Sonntag, 31. März 2019 21:08 Uhr

Ferris Mc über das heutige HipHop-Biz, Helene Fischer und Deichkind

Foto: Authentik Film

Seit den 90ern mischt Ferris Mc (45) die deutsche Musiklandschaft auf. Dabei schafft es der Rotschopf sich immer neu zu erfinden. Ganz egal ob als rappendes Reimemonster oder festes Mitglied von Deichkind: Sascha Reimann, wie er bürgerlich heißt, geht seinen Weg. Nun schlägt er eine neue Richtung ein und bringt mit „Wahrscheinlich Nie Wieder Vielleicht“ ein rockiges Crossover-Album auf den Markt. Klatsch-tratsch.de hat den Familienvater zum Talk getroffen.

Ferris Mc über das heutige HipHop-Biz, Helene Fischer und Deichkind

Foto: Authentik Film

Lass uns über dein neues Album reden: Was wirst du „wahrscheinlich nie wieder“ tun?
In die Vergangenheit reisen, so wie ich es beim letzten Album „Asilant“ gemacht habe.

Welche „Fake News“ über dich hat dich am meisten geschockt?
Bisher hat mich noch keine Fake News über mich erschüttert. Bisher habe ich noch nichts so Gewichtiges über mich gesehen, was mein Leben aus dem Ruder geworfen hätte.

Für welche deiner Ansichten könntest du einen „Shitstorm“ lostreten?
Eigentlich für gar keine. Ich hatte auch noch nie einen so richtigen Shitstorm. Klar, es gibt immer mal wieder ein paar Hate-Kommentare. Gerade im Deutschrap-Bereich, aber so einen richtigen Shitstorm habe ich zum Glück noch nicht erleben dürfen.

Denkst du vor einem Posting genau darüber nach, ob der Inhalt anecken könnte, oder ist dir das egal?
In erster Linie wäre es mir egal. Ich denke aber auch, dass ich gar nicht so heftige Dinge poste, dass Leute sich jetzt dazu berufen fühlen würden. Ich mache ja nur ab und an ein paar Memes oder Jokes, aber die sind ja jetzt eher lustig als irgendetwas anderes.

Der Beat für deine Single „Für Deutschland reichts“ ist ja an Helene Fischers „Atemlos“ angelehnt. Wie stehst du zu ihr?
Gar nicht. (lacht) Ich kenne sie nicht persönlich und höre auch nicht ihre Musik. Ich kann damit nicht viel anfangen. Das mit der Ähnlichkeit war eher unbeabsichtigt, aber hat dann im Nachhinein echt gut gepasst, um das Ganze zu verarschen. Ich selbst hatte sogar das Gefühl, dass der Beat irgendwann sogar so ein bisschen nach der Bloodhound Gang klingt.

Im dazugehörigen Video nimmst du ja sämtliche Promis aufs Korn. Hast du da schon eine Reaktion von jemandem bekommen?
Nein, aber wir haben eigentlich damit gerechnet, dass von irgendwo etwas kommt oder sich irgendwer beschwert. Bisher habe ich noch nichts mitbekommen oder alle haben so viel Humor, dass alles für sie ok ist. Besonders gut gefalle ich mir im Video ja als Yotta. (lacht)

Da du da ja seit den 90ern im HipHop-Biz unterwegs bist, kann man dich als einen Deutschrap-Veteranen bezeichnen. Momentan machst du ja etwas andere Musik, aber wie stehst du zur aktuellen Deutschrap-Szene? Noch nie wurden die deutschen Charts so von Rap dominiert wie heute.
Deshalb war es geschäftlich gesehen vermutlich ein dummer Move jetzt ein Rock-Album zu machen. (lacht) darum geht es mir aber gar nicht beim Musik machen. Veteran – auf jeden Fall. Deutscher HipHop in den 90ern – da wo ich eher herkomme – hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Deutschrap heute zu tun.  Das Kulturelle und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist dem Geschäftsmodell gewichen. Das fing aber auch schon irgendwann in den 90ern an, als es irgendwann keine HipHop-Jams mehr gab. Das war ein schleichender Prozess. Jeder, der kommerzielle Erfolge gefeiert hat, hat dann plötzlich sein eigenes Süppchen gekocht, aber für die Außenwirkung war man doch noch irgendwie miteinander verbunden.

Quelle: instagram.com

Mittlerweile ist das fast nur noch so ein geschäftliches Ding. Mittlerweile fühle ich mich auch ein bisschen zu alt für Jugendsprache. Bei „Asilant“ habe ich es noch mal versucht, aber die Ausgangsposition ist jetzt eine andere. Ich bin jetzt 45 und habe beschlossen meine zweite Lebenshälfte mache ich jetzt die Art von Musik, die mich schon immer begleitet hat, aber die ich so nie wirklich gelebt habe wie HipHop. Allerdings heißt das nicht, dass ich nicht ab und an einen Rap abledere, aber dann vermutlich in einem Cross-Kontext.

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Könntest du dir vorstellen mit Rappern wie beispielsweise Capital Bra oder Olexesh zusammenzuarbeiten?
Sag niemals nie. Ich kenne beide nicht persönlich, deshalb kann ich mir da auch kein Urteil erlauben. Bisher habe ich mir in diese Richtung noch gar keine Gedanken gemacht. Wenn jetzt einer der Superstars der heutigen Zeit auf die Idee kommen würde mit Ferris einen Song zu machen, könnte man darüber reden. (lacht) Ich denke, der Gedanke ist bei denen aber eher weit entfernt.

