Mittwoch, 24. April 2013 21:18 Uhr

Junip: Was für ein großartiges Album und was für ein schräger Kuss!

Es gibt Bands, die passen einfach in keine Kategorie. Da hört man dann einen Song, der ganz bedächtig, fast unschuldig anhebt, und den Hörer nach wenigen Minuten fortträgt in eine andere, aufregendere Welt, voller geheimnisvoller Laute und großer Emotionen.

Junip-_JonBergmann

‚Line Of Fire‘ von Junip ist so ein Song – der nicht nur im Radio rauf und runter läuft – ein Opener im wahrsten Sinne des Wortes, hypnotisch, surreal, vielschichtig und doch authentisch. Ein Tor in eine andere Welt. Und entweder man lässt sich forttragen von dieser Junip-Welle, die alles andere unter sich begräbt, und will dann gar nicht mehr zurück in die Welt des formatierten Indie-Pops, oder die sechs Minuten ‚Line Of Fire‘ lassen einen kalt. Ganz einfach, das neue, selbstbetitelte Album ‚Junip‘ (Cityslang) ist eine Klasse für sich. Und das schräge Video zum Opener könntê glatt von David Lynch stammen.

Genial, wie genau beim ersten – extrem schüchternen – Kuss der Synthie-Sound verrutscht.

Junip-Kiss

„We’re somewhere between a German jazz band and an African pop band“, sagt Sänger und Songwriter José González schön vieldeutig und lässt sich nicht in eine Ecke drängen.

Junip leisten sich den heutzutage unerhörten Luxus, erst dann ein Album zu veröffentlichen, wenn die Songs wirklich ausgereift sind.

2010 erschien ihr gefeiertes Debüt ‚Fields‘, aber Gonzáles macht schon seit 1998 mit Elias Araya an den Drums und dem Keyboarder Tobias Winterkorn Musik.

Schnellschüsse gibt es bei Junip also eher nicht, was auch daran liegt, dass González in der Zwischenzeit noch eine erfolgreiche Solokarriere mit über einer Millionen verkaufter Platten absolviert ist.

_JUNIP_Credit_Jon_Bergmann

Jetzt aber ist die Zeit reif für Junip, und wer den sich in psychedelische Höhen hochschraubenden Opener gehört hat, kann beim entspannt-verspielt wummernden ‚Suddenly‘ erstmal Luft holen, bevor mit ‚So Clear‘ bereits die nächste Breitwand-Hymne anhebt.

Zwischen die großen Anthems haben Junip das nur knapp zweiminütige ‚Villain‘ versteckt, ein dumpf scheppernder Widerhaken mit spukhaften Keyboard-Lines, ein Stück, bei dem laut González im Studio der Knoten geplatzt ist.

Davon kann man sich auch beim abermals hypnotisch mäandernden «Walking Lightly» überzeugen. Hier ist eine Band ganz bei sich selbst, schreitet in zehn perfekt arrangierten und ausgeloteten Songs leichten Schritts ihren verschlungen-verwunschenen Kosmos ab. Das könnte live sehr spannend werden.

Tourdaten: 03. Mai, Heidelberg, Karlstorbahnhof; 04. Mai, München, Kammerspiele; 05. Mai, Berlin, Astra; 06. Mai, Hamburg, Übel & Gefährlich; 10. Mai, Köln, Stollwerk;

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Fotos: Jon Bergmann/Cityslang

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