Sonntag, 19. Mai 2019 13:40 Uhr

Madonna und das ESC-Desaster: Der Tag danach

Foto: WENN.com

Null Punkte für Deutschland im Zuschauer-Voting und den drittvorletzten Platz erwischt… Aber Madonna war da und machte es – wider Erwarten – alles noch viel schlimmer als die Sisters.

Foto: WENN.com

Der Popstar hat es leider nicht rausgerissen. Stattdessen glühen seit ihrem Auftritt gestern Nacht die Tasten der Internet-User und es hagelt Häme und Spott für die Sängerin und ihren Peinlich-Auftritt beim Eurovison Song Contest.

Halle für Madonnas Probe geräumt

Schon im Vorfeld hatte der Weltstar mit ihren Diven-Bedingungen für Unmut gesorgt, darunter ein eigener abgesperrter Backstage-Bereich und die Forderung danach, nicht mit den Kandidaten in Kontakt zu kommen. Für eine Millionen-Summe ließ sie der israelisch-kanadischer Geschäftsmann Sylvan Adams die 60-Jährige extra privat einfliegen. Für ihre Proben wurde die Halle in Tel Aviv sogar komplett geräumt. Man erwartete Wunder was für einen Hammerauftritt! und wurde schwer enttäuscht.

Quelle: instagram.com

Doch der lang, ja wirklich lang, lang erwartete Auftritt der Queen of Pop wurde überhaupt nicht zum Riesen-Highlight des Abends. Zum ersten Mal zu sehen war Madonna tatsächlich erst kurz vor Mitternacht, im schwarzen Leder-Netz-Glitzer-Silber-Mischmasch-Outfit mit Augenklappe. Die müde und teilnahmslos wirkende Pop-Piratin ließ dann eine wahnsinnig wichtige Botschaft los: „Ihr seid alle Gewinner“. Einfallsreich.

Schiefe Töne und  Autotune

Madonnas Show ist politisch, obwohl dies eigentlich den Vorschriften des ESC widerspricht. Auf den Rücken von Tänzern sind die israelische und die palästinensische Flagge zu sehen – offenbar ein Plädoyer für eine friedliche Lösung des seit Jahrzehnten dauernden Konflikts beider Seiten.

Ihr neuer Song „Future“, den sie in Tel Aviv als Weltpremiere aufführt, beschwört eine düstere Zukunft mit zerstörten Städten. „Wake up“, steht am Ende an der Wand: Wacht auf. Die 60-Jährige kann ihn auf dieser Bühne einem weltweiten Millionenpublikum präsentieren. Und die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalter muss nicht bezahlen für den mehr als eine Million Euro teuren Auftritt der Pop-Königin. Denn die Kosten hat der israelisch-kanadische Geschäftsmann Sylvan Adams übernommen. „Ein Gewinn für alle Beteiligten“, sagt ein EBU-Sprecher lächelnd. Doch beim Publikum sorgt der Auftritt der Amerikanerin, die eine Augenklappe trägt, nicht für die erwartete Begeisterung.

Als Katholikin erzogen

In Madonnas erstem Song, dem 1989 erschienenen Hit „Like A Prayer“, geht es um religiöse Inhalte. Das Video hatte vor 30 Jahren wegen brennender Kreuze und sexuell aufgeladener Szenen einen Skandal ausgelöst.

Der Popstar wurde als Katholikin erzogen, ist aber auch der jüdischen Kabbala stark verbunden. Sie ist bekannt für ihre Zuneigung zu Israel, Aufrufe der Boykottbewegung BDS ignoriert sie konsequent. 2004 nahm die Queen of Pop den Namen „Esther“ an und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der jüdisch-mystischen Lehre der Kabbala. (KT/dpa)

Verheerendes Pressecho

„Was wurde dieser Auftritt im Vorfeld nicht gehypt! Und was für eine bizarre Nummer kam am Ende heraus, als Madonna beim ESC 2019 die Bühne betrat.“ (TZ)

„Sensationell schlecht ist das Auftreten eines Ex-Superstars. Man darf es ein Desaster nennen. (…) Es klang wie beim Karaokeabend des Kegelvereins, nachdem erschöpfend viele Kleine Feiglinge verzehrt wurden.“ (Die Welt)

„Der Auftritt Madonnas sollte der Höhepunkt des Eurovision Song Contest sein. Sie hätte also hustend die Showtreppe runterfallen und liegenbleiben können – und es wäre ein Spektakel gewesen. Es kam aber schlimmer: Sie sang. (…) Ihr eigentlicher Auftritt dann war ein Tiefpunkt ihrer Karriere.“ (Der Spiegel)

„Nach der Show stichelte auch ARD-Moderatorin Barbara Schöneberger, die in Hamburg sagte: ‚Alle haben besser gesungen als Madonna‘. (Focus)

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Madonna (@madonna) am Mai 18, 2019 um 4:00 PDT

„Nun ist die Popsängerin nie die allergrößte Vokalistin gewesen, war nie für ihr herausragendes Stimmvolumen, eher für ihr popkulturelles Gespür, ihre Nähe zum Zeitgeist bekannt. Doch für 1,3 Millionen Euro sollte man auch die Songs üben, die einem selbst vermutlich längst zum Halse raushängen.“ (…) „Selbst in der Halle, in der die spirituelle Szenerie ihre Wirkung bestimmt nicht verfehlte, war es (danach) unangenehm ruhig, kaum Rufe oder Applaus“. (FAZ)

„Madonna hatte den Kampf an diesem Abend auf jeden Fall verloren.“ (Bild)

ARD-Kommentator Peter Urban (71) nach ihrer Show hämisch: „Sie haben es gehört: Es wurde live gesungen. Auch Weltstars kämpfen mit solchen Situationen.“

„Leider gehörte Madonna an diesem Abend, der im Zeichen der Niederlande und ihrem Sänger Duncan Laurence stand, selbst nicht zu den Gewinnern.“ (Rolling Stone)

„Die einen vergleichen Madonnas Gesang mit Ziegengemecker. Andere sprechen sogar von dem Ende einer Ikone. ‚Der ESC bringt nicht nur neue Talente hervor, sondern zerstört auch Legenden‘, twitterte etwa ein enttäuschter Fan.“ (Stern)

Übrigens: Im Schnitt 8,1 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer haben am Sonnabend, 18. Mai, das 251 Minuten lange ESC-Finale im Ersten und im ARD-Digitalsender ONE verfolgt.

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren