Donnerstag, 5. Oktober 2017 19:48 Uhr

Lars Eidinger: Alles über sein erstes Album

Bei Theatergott Lars Eidinger denken die allermeisten zunächst natürlich an die große Bühne. Dass er auch ein musikalisches Händchen hat, ist hingegen weniger bekannt.

Lars Eidinger: Alles über sein erstes Album

Foto: Peter Kaaden

Umso spektakulärer ist daher das klangliche Fundstück, das !K7 Records jetzt zurück ins Scheinwerferlicht bringt. Deeper und darker instrumental HipHop mit einer melancholischen, fast morbiden Atmosphäre. Am 08. November 17 lädt Eidinger als DJ mit seiner eklektischer Popmusik zur nächsten Autistic Disco Party in die Schaubühne Berlin ein.

Große Theater- und Filmkarriere

Der bisweilen etwas durchgeknallte Schauspieler, der auch schon mit Stars wie Kristen Stewart und Juliette Binoche drehte, hat sich einen Namen durch seine Interpretation des Hamlet und Richard III gemacht. In den legendären Shakespeare-Inszenierungen des großen Thomas Ostermeier an der Schaubühne Berlin, einer der wichtigsten Theaterbühnen Deutschlands. Eidinger ist bereits seit 1999 fester Bestandteil des Ensembles und hat sich zum Aushängeschild der Schaubühne entwickelt.

Lars Eidinger: Alles über sein erstes Album

Foto: Peter Kaaden

Der heute 41-Jährige trat auch in vielen deutschen Filmproduktionen auf, unter anderem dem großen Erfolg „Alle anderen“ von Maren Ade, „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid oder „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus. Ebenso in zahlreichen internationalen Produktionen wie „Goltzius And The Pelican Company“ von Peter Greenaway, „Mathilda“ von Alexey Uchitel oder „Clouds Of Sils Maria“ und „Personal Shopper“ von Olivier Assayas sowie in deutschen und internationalen TV-Serien wie „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „SS-GB“ auf BBC und der Netflix-Serie „Sense8“ von den Wachowski Schwestern. So viel zu seinem beeindruckenden Bühnen-Trackrecord.

Album mit bescheidenem Home-Recording

Dass er auch ein musikalisches Händchen hat, ist hingegen weniger bekannt. Umso spektakulärer ist daher das klangliche Fundstück, das !K7 Records nun zurück ins Scheinwerferlicht bringt. Als Eidinger 1998 noch an der renommierten Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ studierte (u.a. mit Nina Hoss und Devid Striesow), veröffentlichte er bereits eine 10“ Vinyl mit dem Titel „I’ll Break Ya Legg“ unter seinem Namen auf STUD!O K7’s Sublabel Studio 54.

Die Platte ist eine echte „Home-Production“: Die sechs Tracks hatte er damals noch auf seinem Computer im Keller des Hauses seiner Eltern in Berlin-Tempelhof auf einer 4 MB Soundkarte produziert. Das Ganze ist zu 100 Prozent sample-basiert, der Sound ziemlich Lo-Fi – aufgrund der begrenzten Speicherkapazitäten seiner Festplatte. Tatsächlich konnte er nur die Drum-Sounds in Stereo sampeln, während alle anderen Samples größtenteils in Mono verwendet wurden.

Das gibt dem Ganzen eine sehr raue und düstere tonal-ästhetische Note. Später ergänzte er sein Equipment um Drum-Maschinen wie den Roland TR-808 und analoge Synthesizer wie den Mini-Moog und den Akai Sampler MPC 2000. Leider stehen uns derzeit keine Hörproben zur Verfügung.

Lars Eidinger: Alles über sein erstes Album

Foto: Peter Kaaden

Melancholische und morbiden Athmosphäre

Alle Tracks sind sehr instrumentell mit einer melancholischen, fast morbiden Athmosphäre. Er sagt, er behandele Motive wie „Weltschmerz und Nagelbetten“. Auf dem 12“ Re-release von „I’ll Break Ya legg“ gibt es nun zusätzlich zu den sechs ursprünglichen tracks noch fünf bislang unveröffentlichte Tracks aus derselben Zeit zu hören, die es damals nicht auf die 10“ geschafft haben.

Die 10“ fand in ihrer Zeit durchaus Beachtung unter Kritikern – wie die Review von Sascha Kösch im Musik-Magazin De:Bug aus dem Jahr 2000 dokumentiert. Kösch schrieb damals über „I’ll Break Ya Legg“: „Wäre dies eine gerechte Welt, die so funktioniert wie man sich das denkt, dann würde diese Platte in jedem Laden in einem Fach zwischen darkem instrumental Hip Hop stehen, jeder DJ, der so etwas auflegt würde sie mitnehmen, weil es sich in den Wochen danach dann als absoluter neuer Klassiker des Genres herauskristallisieren würde, und ca 100.000 Clubgänger würden diese Platte und ihre 6 recht kurzen Tracks zu Recht abfeiern. Aber so ist es nicht.“

Lars Eidinger: Alles über sein erstes Album

Foto: AEDT/WENN.com

Musik für Theater-Produktionen

In den Folgejahren blieb Eidinger neben seinem schauspielerischen Aufstieg auch weiterhin musikalisch umtriebig. So schuf er Musik-Produktionen für Theater-Performances, wie zum Beispiel für „A Doll’s House“, „Exterminating Angel“ und „Mourning Becomes Electra“. Alle drei Stücke wurden von Thomas Ostermeier inszeniert. Darüber hinaus komponierte er den Soundtrack für die ARTE-Dokumentation „Die Mörder des Herrn Müller“ unter Regie von Ernst-August Zurborn.

Auch als DJ machte sich Lars Eidinger einen Namen. Mit dem Auflegen begann er bereits im Jahr 1996 und trat später in verschiedenen Berliner Clubs auf, darunter Aktionsgalerie, Kunst und Technik, Rio, Broken Hearts Club, Pop, Prince Charles, Adagio, Crackers, Konzulát sowie Erste Liga und Rote Sonne in München. Er betätigte sich zudem als DJ auf verschiedenen Theater-Festivals in der ganzen Welt, in Barcelona, Brüssel, Avignon, Montreal und Adelaide. In der Regel legt er dabei mit Vinyl auf.

Seit 2002 organisiert er auch seine eigene Party-Reihe namens „Autistic Disco – pop is pop and art is art“ in der Schaubühne in Berlin, wo er eklektisch Pop-Musik spielt und den Raum in einer Art Kirche des Pop verwandelt, in schwarzes und weißes Licht getaucht, mit jeder Menge künstlichem Nebel und großflächigen Projektionen von Zitaten bekannter Künstler und Pop-Musiker an den Wänden.

 

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