Freitag, 3. Mai 2019 21:28 Uhr

Konzertbericht: Thomas Anders erstmals auf Deutschland-Tour

Thomas Anders beim Tourauftakt in Erfurt. Foto: Martin Schutt

Einige Monate vor dem geplanten Bühnen-Comeback vom einstigen Modern-Talking-Kollegen Dieter Bohlen reist Thomas Anders erstmals auf Solo-Tour durch Deutschland. Zum Tour-Auftakt in Erfurt wird der Entertainer bejubelt – und vorher stichelt er ein bisschen.

Konzertbericht: Thomas Anders erstmals auf Deutschland-Tour

Thomas Anders beim Tourauftakt in Erfurt. Foto: Martin Schutt

Zu vielen Stationen seiner Karriere hat Thomas Anders Anekdoten zu berichten. Sogar historische TV-Aufnahmen hat er für das Publikum in Erfurt beim Auftaktkonzert seiner ersten deutschen Solo-Tour überhaupt dabei.

Pikantes aus der Zeit, als er gemeinsam mit Dieter Bohlen als Modern Talking Welthits hatte, gibt Anders am Donnerstagabend in der Messehalle allerdings nicht zum Besten. Das nehmen ihm die mehr als 2000 Zuschauer in der Messehalle nicht weiter übel – denn die Hits von früher spielt er ja trotzdem.

Duett mit Florian Silbereisen

Für Trübsal ist in der gut zweistündigen Show kein Platz. „Das Leben ist jetzt“, singt der 56-Jährige unverfänglich und trägt andere eingängige Zeilen zum Mitsingen vor – darunter auch eine deutsche Version des Hits „Human“ der Rockband The Killers und das Pop-Schlager-Duett „Sie sagte doch, sie liebt mich“ mit einem digital auf der Videowand im Hintergrund tanzenden Florian Silbereisen. Groß ist der Jubel auch, als sich die vom Publikum gewünschte Zugabe als „You’re my Heart, You’re my Soul“ entpuppt.

Im Publikum finden sich viele, die ein ähnlicher Jahrgang wie Anders sein dürften. Auch Russisch ist zu hören – Modern Talking war mit die erste West-Musik, die offiziell in der UdSSR verkauft werden durften. Anders genießt in Russland Kultstatus.

Konzertbericht: Thomas Anders erstmals auf Deutschland-Tour

Foto: AEDT/WENN.com

Geholfen haben dürfte dabei, dass der Interpret auch nach Modern Talking auf politische Bezüge in der Musik verzichtete. „Ich hab ganz klar meine Meinung zur Politik, kann sie auch gerne kundtun, aber das würde musikalisch nicht zu mir passen“, sagte Anders der dpa. „Jeder hat seine Nische und das ist auch gut so. Ich setze eher auf Lebensphilosophie als auf Protest.“

Auftritte als Kind mitgezählt, feiert Anders dieses Jahr sein 50. Bühnenjubiläum – trotzdem sei es nun das erste Mal, dass er solo in Deutschland auf Tournee gehe. Vorher habe es sich wegen jährlich mehrerer Dutzend Konzerte im Ausland einfach nie ergeben, sagt Anders. Nun aber ist er unter dem Titel „Ewig mit Euch“ in Deutschland unterwegs.

2003 Trennung von Modern Talking

Mit Modern Talking verkaufte Anders bis zur endgültigen Trennung des Streithahn-Duos 2003 weltweit mehr als 120 Millionen Tonträger – die Kombo ist damit eines der erfolgreichsten deutschen Musikphänomene. Zur ersten Hochzeit in den 80er Jahren trug Anders seine legendäre Nora-Kette. Das Schmuckstück mit dem Namen seiner ersten Ehefrau liegt längst im Safe. Beim Konzert in Erfurt singt er dafür ein Lied, das seiner jetzigen Ehefrau Claudia gewidmet ist. Das Paar lebt in Koblenz und hat einen gemeinsamen Sohn.

So wie die Kette sind auch die Föhn-Frisur und Anders‘ spezieller Kleidungsstil von früher verschwunden. Geblieben ist dagegen das Gesamterscheinungsbild eines tiefenentspannten Dauerurlaubers. Auf der Bühne trägt er jetzt Jackett, passende Hose und legere Turnschuhe – die unverfängliche Kombination präsentiert er dem Publikum in Erfurt in gleich drei verschiedenen Varianten.

Auch wenn er inzwischen weniger optisch hervorsticht als früher, wolle er die früheren Zeiten nicht missen, sagt Anders. „Aus heutiger Sicht würde ich es genauso wieder machen.“ Heute fehle ihm die Vielfalt im Stil vieler. „Ich habe das Gefühl, dass ein großer Teil der weiblichen jungen Bevölkerung wie die Kardashians aussehen möchte. Das ist doch furchtbar und ein weltweites Phänomen. Alle haben Haar-Extensions und extreme, bemalte Fingernägel.“

Capital-Bra-Version kennt er nicht?

Tatsächliche Doppelgänger aus dem Clan rund um US-Unternehmerin und Reality-TV-Star Kim Kardashian sucht man in Anders‘ Publikum zwar vergeblich. Dafür wehen bei vielen Frauen die überlange Blusen über den Jeans, wenn sie etwa bei Modern-Talking-Nummern wie „You are not alone“ im Takt mitwippen und klatschen. Auch Jüngere sind gekommen: Eine Gruppe Erfurterinnen Anfang 30 erklärt unter Jubel, wie sehr sie den Abend feierten – egal ob mit oder ohne Bohlen.

Dabei hat auch der „Deutschland sucht den Superstar“-Juror für dieses Jahr nach langer Bühnenabstinenz ein Tour-Comeback mitsamt Modern-Talking-Liedgut angekündigt und sich einen medienwirksamen (kalkulierten?) Streit mit dem Rapper der Stunde Capital Bra geliefert. Der „Beef“ löste sich aber per „Cheri Cheri Lady“-Cover in Wohlgefallen auf.

Die Capital-Bra-Version des früheren Modern-Talking-Hits kenne er überhaupt nicht, sagt Anders im dpa-Gespräch. Eine Meinung dazu hat er trotzdem: „Für mich ist Musik etwas, das Emotionen erzeugen muss und sollte kein Marketing-Experiment werden.“ Er selbst könne es sich schwer vorstellen, mit einem Rapper zusammenzuarbeiten. „Jedoch sollte man nie „nie“ sagen, aber ich finde grundsätzlich, nur etwas zu tun, um jugendlich zu wirken, ist doch sehr durchschaubar.“ (Marie-Hélèn Frech, dpa)

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren