Samstag, 21. Juli 2018 15:30 Uhr

Mamma Mia! Das Wirtschaftsimperium ABBA wächst und wächst

Wer ABBA irgendwann in den 70ern verortet, liegt völlig falsch. ABBA findet hier und heute statt – und ist erfolgreicher denn je! Denn ABBA ist längst mehr als nur eine Band, es ist eine Art Franchise, wirtschaftlich ähnlich verzweigt wie große Hollywood-Filmreihen, zu denen neben den eigentlichen Blockbustern eben auch Werbekooperationen und Merchandise gehören. Doch ganz so läuft es hier nicht.

Mamma Mia! Das Wirtschaftsimperium ABBA wächst und wächst

Der ‚Mamma Mia 2′-Damen-Cast‘ mit Benny Andersson bei der Weltpremiere in London. Foto: David M. Benett/Getty Images for Wolfskin TechLab

„Hollywood“ ist auch gleich das passende Stichwort: Der neueste Output der Marke ABBA nämlich ist das Sequel zu „Mamma Mia!“, jenem Film-Hit, der vor 10 Jahren galaktische 600 Millionen Dollar an den Kinokassen einspielte und die erste Riege Hollywoods im Cast versammelte. Um die Wette sangen damals u.a. Meryl Streep, Amanda Seyfried, Pierce Brosnan und Colin Firth. Teil 2, der am 20. Juli in die Kinos kam, wird seinen Vorgänger in Sachen Starpower sogar übertreffen, denn zu dem Ensemble aus „Mamma Mia!“ gesellt sich nun auch Cher, die in der Rolle der exzentrischen, absolut faltenfreien Glamour- Großmutter auftrumpfen darf.

Die Paten von ABBA

Das ist natürlich spaßig und nostalgisch – gleichzeitig jedoch auch sehr geschäftstüchtig. Treibende Kraft hinter dieser (und vielen weiteren) Produktionen mit dem Prädikat „ABBA“ sind die Gründerväter der Band, Björn Ulvaeus und Benny Andersson. Und die beiden Herren wissen, dass das Geldverdienen mehr als ein Rand-Aspekt erfolgreich vermarkteter Kunst ist.

Samples für Remixe beispielsweise haben sie gar nicht nötig herauszugeben. Madonna war 2005 mit ‚Hung Up‘ die jahrzehntelange Ausnahme. Auf die Kohle könnten sie pfeifen.

Mamma Mia! Das Wirtschaftsimperium ABBA wächst und wächst

Die ABBA-Väter Benny Andersson und Björn Ulvaeus. Foto: David M. Benett/Getty Images for Wolfskin TechLab

Deshalb genieren sie sich auch nicht, über ihre Kontostände zu plaudern, und klingen dabei fast schon wie Bling-Bling-Rapper. Auf eine Interview-Frage des ‚Spiegel‘, ob er denn bei den halbjährlichen Tantiemenzahlungen von Plattenfirma und Verwertungsgesellschaften immer eine Flasche Champagner köpfe, antwortete Andersson lediglich trocken: „Warum sollte ich? Man gewöhnt sich daran.“

Schließlich hatten sie schon allein mit all ihren Songs über 400 Millionen Tonträger verkauft.

Doch ABBA selbst sind ohnehin nur die Spitze des Eisbergs. Die Herrschaften investierten schon in den 80ern in Öl, Kunstwerke, Supermärkte, Fahrradfabriken. „Mamma Mia!“ – das Musical, nicht der Film – hat bis heute weltweit schätzungsweise zwei Milliarden (!) Dollar eingespielt. Das ahnte Geschäftsmann Ulvaeus wohl schon 2004, als er orakelte „‚Mamma Mia!‘ wird uns reicher machen als ABBA.“ Und die beiden ABBA-Masterminds kontrollieren auasnahmslos alles – was unter dem Label ABBA läuft.

2013 wurde in Stockholm das ABBA-Museum eröffnet. 2016 folgte das „Mamma Mia“-Erlebnisrestaurant im Freizeitpark Gröna Lund. Doch das war’s noch nicht.

Mamma Mia! Das Wirtschaftsimperium ABBA wächst und wächst

Die komplette ‚Mamma Mia 2‘-Besetzung in London in dieser Woche. Foto: David M. Benett/Getty Images for Wolfskin TechLab

Hologramm-Welttournee geplant

Doch zurück zu „Mamma Mia – Here We Go Again“. Bei dem Sequel saßen die beiden „Paten“ von ABBA (dieser Mafia-Vergleich stammt nicht von uns, sondern findet sich exakt so in der offiziellen Pressemitteilung zum Film!) mit am Steuer, denn sie fungierten neben Hollywood-Superstar Tom Hanks und seiner Gattin Rita Wilson einerseits als ausführende Produzenten. Sie steuerten die Musik (die sich absolut nah an den Originalen orientiert) und Texte bei. So ist sichergestellt, dass das Resultat ganz und gar ABBA ist – und dass deren Mitglieder ein entsprechend großes Stück vom Kuchen bekommen…

Doch anders betrachtet: Wer will Ulvaeus und Andersson ihren Riecher für’s Geschäftliche zum Vorwurf machen angesichts des reichen musikalischen Erbes ihrer Band? Diese wundervollen, schon damals zeitlos orchestrieren Songs werden bleiben. Und neue kommen hinzu.

Eine große weltweit ausgestrahlte TV-Show ist für den Dezember mit großem Pomp angekündigt. Dort sollen nicht nur zwei, bereits 2017 aufgenommene nigelnagelneue Songs Premiere haben, sondern auch „Abbatare“-Hologramme, mit denen dann eine 2019 Welttournee absolviert wird. Die Show dient als Testballon für weitere Pläne – wie wird die Resonanz? Es wäre kein Wunder, wenn die Herrschaften dann auch mit einem neuen Album aufwarten. Das wäre der krönende Abschluss einer beispiellosen Weltkarriere. (CI)

Die ABBA-Studioalben

1973 Ring Ring
1974 Waterloo
1975 ABBA
1976 Arrival
1977 ABBA – The Album
1979 Voulez-Vous
1980 Super-Trouper
1981 The Visitors

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