Mittwoch, 6. März 2019 17:53 Uhr

Konzertbericht: Herbert Grönemeyers umjubelter Tour-Auftakt

Herbert Grönemeyer umarmt sein Publikum. Foto: Carsten Rehder

Toleranz statt Rechtsextremismus, Empathie statt Ausgrenzung: Herbert Grönemeyer startet seine neue Tour mit klaren politischen Botschaften gegen Rechts – verpackt in lyrische Texte. Das Konzert gerät aber vor allem zur Hymne auf Liebe und Menschlichkeit.

Konzertbericht: Herbert Grönemeyers umjubelter Tour-Auftakt

Herbert Grönemeyer multimedial in Kiel. Foto: Carsten Rehder

Mit einem musikalisch begeisternden, aber auch politischen Konzert feiert Herbert Grönemeyer in Kiel einen grandiosen Tourneestart. Der 62 Jahre alte Musiker bietet am Dienstagabend in der mit 9000 Fans ausverkauften Sparkassen-Arena ein Feuerwerk neuer und alter Songs, mit facettenreichen Arrangements von leisen Tönen über Rock bis zu lateinamerikanischen Rhythmen und sogar Swing.

Erst nach zweieinhalb Stunden und drei Zugaben-Blöcken lassen ihn die begeisterten Fans von der Bühne. „Danke, ein herrlicher Abend“, sagt Grönemeyer sichtlich erleichtert und beglückt.

Opening mit Liebeslied

„Sekundenglück“ eröffnet fast schon programmatisch den Abend – ein wunderschönes Liebeslied seines im November erschienenen und inzwischen mit Platin ausgezeichneten Albums „Tumult“. Aber schon der zweite Song „“Bist Du da“ schlägt den Bogen zum Politischen. Grönemeyer selbst hat im „Spiegel“-Interview den Song als „ein klares Widerstandslied“ bezeichnet, „ein Aufruf sich zu bekennen“.

„Die Zeit schreit nach Haltung“

Der Song „Fall der Fälle“ ist auch eine klare Ansage zum Widerstand gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Ausgrenzung und zugleich für ein Bekenntnis zu Empathie und Toleranz: „Es bräunt die Wut, es dünkelt/der kleine Mob macht rein/Es ist die Angst, die glaubt/sauber muss es sein/und immer brenzlig und gemein“, bezieht Grönemeyer Position, um in der letzten Strophe definitiv klar zu machen: „Keinen Millimeter nach rechts.“ Diese Zeile wiederholt er mehrfach selbst und lässt, die Hand mit dem Mikrofon zum Publikum ausgestreckt, es die Fans ihm nachmachen.

„Die Zeit schreit nach Haltung“, sagt Grönemeyer zwischen den Liedern. Es gelte, klare Kante zu zeigen, aber nicht verbissen und steif, sondern gelassen. Wo Sprache verrohe, wo man selbst aufpassen müsse, im eigenen Denken nicht zu verkrusten, müsse man sich „klar gegen Rechts positionieren. Es bestehe die Gefahr, dass die Maßstäbe nach rechts verrutschten.

Konzertbericht: Herbert Grönemeyers umjubelter Tour-Auftakt

Herbert Grönemeyer umarmt sein Publikum. Foto: Carsten Rehder

Grönemeyers Maßstäbe sind musikalische Lebensfreude und immer wieder Hymnen auf die Liebe und die Menschlichkeit – sei es „Mensch“, „Der Weg“ oder „Halt mich“. Aber auch seine bewährten Gassenhauer wie „Männer“ oder „Bochum“ fehlen nicht. Grönemeyer liefert energiegeladen eine große Bühnenshow. Er hopst im Rhythmus seiner Songs, rast immer wieder an die weit ins Publikum führende Bühnenrampe, fordert die Fans mit den Armen immer wieder auf zum rhythmischen Mitklatschen oder Mitsingen. Und die Anhänger enttäuschen ihr Idol nicht, erweisen sich immer wieder als textsicher.

Exzellente Band

Gemeinsam mit dem in Berlin geborenen Rapper BRKN (28) liefert Grönemeyer ein ungewöhnliches Duett: Sie singen auf Deutsch und Türkisch den Song „Doppelherz/Iki Gönlüm“ mit der Textzeile „Erzähl mir von Deiner zweiten Welt/mit der dazugehörigen Portion Gefühle“. BKRN, der türkische, aber auch kurdische und armenische Wurzeln hat, spielte zum Einheizen vor Beginn des Grönemeyer-Auftritts. Der Multiinstrumentalist verbindet deutschen Hiphop mit Neo-Soul.

Konzertbericht: Herbert Grönemeyers umjubelter Tour-Auftakt

Singt ihr mal: Herbert Grönemeyer beim Tourauftakt in Kiel. Foto: Carsten Rehder

Konfettiregen, Nebelschwaden, Laserstrahlen mal in Rot, mal in Blau, im Hintergrund auf der Bühne eine große Videoleinwand teils mit Großaufnahmen der Musiker – auch die Bühnenshow bietet einen abwechslungsreichen Reigen. Ein Schwachpunkt ist an diesem Abend die Musikanlage, die nicht optimal ausbalanciert wirkt. Den Fans scheint es egal zu sein. Tausende in der Halle singen und tanzen im Samba-Rhythmus mit Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“. Ihr gemeinsamer Abend wird zum stundenlangen „Sekundenglück“.

Die neue Tour ist für Grönemeyer und seine exzellente Band die erste nach der „Dauernd jetzt“-Tour vor drei Jahren. Geplant sind nach Angaben der Veranstalter insgesamt 18 Hallen-Konzerte und 10 Open-Airs in Deutschland, in den Niederlanden, in Österreich und in der Schweiz. Tournee-Finale ist am 13. September im Planai-Stadion im österreichischen Schladming.

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