16.11.2020 21:59 Uhr

Kim Wilde: Ein Tattoo zum 60. Geburtstag – Unser Interview

Am 18. November wird Kim Wilde 60 Jahre alt. Zu ihrem Ehrentag erscheint ihr festliches Album „Wilde Winter Songbook“ in einer Deluxe-Edition mit neuen Songs sowie Duetten mit Rick Astley und Nik Kershaw.

Foto: Steve Ullathorne

„Kids in America“, „Cambodia“, „You Came“ – mit den Hits aus der Feder ihres Bruders Ricky Wilde schrieb die Sängerin in den Achtzigern Musikgeschichte. In ihrer Heimat ist sie die Britin mit den meisten Hit-Singles in besagter Dekade.

Ende der Neunziger entdeckte die Mutter zweier Kinder das Gärtnern für sich, schrieb darüber Bücher, moderierte eine TV-Sendung und wurde mit der Goldmedaille der Chelsea Flower Show ausgezeichnet. Heute bringt sie Musik, Familie und Garten bestens unter einen Hut – und ist immer noch wild, wie sie im Interview mit klatsch-tratsch.de-Star-Reporterin Katja Schwemmers verrät.

Kim Wilde: Ein Tattoo zum 60. Geburtstag - Unser Interview

Kim Wilde mit Hape Kerkeling 1984. Foto: imago images / teutopress

Ms. Wilde, wo feiern Sie Ihren 60. Geburtstag?
Zuhause! Mit meinem Mann, unseren zwei Kindern und den zwei Hunden an meiner Seite. Ich vermute mal, meine Tochter Rose wird mir einen Kuchen backen. Meine Eltern werden vorbeikommen zum großen Dinner. Es wird ein sehr ruhiger Abend., aber ich freu mich schon drauf, meine Geburtstage sind immer sehr besonders.

Wie fühlt es sich für Sie an, 60 zu werden?
Verrückt! Ich und 60? Ich kann es wirklich nicht glauben. Das ist so surreal für mich. Doch gleichzeitig weiß ich, dass es eine wirklich lange Reise bis hierhin war. Ich habe kein Problem mit dem Prozess des Älterwerdens. Ich fühle mich gut damit. Ich habe viel vom Leben gelernt und trotzdem meinen Humor und meine Liebe für das Leben nie verloren.

War das Leben denn schlecht zu Ihnen?
Nein, gar nicht. Aber ich habe dennoch viele schreckliche Dinge gesehen von vielen schrecklichen Menschen. Trotzdem habe ich immer noch großes Vertrauen in die Menschlichkeit und glaube daran, dass sich die Dinge auf positive Weise auflösen können. Die kleinen Wunder und die schönen Dinge – das ist die Welt, in der ich lebe.

Also schenken Sie Menschen wie Boris Johnson so wenig Aufmerksamkeit wie möglich?
Politiker sind doch eh alle gleich. Ihre Motivation, warum sie in die Politik gegangen sind, erscheint mir oft dubios. Ob sie uns wirklich helfen wollen, ein besseres Leben zu führen, ist fragwürdig. Ich würde gerne die positiveren Seiten an ihnen sehen, aber bei gewissen Politikern ist das nun mal unmöglich. Wir können dennoch alle einen großen Unterschied machen in unseren eigenen Leben.

Inwiefern?
Auf die Art, wie wir unsere Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn behandeln. Der kleine Radius ist das, worauf ich mich fokussiere, wenn es um Veränderung in der Welt geht. Darauf habe ich Einfluss. Und wenn jeder von uns das tun würde, würden wir vieles verändern können auf diesem Planeten. Wir haben es selbst in der Hand und können an unserer eigener Türschwelle beginnen.

Haben Sie mit 60 etwas an Ihrem Lebensstil verändert?
Ich habe schon vor drei Jahren dem Alkohol komplett abgeschworen. Ich fühle mich sehr viel gesünder, rundum besser und klarer in meinem Kopf. Als schönen Nebeneffekt verlor ich dabei auch noch ein paar Kilos. Ich habe viel mehr Energie, nutze die Tage intensiver, und es ist auch gut für meine mentale Gesundheit. Mit dem Alkohol aufzuhören, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Haben Sie eine Löffelliste?
Ich habe mit meiner Tochter Rose eine gemacht. Es gibt ein paar Sachen, die wir gemeinsam vorhaben. Etwas davon haben wir bereits erledigt: Wir ließen uns zusammen tätowieren! Auf unseren linken Armen prangt nun jeweils ein mystisches Avalon-Tattoo. Es ist ein Symbol, das Rose und mir wahnsinnig viel bedeutet. Es repräsentiert einen magischen Moment, der uns vor einigen Jahren passiert ist. Aber der ist zu persönlich, um ihn preiszugeben.

Sie werden immer mit den Achtzigern in Verbindung gebracht. Haben Sie selbst eine Lieblingsdekade?
Die Achtziger waren wundervoll. Aber in den Neunzigern habe ich geheiratet und Kinder bekommen. Mein Leben änderte sich, es gab plötzlich auch ein Leben fernab des Rampenlichts. Ich bin damals oft nach Thailand gereist, woran ich schönste Erinnerungen habe. Für mich waren es also meine Dreißiger in den Neunzigern, die ich als beste Zeit meines Lebens sehe.