Du bist jetzt aber kein alter Mann, der Zuhause in seinem Sessel sitzt und schimpft dass früher alles besser war …
Nein, absolut nicht. Ich sehe mich – auch wenn das alles schon ganz schön lange her ist – nicht als den klassischen Oldschool-Rapper. Heute wie damals war Oldschool für mich ein sehr befremdliches Wort. Ich mache einfach Musik und es ist mir scheißegal wie alt ich bin und wie alt die sind oder wer gerade angesagt ist.

Du hast in deiner Karriere schon viele kommen und gehen gesehen. Wem würdest du ein großes Comeback wünschen?
Mir persönlich. (lacht) Selbst ein alter Hase, wie ich, hat zu kämpfen, wenn man jetzt nicht mit so einer krass teuren Promo-Schelle daherkommt, sondern sich den Erfolg erspielen möchte. Nichts geht von alleine. Ich hoffe, dass das Comeback möglichst viele Leute erreicht und diese Leute wertschätzen, dass ich die ganzen Wege schon gegangen bin und weiter gehen werde. Jeder, der ein Ferris MC-Fan ist, war oder werden will, weiß, dass ich auf jeden Fall am Start bin und immer mein Bestes gebe. Ganz egal, welche Musikrichtung das ist. Deswegen würde ich mir das schon gönnen und wünschen.

Dein neuer Sound ist sehr anders wie – alles – was, man so von dir kennt. Denkst du, dass du dir eine neue Fanbase erspielen musst, oder ziehen die alten Fans aus ‚Reimemonster‘- und Deichkind-Zeiten mit?
Ich denke sowohl als auch. Ich denke, der ein oder andere Fan wird mich auf meinem Weg begleiten, während sicher auch einige abspringen werden. Ich habe schon vereinzelt Kommentare gelesen – die total höflich sind – wo Leute meinten: „Ok, das ist jetzt nicht so mein Geschmack, aber trotzdem viel Erfolg.“ Das finde ich dann so auch super, aber ich würde mir schon wünschen, dass die Fans auch Fans bleiben und einen ein Leben lang begleiten. Dass sie mich als die Kunstfigur sehen, die ich bin und es nicht von den Genres abhängig machen, zwischen denen ich mich bewege.

Aktuell erschüttern die Medien Meldungen über Künstler wie R. Kelly, Bill Cosby oder auch Michael Jackson, denen Missbrauch vorgeworfen wird. Viele Fans stellen sich die Frage, ob man Künstler und Werk trennen kann. Wie siehst du das?
Ich finde, man sollte das nicht trennen, denn der Mensch, der Musik gemacht hat, hat auch die Verbrechen begangen. Ich würde es krank finden, wenn man die Person weiterhin für seine Musik feiert, aber das andere verurteilt. Man sollte den Menschen und seine Musik dann insgesamt in die Tonne treten. Egal, was er musikalisch geleitet hat. Im Endeffekt hat er einfach viele Platten verkauft und viele Fans gehabt, aber wenn man solche Verbrechen begeht, ist das alles null und nichtig. Wenn du jemanden umbringst aber tolle Musik machst, bist du im Endeffekt einfach ein verdammter Mörder.

Wieso hast du eigentlich Deichkind verlassen und wie stehst du heute zu den Jungs?
Dazu kann ich eigentlich noch nicht so viel zu sagen. Das ist ja noch gar nicht so lange her. Wir haben ausgemacht, dass wir nicht in der Öffentlichkeit über die Gründe sprechen. Die Gründe sind aber nicht wegen meiner Solokarriere und auch nicht weil ich Vater geworden bin. Das sind andere, schon fast banale Gründe, aber man ist da einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.

Ihr seid aber trotzdem noch cool miteinander?
Kein Kommentar. (lacht)

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Dann lass uns das Thema wechseln. Könntest du dir vorstellen in einer Castingshow dabei zu sein?
Ja, als Juror schon. Es gab eine Zeit, da hätte ich mir das gut vorstellen können. Das war damals, als „The Voice of Germany“ noch ganz neu war, aber mittlerweile bin ich da etwas zwiegespalten gegenüber den Formaten im Allgemeinen. Das ist schon eine heftige Maschinerie, aber dennoch erinnert man sich in 80-90% der Fälle nicht mehr an die Leute, die das Ding gewonnen haben oder den ersten Platz gemacht haben. In den ganzen 20 Jahren Castingshow kann man vielleicht fünf Leute aufzählen: Pietro Lombardi, Alexander Klaws, Mark Medlock und das war’s dann auch wieder. Ich glaube, es ist gesünder, wenn man sich das selbst alles aufbaut.

Gab es einen Castingshow-Gewinner, den du cool fandest?
so richtig cool nicht. Ich habe es eher geguckt, weil ich es unterhaltsam fand.

Was steht 2019 noch an?
Wir werden viele Shows spielen und Ende des Jahres dann vielleicht wieder ins Studio gehen. Möglicherweise werde ich auch vor der ein oder anderen Kamera stehen. Das ist aber noch nicht spruchreif.

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