Montag, 30. September 2013 18:05 Uhr

Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol über ihr erstes Album

Klaas Heufer-Umlauf (30) kennt man zu Genüge von seinen Auftritten im Doppelpack mit seinem Fernsehkollegen Joko Winterscheidt – zum Beispiel bei ‚Circus Halligalli‘. Aber es gibt noch einen „anderen Mann an seiner Seite“!

Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol über ihr erstes Album

Vor acht Jahren lernte der in Berlin lebende TV-Moderator  nämlich Mark Tavassol (39), damals noch Bassist bei ‚Wir sind Helden‘, in Hamburg kennen.

Aus der Männerfreundschaft enstand die Deutschpopband ‚Gloria‘, die letzten Freitag ihr gleichnamiges Album veröffentlicht und ab November auf eine erste Deutschland-Tour geht. Im Interview erzählen die beiden von Nervosität, Neuanfängen und ihrem eigenen Berlin.

Meine Herren, haben Sie schon die Hosen voll, wenn Sie an Ihre erste Tournee denken?
Mark Tavassol: Auf gesunde Art sollte man sogar die Hosen voll haben!
Klaas Heufer-Umlauf: Auf jeden Fall! Ich kenne es, Sachen zum ersten Mal zu machen, aber das ist jetzt noch mal eine Aufgeregtheit, die sehr speziell ist, die ich aber auch genießen kann. Denn ich fände es ganz traurig, wenn ich mir mein Leben so organisiert hätte, dass so etwas gar nicht mehr vorkommt. Vor so einem Leben hätte ich mehr Angst als vor vielen kleinen Toden, die man auf der Bühne stirbt, mit der Belohnung, danach wie neugeboren zu sein.

Was macht Sie denn besonders nervös?
Heufer-Umlauf: Ich mache mir um viele Kleinigkeiten Gedanken wie: Was denkt man, während man singt? Und was mache ich mit meinen Händen?

Gloria, 2013

Haben Sie schon eine Lösung für letzteres Problem gefunden?
Heufer-Umlauf: Ich werde mich an der Stange vom Mikrofonständer festhalten.
Tavassol: Hoffentlich nicht an meiner!
Heufer-Umlauf: Bisher war ich Doppeldeutiges nur von Joko Winterscheidt gewohnt. So weit sind wir noch nicht! Aber ich hoffe, dass ich nicht nervös an deiner Jacke herumnestle.
Tavassol: Vielleicht möchtest du ja doch in mein Mikro singen? Das sieht dann aus wie bei den Scorpions in ihren besten Zeiten!

Ein wenig Erfahrung als Sänger konnten Sie bereits sammeln, als Sie vor fast 100.000 Leuten bei Rock Am Ring „Angels“ von Robbie Williams intoniert haben.
Heufer-Umlauf: Damals konnte ich mich hinter einer Wand aus Ironie verstecken. Das ist jetzt nicht mehr so. Alles ist so gemeint, wie man es singt. Auf gewisse Weise steht man nackter da. Wir haben Songs geschrieben, wo die Stimme sehr im Vordergrund steht. Dann gibt es wieder andere, da ist die Stimme fast ein Instrument oder es wird gefühlte zehn Minuten überhaupt nicht gesungen.
Tavassol: Da stellt sich dann nicht nur die Frage, was mache ich mit den Händen, sondern: Was mache ich mit meinem Kopf?

Haben Sie auch Schiss, dass bei der Tour keiner kommt?
Tavassol: Mit Wir sind Helden haben wir 2002 vor fünf zahlenden Gästen gespielt. Aber so schlimm wird es diesmal hoffentlich nicht werden.
Heufer-Umlauf: Ich habe das immer. Sogar bei „Circus HalliGalli“. Ich kann mir nie vorstellen, dass zu Hause einer die Jacke und ein Paar Schuhe anzieht, um zu uns zu kommen.

Sie sind viel beschäftigter TV-Moderator, Schauspieler und im April Vater geworden. Warum tun Sie sich jetzt auch noch Musik an?
Heufer-Umlauf: Das ist für mich seelische Entspannung! Einfach nur Rumsitzen ist keine wirkliche Erholung. Musikmachen macht mir nicht nur Spaß, es füllt den Kopf mit so vielen Informationen, dass man andere Dinge für den Moment vergessen kann.

Fühlt sich Gloria nach dem Ende Ihrer Band Wir sind Helden auch wie ein Neuanfang an, Herr Tavassol?
Tavassol: Auf jeden Fall. Ich habe zehn Jahre eine Band gehabt und habe sie irgendwie im Geiste immer noch. Mit Klaas arbeite ich schon lange zusammen, aber das beschränkte sich bisher auf die Studioarbeit. Ich merke, wie viel Spaß ich daran habe, irgendwelche Effektgeräte hervorzukramen. Ich habe länger nicht mehr auf einer Bühne gestanden. Bei Wir sind Helden hatten wir zum Schluss eine gewisse Routine. Die gibt es bei Gloria nicht.

Und Klaas ist auch keine Judith Holofernes!
Tavassol: Ne, Klaas ist Klaas. Er ist für viele Leute für etwas bekannt, was er gut kann – aber Klaas hat auch andere Seiten. Es ist ja nicht so, dass er ständig rumblödelt. Wir reden teilweise über sehr ernste Sachen. Für Leute, die ihn kennen, ist es deshalb wenig überraschend, dass die Musik, die wir machen, auch melancholisch klingt. Wir schreiben auch die Texte zusammen.

