Maroon 5 wandeln auf den Spuren von Justin Bieber

Maroon 5 haben sich viele prominente Gaststars eingeladen.
Maroon 5 haben sich viele prominente Gaststars eingeladen.

--/Universal Music/dpa

09.06.2021 15:07 Uhr

Die erste Single aus ihrem siebten Studioalbum veröffentlichten Maroon 5 im Sommer 2019. Fast zwei Jahre später erscheint jetzt „Jordi“. Ist die US-Band auf der Suche nach einer neuen Identität?

Seichte Synthesizer-Klänge, Beats aus dem Computer, Autotune-Sounds und ein paar Promi-Features aus der Hip-Hop-Szene prägen das siebte Studioalbum von Maroon 5.

Auf „Jordi“ verabschiedet sich die Gruppe aus Los Angeles, die mal als Rockband gestartet war, weitgehend von den letzten Überbleibseln ihres einst organischen Sounds. Allerdings gibt es positive Ausnahmen auf dem Werk, das nach dem 2017 gestorbenen Manager Jordan Feldstein benannt ist.

Zahlreiche prominente Gaststars

Megan Thee Stallion, Juice Wrld und Blackbear sind einige der Namen, die als Gaststars mitwirken. Die meisten sind deutlich jünger als die Mitglieder von Maroon 5 – dies erweckt den Eindruck, dass die Band knapp 20 Jahre nach ihrem Debütalbum mit aller Gewalt versucht, ein jüngeres Publikum zu erreichen. Sänger Adam Levine klingt dabei mitunter, als wolle er Justin Bieber Konkurrenz machen. Tatsächlich hätten die meisten Songs mit ihrem elektrolastigen R&B-Sound auch auf Biebers jüngstes Album „Changes“ gepasst.

Unklar ist, wie sich Rockröhre Stevie Nicks in diesen überzuckerten Pop-Brei verirrt hat. Ob die 73-jährige Fleetwood-Mac-Legende der mutmaßlichen Zielgruppe überhaupt etwas sagt? Die gemeinsame Nummer „Remedy“ von Levine und Nicks ist zumindest ein echter Lichtblick. Und es gibt noch weitere. „Lovesick“, das auch für Dua Lipa oder Harry Styles geschrieben worden sein könnte, hat Ohrwurmpotenzial. Der vielleicht beste Song: die wunderbare Uptempo-Ballade „Convince Me Otherwise“ mit Grammy- und Oscar-Gewinnerin H.E.R.

Dank Hits wie „This Love“, „Moves Like Jagger“ oder „Sugar“ sind Maroon 5 seit fast zwei Jahrzehnten omnipräsent im Formatradio. Kooperationen – in der Vergangenheit mit Christina Aguilera, Cardi B oder Rihanna – sind für die Band nichts Neues. Auf „Jordi“ verstärkt sich jedoch der Eindruck, sie würden sich mit Anfang 40 auf Kosten ihrer eigenen Identität beim jüngeren Publikum anbiedern.

Während Frontmann Levine mit Vollbart und Tattoos immer mehr wie ein Rocker aussieht, wird der Sound von Maroon 5 immer austauschbarer. Und drei richtig gute Songs sind einfach zu wenig.