Montag, 2. Dezember 2019 23:20 Uhr

Interview: Luke Evans über sein erstes Album

Foto: Anders Overgaard

Seine Karriere als Schauspieler begann Luke Evans (40) für heutige Verhältnisse recht spät. Erst im Alter von 30 Jahren zog er seine erste Filmrolle an Land und spielte 2010 im Fantasykracher ‚Kampf der Titanen‘ den griechischen Gott Apollo. Seitdem dreht der gebürtige Waliser bis zu fünf Filme pro Jahr.

Darunter Blockbuster wie ‚Der Hobbit‘ oder ‚Fast & Furious‘ und die Disney-Realverfilmung von ‚Die Schöne und das Biest‘ – er spielt aber auch in Netflix-Produktionen wie ‚Murder Mystery‘ neben Jennifer Aniston (50) oder der Serie ‚The Alienist‘ an der Seite von Daniel Brühl (41). Aktuell ist er im Kriegsfilm ‚Midway‘ von Roland Emmerich (64) im Kino zu sehen.

Jetzt veröffentlicht Luke Evans mit ‚At Last‘ sein erstes Album als Sänger.

Interview: Luke Evans über sein erstes Album

Foto: Anders Overgaard

Ein erfolgreicher Schauspieler, der nun Coverversionen von Songklassikern wie „Love Is A Battlefield“ eingesungen hat – können Sie verstehen, dass da so mancher irritiert die Stirn runzelt?
Total! Aber es wissen bislang ja auch nur die wenigsten, dass ich meine Karriere als Musicaldarsteller in Westend-Shows wie ‚Rent‘ oder ‚Miss Saigon‘ angefangen habe. Ich wurde im Musicaltheater in Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet. Es ist also durchaus echtes Talent da. (lacht)

Stand ein eigenes Album demnach schon länger auf Ihrer Bucketlist?
Bereits im Alter von zwölf Jahren war es mein Traum, irgendwann mal ein Popstar zu sein. Bereits als Kind habe ich regelmäßig gesungen – alleine im Kinderzimmer zu den aktuellen Chartssongs im Radio oder vor Publikum im Schulchor, auf Hochzeiten oder Trauerfeiern. Das Singen war schon immer meine erste große Liebe. Insofern bin ich sehr happy, dass sich nach zehn Jahren als Schauspieler nun der Kreis schließt und ich auch mal wieder ausgiebig singen durfte.

Sie sagten bereits, dass Sie zunächst als Musicaldarsteller gearbeitet haben. Wie waren Ihre Erfahrungen in dieser Zeit?
In Kinofilmen mitzuspielen war für mich am Anfang ein nahezu unerreichbarer Traum. Ich kenne außer Hugh Jackman nicht viele Leute, die einen ähnlichen Weg gegangen sind. Ich war am als Musicaldarsteller im Londoner West End ja schon froh, wenn ich regelmäßig ein Engagement hatte. Und nur die Stars der Szene können wirklich gut von ihrer Arbeit leben. Trotzdem war ich so sehr mit dem Bühnenvirus infiziert, dass ich immer am Ball blieb – trotz des harten Alltages bei acht Shows, sechs Tage die Woche. Auch dann, als die Engagements plötzlich ausblieben…

Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?
Ich musste mir andere Standbeine aufbauen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Einmal konnte ich sogar sechs Monate keine Rolle in einem Musical mehr an Land ziehen und habe dann als Sänger einer Partyband – aber auch als Türsteher in einem Club oder in einer PR-Agentur gejobbt. Jobs, auf die ich eigentlich so gar keine Lust hatte, sie aber annehmen musste, damit ich weiter an Auditions teilnehmen konnte. Irgendwann hatte ich dann in dem Stück „Small Change“ meine erste große Theaterrolle an Land gezogen und wurde als bester Newcomer gleich für einen Preis nominiert. Ein Jahr später habe ich dann für meine erste Filmrolle in „Kampf der Titanen“ vorgesprochen.

Sehen Sie es als Vor- oder Nachteil, dass Sie erst im Alter von 30 als Schauspieler durchgestartet sind?
Gerade für junge Menschen kann sich zu viel Erfolg in zu kurzer Zeit als extrem schädlich erweisen. Ich habe das selbst gesehen und erlebt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Leute wie Dakota Fanning, die ein Kinderstar war und die ich durch die gemeinsame Netflix-Serie „The Alienist“ auch privat kennenlernen durfte. Dakota ist trotz ihres frühen Erfolgs eine erfrischend normale, geerdete und vom Ruhm unbeeindruckte junge Frau geblieben.