Die Texte klingen in der Tat tiefgründig. Machen Gloria Befindlichkeitsmusik?
Heufer-Umlauf: Befindlichkeitsmusik klingt immer ein bisschen nach Therapie. Das ist es bei uns definitiv nicht. Es ist eher so, dass wir auf ganz untherapeutische Weise probieren, uns sehr konkret mit einem Gedanken auseinanderzusetzen. Bis daraus ein Song wird, gibt es den Moment der vollkommenen Ehrlichkeit. Allein dafür lohnt es sich.
Tavassol: Wir fragen uns dann: Wie können wir es so formulieren, dass das Gefühl an keiner Stelle einknickt? Das ist die große Anstrengung! Wir reden uns darüber teilweise die Köpfe heiß.

Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol über ihr erstes Album

Sind Sie denn in einer ähnlichen Lebenssituation, dass das gemeinsame Songschreiben funktioniert?
Heufer-Umlauf: Wir haben schon unterschiedliche Lebenswege. Mark ist auch knapp zehn Jahre älter als ich. Interessant ist aber, dass man sich durch so ein Projekt synchronisiert, weil man dasselbe Ziel vor Augen hat. Das kultiviert so eine Männerfreundschaft auch, weil man gemeinsame Erlebnisse teilt.
Tavassol: Es ist wie in einer Ehe. Wir haben auch ein gemeinsames Konto.

In den Videoclips von Gloria sowie auf dem Album-Artwork sind Ihre Gesichter nicht zu sehen. Warum eigentlich nicht?
Heufer-Umlauf: Das hat nichts mit Selbstverleugnung zu tun. Es ist in unserer Situation ein klares, wichtiges Zeichen, die Musik für sich sprechen zu lassen. Wenn Leute unsere Namen lesen, wissen sie eh, wie wir aussehen. Das heißt nicht, dass wir nie in einem unserer Videos mitspielen werden, wenn die Idee gut ist. Aber momentan ordnen wir uns dem Werk unter.
Tavassol: Du darfst es ruhig ein Meisterwerk nennen!

Auf dem Album gibt es den Song „Eigenes Berlin“. Was für ein Statement ist das?
Heufer-Umlauf: Ich finde, Berlin ist wie ein Setzkasten und funktioniert im Baukastenprinzip. Du kannst dir dein eigenes Berlin aus vielen verschiedenen Möglichkeiten zusammenbauen, und dann kannst du darin leben. Das Berlin deines Nachbarn kann ein ganz anderes sein, von dem du nichts mitbekommst. Auch ich habe mir so meine eigene kleine, individuelle Idealwelt zusammengebaut. Seitdem komme ich gut mit der Hauptstadt klar.

Als gebürtiger Oldenburger war Berlin also keine Liebe auf den ersten Blick für Sie?
Heufer-Umlauf: Nein, ich habe mich in Berlin nicht von Anfang an wohl gefühlt. Ich bin hierher gezogen, weil es einfach logisch war, und ich wohne hier immer noch, weil es unlogisch wäre, hier nicht zu wohnen. Ich mag die Stadt, aber möchte hier nicht für immer leben. Trotzdem habe ich mir im großen Berlin mein kleines Berlin zusammengestellt, so wie es mir gefällt. Und das hängt von gewissen Personen ab, das hat mit dem Beruf zu tun und mit Erinnerungen, die man mittlerweile hat. Ich schlage meine Wurzeln immer tiefer in die Erde. Ich habe zunehmend soziale Verantwortung in Berlin – allein deshalb kann ich schon mal nicht weg. Aber es ist eben keine neue Heimat. Berlin kann, wie ich finde, etwas sehr Hartes haben. Damit bin ich nie so richtig warm geworden.
Tavassol: Ganz seltsam ist, wie komisch jemand, der aus Berlin wegzieht, beäugt wird. Da wird dann gefragt: Hat das irgendwie nicht geklappt? Ist ihm das zuviel geworden? Teilweise habe ich so was auch in Hamburg erlebt.

Und mit den Hipstern, die man morgens auf der Oberbaumbrücke trifft, haben Sie es auch nicht so?
Heufer-Umlauf: Dieser Meinungsführer-Elite möchte ich bitte nicht angehören! Wenn ich um 8 Uhr morgens draußen unterwegs bin, was gar nicht so selten vorkommt, und die mir Bierflaschen schwenkend entgegenkommen, dann denke ich mir jedes Mal: In der Bettwäsche, in die du gleich kriechst, möchte ich nicht frisch geduscht liegen!

Das Album haben Sie in Hamburg aufgenommen. Wie klappt das denn auf der Achse Hamburg-Berlin?
Heufer-Umlauf: Wenn der ICE fährt, richtig gut.
Tavassol: Ich habe für Klaas auch immer ein tolles Gästezimmer.
Heufer-Umlauf: Als ich heute Morgen um 5 Uhr ankam, lag ein Tablett auf dem Bett mit einer Flasche Wasser, einem Apfel, einer Banane und einem Schokoriegel. Bei Mark ist es so schön wie in einem privat geführten Familienhotel!

Interview: Katja Schwemmers

GLORIA – „Wie sehr – Tour“

07.11.13 Essen, Zeche Carl
08.11.13 Hannover, Musikzentrum
10.11.13 München, Ampere
12.11.13 Stuttgart, Wagenhallen
13.11.13 Leipzig, Werk2
06.12.13 Frankfurt, Zoom
07.12.13 Köln, Gloria
08.12.13 Berlin, Lido

Fotos: Erik Weiss

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