hinaus, über meine Präsenz, Ruhe und Positivität zu verbreiten und nutze die Reichweite natürlich auch für Charity. Ich unterstütze WeKillCorona, eine Initiative, die Joshua Kimmich und Leon Goretzka gestartet haben und über die Gelder gesammelt werden für Soforthilfe für soziale Einrichtungen, karitative Vereine, was meiner Meinung nach eine mega Aktion ist. Denen finanziell zu helfen, die anderen helfen. Auch dafür nutze ich meine Social Media Kanäle jetzt in dieser Zeit sehr gerne.

Quelle: instagram.com

Gibt es Dinge, die Du schon immer mal machen wolltest und für die jetzt Zeit bleibt?
Ich habe letztens zum ersten Mal auf einer Leinwand mit Acrylfarben ein Bild gemalt. Das hatte ich irgendwie schon jahrelang mal gesagt, dass ich das machen möchte und mir dann doch nie die Zeit genommen. Dafür ist mehr Zeit geblieben. Jetzt habe ich auch mehr Zeit für Familie. Es fühlt sich ein bisschen an wie Langzeit-Weihnachten. Meine Brüder sind auch in der Heimat und so viel Zeit hatten wir schon lange nicht mehr gemeinsam und das ist auf jeden Fall ein kleiner Vorteil in einer schwierigen Zeit.

Hast Du noch genug Nudeln und Klopapier im Haus?
Nee, ich kaufe Woche für Woche. Ich mache gar keine Hamstereinkäufe. Fun Fact dazu: Im Urban Dictionary gibt es mittlerweile ein Wort ‘Covidiot’, was genau die Leute beschreibt, die aufgrund von Angst Hamsterkäufe machen und sich selbst absichern und damit die Versorgung Anderer schwieriger gestalten. Ich glaube einfach an unser System, ich glaube an Deutschland und die Versorgung und habe keine Angst, dass uns die ausgehen wird und kaufe deswegen nur das Nötigste ein und nur so viel, wie ich tatsächlich auch brauche und habe keine Vorräte an Klopapier und Nudeln im Haus.

Was ist das letzte Foto, das Du mit deinem Handy gemacht hast?
Ein Screenshot, wenn das zählt, von Miss Li und mir, die Sängerin von “Close Your Eyes”, mit der habe ich gestern über FaceTime ein Song geschrieben und das ganze dann per Screenshot festgehalten.

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