Es hängt also auch immer von der eigenen mentalen Stärke ab. Ich persönlich sehe es aber unbedingt als Vorteil, dass ich erst recht spät bekannt wurde, es nicht über Nacht geschah und sich mein Erfolg zudem bis heute in einem sehr gesunden Rahmen bewegt. Mit einer bestimmten Lebensreife kannst du dich viel besser an das ganze Business gewöhnen. Ich musste bereits in meinem Leben kämpfen – hatte weder Arbeit noch Kohle. Deshalb weiß ich meinen aktuellen Erfolg auch viel mehr zu schätzen, als jemand, der es noch nie anders kannte.

Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Job nervt?
Dass mir regelmäßig in Überlebensgröße um die Ohren gehauen wird, wie ich immer älter werde. (lacht)

Was genau meinen Sie?
Durch meinen Beruf muss ich überdurchschnittlich oft mein eigenes Gesicht sehen – immer wieder auch in Nahaufnahme. Und dann sehe ich auf einmal Falten in meinem Gesicht, die vor einem Jahr garantiert noch nicht da waren. Ich sehe, wie mein Haar dünner und die Schläfen grauer werden; wie sich mein Gesicht und auch mein Körper verändert.

Das ist der Lauf des Lebens, mit dem wir Normalos auch klarkommen müssen…
Schon klar, aber trotzdem werden Leute mit Berufen, die nicht so sehr auf Außenwirkung ausgerichtet sind, nicht ständig derart unmittelbar und gnadenlos mit dem eigenen Verfall konfrontiert. Die schauen morgens und abends beim Zähneputzen in den Spiegel – und das war’s. Wenn ich einen acht Jahre alten Film von mir ansehe, dann denke ich: Wahnsinn, wie sehr ich mich seitdem verändert habe. Das älter werden nervt mich total!

Zählen Sie zu den Männern, die offen über ihre Gefühle, Ängste und Sorgen reden können?
Auf jeden Fall! Ich finde es sogar sehr wichtig, das zu tun. Deshalb gönne ich mir auch regelmäßig Sitzungen bei einem Psychologen.

Tatsächlich?
Das erste Mal habe ich es vor ungefähr fünf Jahren versucht. Ich befand mich zu der Zeit in einem extremen emotionalen Tief: In meiner damaligen Beziehung lief es sehr schlecht und im Job hatte ich mir zu viele Projekte gleichzeitig aufgehalst. Ich brauchte in dieser angespannten Lebensphase unbedingt jemanden, mit dem ich reden und bei dem emotionalen Ballast ablassen konnte.

Reicht da nicht ein langes Gespräch mit einem engen Freund?
Ein paar sehr lieb gemeinte Angebote hatte ich in der Tat. Aber ich wollte eine gänzlich unparteiische und unvoreingenommene Sichtweise der Dinge – und die können dir enge Freunde einfach nicht bieten, da sie sich immer bewusst oder unbewusst auf deine Seite schlagen. Ein Psychologe, der dich vorher noch nie getroffen hat, geht da doch viel unbefangener und somit auch ehrlicher an die Sache heran.

Wie schwer fiel Ihnen die erste Sitzung?
Anfangs war es schon ein komisches Gefühl, mit einem professionellen Zuhörer über intime Gedanken zu sprechen und mich gegenüber einem total fremden Menschen so zu öffnen. Aber nachdem ich die erste Hürde genommen hatte, war es unglaublich befreiend. Heute fällt es mir viel leichter, meine zuweilen ambivalenten Gefühle zu sortieren und Erlebnisse besser zu verarbeiten.

Warum tun sich vor allem Männer oft noch sehr schwer damit, solche Hilfe anzunehmen?
Weil sie in dem Irrglauben erzogen worden sind, dass „echte“ Männer ihre Gefühle immer unter Kontrolle haben bzw. sie nicht über sie sprechen dürfen. Dass sie nichts aus der Fassung bringen darf und sie auf keinen Fall weinen dürfen, da sie sonst als Schwächlinge gelten. Das ist natürlich ganz großer Mist – aber dieses Männerbild hält sich bis heute sehr hartnäckig.

Sollten demnach viel mehr Männer Ihrem Beispiel folgen?
Es müssen ja nicht gleich Therapiegespräche sein – es gibt ja auch andere Wege, um inneren Druck abzulassen: Zum Beispiel, indem wir Gedanken in Form eines Tagebuchs von der Seele schreiben. Auf jeden Fall ist es in meinen Augen nicht gut, wenn wir dauerhaft zu viel Seelenballast mit uns herumschleppen. Der raubt uns viel Energie und irgendwann wird er dann so schwer, dass wir sogar krank werden können. (Interview: Alexander Nebe)

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