Jazz-Crossover von Joo Kraus – Ein Gute-Laune-Garant

Ein Stimmungsaufheller in finsteren Zeiten: «We Are Doing Well» von Joo Kraus.
Ein Stimmungsaufheller in finsteren Zeiten: «We Are Doing Well» von Joo Kraus.

Rob Stirner/dpa

23.02.2021 13:20 Uhr

Einer der besten Trompeter des deutschen Jazz lässt Corona ein mieses kleines Virus sein und sich die Laune davon nicht verderben. Joo Kraus überträgt diesen Trotz mit coolen Crossover-Sounds auch auf seine Hörer.

Wer zu Beginn des zweiten Corona-Jahres ein neues Album „We Are Doing Well“ nennt (also: Uns geht’s gut) – der hat schonmal aus Prinzip einen Pluspunkt gewonnen. Und wenn dann die Musik so unverschämt gute Laune im Lockdown macht wie die von Joo Kraus, dann schon gleich zwei.

Der inzwischen 54 Jahre alte Jazz-Trompeter, Sänger und Komponist ist auf diesem – in einem bewährten Quartett eingespielten – Werk so locker drauf, dass er in „Elvis In Paris“ plötzlich sogar zu pfeifen und zu johlen beginnt. In einem anderen Track fragt er „How’s My Hair?“ – auch diese in Zeiten coronabedingt zugesperrter Friseursalons existenzielle Frage wird positiv beantwortet. Später gibt’s einen Remix des Titelstücks von „We Are Doing Well“ (o-tone music/Edel Kultur) – längst ist die Stimmung des Hörers erheblich nach oben geklettert.

Kraus ist ein bewährter Gute-Laune-Garant im Grenzbereich von Jazz, Funk, Rock, Worldmusic und Pop. Seine Platten – ob mit Helmut Hattler im Duo Tab Two und in der Band Kraan, solo oder in diversen Kollaborationen – glänzten auch früher schon mit tollen Grooves. Sein neues, meist sehr tanzbares Album kommt nun aber wohl gerade angesichts der allgegenwärtigen Tristesse und geschlossener Clubs gerade recht.

Vier Jahre ist es her, seit der gebürtige Ulmer, der sogar schon für den Grammy nominiert war (2003 für sein erstes Soloalbum in Zusammenarbeit mit der SWR Big Band), den Vorgänger „JooJazz“ vorlegte. Dass er mit Stil-Grenzen und Crossover-Mahnungen so gar nichts mehr am Hut hatte, konnte man damals deutlich hören. Auf „We Are Doing Well“, das mit dem von Fola Dada wunderbar weich gesungenen „Love“ auch eine melancholische Ballade enthält, lässt Kraus nun erneut jedes Schubladendenken hinter sich.

„Die Songs sind diesmal noch freier geworden, weil wir uns noch weniger drum scheren, ob das in irgendeinem Radio gespielt wird oder sonst in kein Format passt“, sagt der gut 30 Jahren aktive und beliebte Musiker, der mit 19 den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewann. „Wir“, das sind Kraus und seine Mitmusiker seit 16 Jahren: Schlagzeuger Torsten Krill (auch Produktion, Recording, Mixing und Mastering), Kontrabassist Veit Hübner und Pianist Ralf Schmid. Am Ende des Albums stellt Kraus die Band fingerschnippend-swingend vor – sehr cool!

„Willkommen in Jootopia“, jubelt die Label-PR. Wer etwas für sein seelisches Wohlbefinden nach einem miesen Pandemie-Winter tun will, könnte Schlechteres tun, als die Einladung anzunehmen. Nach bisher vorliegenden (optimistischen) Terminen soll es im Frühjahr sogar eine in der Heimat (Lörrach) beginnende Tournee geben.