Mittwoch, 13. Oktober 2010 14:38 Uhr

Jamiroquai: Alles über das neue Album „Rock Dust Light Star“

Berlin. Nach fünfjähriger Pause melden sich Jamiroquai am 29. Oktober 2010 mit ihrem neuen, mittlerweile siebten, Studio-Album „Rock Dust Light Star“ zurück. Die Single „White Knuckle Ride“ erscheint bereits an diesem Freitag!

Es gibt durchaus ein paar Regeln, die Jay Kay verinnerlicht hat. Und mal ehrlich: Ohne die wäre es ihm wohl kaum gelungen, über Jahre hinweg so unglaublich erfolgreich zu sein. Jede einzelne Single, die er mit Jamiroquai veröffentlicht hat, ist rund um den Globus an die Spitze der Charts vorgeprescht (das allein sind bis dato schon über 20 Stück!), der unverwechselbare Jamiroquai-Sound hat permanent die Tanzflächen in aller Welt dominiert; und überhaupt reden wir hier von einer Karriere, die jetzt schon unglaubliche 18 Jahre umspannt, und in deren Verlauf sich die bisher veröffentlichten sieben Alben stolze 25 Millionen Mal verkauft haben (wenn man das Greatest-Hits-Album aus dem Jahr 2006 mal dazurechnet). Mit ein paar vagen Ideen schafft man das sicher nicht.

Schauen wir uns die besagten Regeln daher doch mal etwas genauer an: Zunächst einmal wäre da der Grundsatz, dass „ein Song auch dann grandios klingen muss, wenn man ihn nur mit Keyboard und Gesang bzw. mit Gitarre und Gesang umsetzt.“ Wenn das nicht der Fall ist: „Sofort in die Tonne damit.“ Selbst den besten Produzenten und Musikern der Welt – und Kay weiß genau, von wem er da spricht: seine Mitstreiter spielen allesamt in der Topliga – wird es nicht gelingen, eine mittelmäßige Idee in etwas Grandioses zu verwandeln. Da kann der Groove auf den ersten Blick noch so verlockend wirken – das allein reicht noch lange nicht. Doch wenn das klangliche Fundament erst mal steht und diesen Test bestanden hat, gibt es für ihn kein Halten mehr.

Während er gerade erst einen neuen Plattenvertrag unterzeichnet und seinen 40. gefeiert hat, legt Jay Kay zudem noch immer größten Wert darauf, dass alles schön schnörkellos und eingängig bleibt. In seinen klaren, unverblümten Worten klingt das so: „Hör mir bloß damit auf, die Songs so verdammt unübersichtlich und verworren zu machen. Ich gebe ja zu, dass auch ich hin und wieder dazu neige, Songs zu kritisieren und zu sagen: ‘Oh Mann, die Textzeile hat ja nicht gerade besonders viel Tiefgang’“, gesteht der Sänger, der sich seit Jahren mit Umweltthemen, religiösen Fragen, Themen aus der Zukunftsforschung und dem Weltall befasst (ganz zu schweigen von seinem bekannten Hang zu schnellen Autos und neuerdings zu noch schnelleren Hubschraubern). „Aber warte mal: Ein paar der größten Songs der Musikgeschichte sind unglaublich einfach gestrickt! Hört euch doch mal die Songs von Stevie Wonder an – ‘all in love is fair, two people play the game’… Da muss man sich nicht gerade das Hirn zermartern, um diesen Satz zu verstehen, und trotzdem ist es einfach herzzerreißend, wenn Stevie diese Worte singt. Manchmal ist es vollkommen okay, wenn du einfach singst, dass da eine Kuh auf irgendeinem Hügel sitzt. Das geht auch. Wenn man diesen Satz auf die richtige Art und Weise präsentiert, funktioniert der Song einfach. Das wäre so eine goldene Regel“, berichtet er nüchtern.

Weiter im Text: Keine Videos mehr, in denen quadratische Leuchtfelder im Hintergrund aufblinken. Kein Wunder: Wer so viele zeitlose Videoclips wie Kay gemacht hat, muss irgendwann von derartigen Standards gelangweilt sein – darum hat er sich jetzt vorgenommen, ab sofort nur noch Videos zu drehen, die eher wie Kurzfilme funktionieren. Was jedoch nicht bedeutet, dass darin keine Helikopter auftauchen dürfen, in denen er sein inzwischen offiziell beglaubigtes Können als Pilot unter Beweis stellen kann. Dagegen ist nach wie vor nichts einzuwenden.

Nicht so viel nachdenken und analysieren, wenn man im Studio ist. „Was ich bei diesem Album gemacht habe, um zu verhindern, dass mir langweilig wird und ich aus dieser Langeweile heraus voreilige Fehlentscheidungen treffe – à la „Oh, der gefällt mir irgendwie gar nicht mehr; das löschen wir besser mal.“ –, war folgendes: Ich hab einen Song aufgenommen, daran bis zu einem gewissen Level herumgefeilt, und dann hab ich ihn mir zwei Monate lang nicht mehr angehört. Wenn man nach so vielen Wochen nämlich die Arbeit an dem Stück wieder aufnimmt, geht man automatisch wieder voll drauf ab und weiß sofort, wie man weitermachen muss.“

Zu viel Presse schadet nur, also lieber den Ball flach halten. Keine Frage: Jay Kay war zeitweise omnipräsent in den Medien – was gut und schlecht zugleich war. Doch ab sofort lautet das Motto: Die Musik muss im Vordergrund stehen. Sie soll für sich sprechen. Dann schon lieber etwas mehr Zeit im Studio verbringen, bis musikalisch auch wirklich alles sitzt. Dabei darf man nicht vergessen, dass fünf Jahre seit der Veröffentlichung des letzten Studioalbums „Dynamite“ ins Land gegangen sind; danach kam nur noch die Greatest-Hits-Collection „High Times: Singles 1992-2006“ – und auch diese Veröffentlichung liegt nun schon wieder vier Jahre zurück. „Wir befinden uns gerade an einem ziemlich heiklen Punkt“, sagt er mit der für ihn typischen Offenheit. „Wäre die neue Platte nicht in diesem Jahr fertig geworden, hätten wir uns so langsam aber sicher in die Zone bewegt, in der die Leute sagen: ‘Ach ja, da war doch was. Ich kann mich noch dunkel an die erinnern…’“

Doch dazu wird es nicht kommen, denn Jamiroquai – also Jay Kay und sein bewährtes Musikerteam – sind zurück. „Rock Dust Light Star“ lautet der Titel seines siebten Studioalbums, das zugleich sein Debüt für Mercury Records ist, und das Ergebnis von zwei Jahren Arbeit klingt einfach nur massiv, poetisch, inspirierend, unfassbar satt und feinfühlig zugleich. Was jedoch die zwei Jahre betrifft, muss man an dieser Stelle einräumen, dass Kay in dieser Zeit auch noch seinen Hubschrauberpilotenschein gemacht hat, was natürlich auch viel Arbeit und Nerven gekostet hat.

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