Welchen Tipp würden Sie der 20-jährigen Kim Wilde geben?
Nicht so viel Zeit damit zu verbringen, sich Sorgen zu machen! Ich habe früher immer einen Grund dazu gefunden. Was passieren könnte oder nicht – auf solche Fragen habe ich viel zu viel Zeit verschwendet. Ich war sehr hart zu mir selbst. Ich würde meinem jungen Ich also sagen: „Sei nicht so streng mit dir. Mach dir nicht so viele Gedanken. Hab Spaß an der Reise. Mach dir keine Sorgen um das, was du nicht sehen kannst!“

In Ihrer Heimat sind Sie die Britin mit den meisten Hitsingles in den Achtzigern.
Ein Rekord, den mir keiner mehr nehmen kann! Bestimmte Lieder waren meine besten Freunde. Und das Tollste ist: Ich liebe Popmusik heute immer noch genauso wie früher. Bei meinem Dad, der 81 ist und gerade ein neues Album veröffentlicht hat, ist es ähnlich. Ich bin jedenfalls immer noch Fan. Ich bin immer noch wild und begeisterungsfähig. Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich einen tollen Song höre, und es hebt sofort meine Stimmung.

In wieweit ist Nena verantwortlich dafür, dass Sie immer noch so umtriebig in der Musik sind?
Nena hat mich aus dem Ruhestand geholt! Als sie mich 2002 fragte, ob ich mit ihr „Anyplace, Anywhere, Anytime“ aufnehmen würde, war ich schon jahrelang aus dem Popbusiness raus. Ich hatte nicht geplant, ein Comeback zu starten. Ich dachte, okay, ich singe auf dem Lied, und dann höre ich nie wieder von der Sache. Ich war richtig geschockt, als sie mich anriefen und sagten, der Song würde sich zum Riesen-Hit entwickeln – nicht nur in Deutschland. In den Niederlanden und Österreich war er sogar auf Platz 1.

War das eine schöne Erfahrung?
Schon. Plötzlich war ich mit ihr wieder in all den Shows, von denen ich dachte, dass ich nie wieder dort auftreten würde. Ich war nicht wirklich bereit, wieder ein Popstar zu sein, aber Nena brachte mich in Form. Manchmal war es sehr inspirierend, sie um mich zu haben, manchmal auch eine ziemliche Herausforderung.

Kim Wilde: Ein Tattoo zum 60. Geburtstag - Unser Interview

Foto: Steve Ullathorne

Welchen Einfluss hatte Deutschland auf Ihre Karriere?
Es war das erste Land außerhalb Großbritanniens, das ich besuchte am Anfang meiner Karriere. Ich war damals im „Musikladen“ zu Gast, arbeitete viel mit Magazinen wie „Bravo“ und „PopRocky“ zusammen. Besonders in Hamburg, Bremen und München verbrachte ich sehr viel Zeit. Unvergesslich ist mir auch die gemeinsame Tour mit Alice Cooper in 2014. Das war eine wundervolle Erfahrung.

Für David Bowie eröffneten Sie 1990 bei seiner „Sound + Vision Tour“.
Wir haben 30 Shows in Europa zusammen gespielt. Es war unfassbar, seine größten Hits jeden Abend hören zu dürfen. Ich bilde mir ein, dass er mochte, was ich tue, und ich ihn deshalb begleiten konnte. Ich habe Bowie dabei ein paar Mal getroffen, er war sehr bodenständig und geradezu normal, einfach nur ein liebenswerter, offener Typ. Ich war leider zu beeindruckt von ihm, wenn ich in seiner Nähe war. Ich konnte nie die richtigen Worte finden.

Es sind diverse Songs über Kim Wilde geschrieben worden. Ihre Lieder wurden aber auch immer wieder gecovert. Gefiel Ihnen davon etwas besonders?
Der französische Sänger Laurent Voulzy hat den Titel „Les Nuits Sans Kim Wilde“ gesungen, was so viel bedeutet wie Nächte ohne Kim Wilde. Das ist ein echter Achtziger-Pophit. Wir drehten ein Video dazu, und ich absolvierte einige Auftritte mit ihm. Ich habe die Trash-Metal-Version von „Kids In America“ von Lawnmower Deth immer geliebt. Sie ist so fern von allem, und doch ist es für mich die einzige Version, die die Originalität des Songs auf sehr natürliche Art einfängt. Ich werde nie vergessen, wie ich den Song 2016 beim Metal-Festival „Download“ Festival mit ihnen gemeinsam gesungen habe. Das war einfach nur noch witzig.

Im kommenden Jahr ist es 40 Jahre seit der Veröffentlichung von „Kids In America“ her. Werden Sie Ihren Durchbruchs-Hit feiern?
Klar! Im Frühling veröffentliche ich mein Greatest-Hits-Album. Dafür wird es noch einige großartige Überraschungen geben. Eine verrate ich jetzt schon: ein Duett mit Boy George! Es gibt noch ein unveröffentlichtes Album, das ich in den Neunzigern aufgenommen hatte, kurz bevor ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde. Das wollen wir auch noch rausbringen. Und ich hoffe natürlich, dass unsere Konzerte im Oktober 2021 stattfinden können und wir dann alle wieder unsere Leben leben können. Es gibt dieses Weihnachten viel, wofür es sich zu beten lohnt.

Tipps für Fans

Album: Kim Wilde „Wilde Winter Songbook – Deluxe Edition“ (Earmusic/Edel, jetzt erschienen)

The Greatest Hits Tour 2021:
30.09.21 Mannheim, Capitol
01.10.21 Stuttgart, Im Wizemann
02.10.21 München, Circus Krone
04.10.21 CH-Zürich, Volkshaus
05.10.21 Saarbrücken, Congresshalle
06.10.21 Köln, E-Werk
07.10.21 Hannover, Capitol
09.10.21 Leipzig, Haus Auensee
10.10.21 Hamburg, Große Freiheit 36
12.10.21 Offenbach, Capitol
13.10.21 Berlin, Tempodrom
14.10.21 Rostock, Stadthalle