18.06.2020 20:18 Uhr

Max Giesinger und seine einst beschwerliche Reise in die Charts

In der Castingshow "The Voice of Germany" schafft er es bis ins Finale, das Geld für sein erstes Album kommt aber nur durch Spenden von Fans zusammen. Max Giesinger berichtet über die Reise eines Popmusikers.

Foto: Simon Stöckl

Er hat lange Jahre das Schicksal vieler Newcomer im Musikgeschäft geteilt: Kein Plattenvertrag, kein Interesse von Radiosendern, kaum Geld für eine Tour. Doch der Hit „80 Millionen“ öffnet Max Giesinger 2016 alle Türen, heute gehört der ehemalige Castingshow-Kandidat zu den erfolgreichsten deutschen Popmusikern.

Am Freitag erscheint die Akustikversion seines Albums „Die Reise“. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Giesinger über den steinigen Weg nach oben.

Max Giesinger und seine einst beschwerliche Reise in die Charts

Foto: Simon Stöckl

In den vergangenen Monaten war das Reisen kaum möglich, im Sommer sind viele Urlaubsziele wieder erreichbar. Haben Sie schon Pläne?

Also wenn ich momentan etwas habe, dann ist das Zeit. Vielleicht komme ich dazu, endlich mal nach Schweden zu fahren. Ich wollte immer schon nach Skandinavien und mit einem Campervan zwei, drei Wochen rumcruisen. Mit meinem Daddy und Bruder gemeinsam wandern zu gehen, steht auch noch auf dem Plan. Primär geht es mir darum, wieder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, weil das in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist.

Zu kurz gekommen, weil Sie in den vergangenen Jahren große Erfolge feierten. Können Sie sich noch erinnern, wo genau diese musikalische Reise für Sie begann?

Im Prinzip vor der Wohnung meiner Mutti, als sie mich ins Auto gepackt und zum Gitarrenunterricht gebracht hat. Dann sind wir von Busenbach nach Kleinsteinbach gefahren, wo ich meine erste Gitarrenstunde hatte. Dass mein gesamtes soziales Umfeld und das Leben, das ich in den vergangenen 15 Jahren hatte, vermutlich auf dieser einen Entscheidung basiert, ist schon krass.

Was war auf dieser Reise die größte Hürde?

Antwort: Die Energie aufrechtzuerhalten, an mich und mein Soloprojekt zu glauben. Mich nicht erschüttern zu lassen von den ganzen Absagen, die ja wirklich jahrelang eingetrudelt sind. Da hat man sich natürlich infrage gestellt: Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug. Vielleicht sollte ich weiter auf Hochzeiten in Karlsruhe auftreten, in meiner Coverband spielen und Gitarrenunterricht geben. Diese Gedanken hatte ich öfter.

Wann hat sich das geändert?

Antwort: Mit meinem Debütalbum „Laufen Lernen„, das ich quasi in Eigenregie veröffentlicht habe. Damals habe ich so viel gutes Feedback bekommen und mir gedacht: „So schlecht kann es dann ja nicht sein.“ Am Ende war es dann ja auch so, dass sich die ganzen Plattenfirmen von meiner Castingshow-Vergangenheit hatten vertreiben lassen. In der damaligen Zeit habe ich das aber auf mich selbst und meine Musik bezogen.

Max Giesinger und seine einst beschwerliche Reise in die Charts

Foto: Simon Stöckl

Auf der Reise zum erfolgreichen Musiker bleiben andere Dinge natürlich auf der Strecke, die andere in dem Alter erleben – wie eine Partnerschaft oder das Zusammensein mit der Familie. Vermissen Sie das?

Antwort: Was heißt vermissen? Ich hatte so was wie eine intakte Familienstruktur ja nie. Meine Eltern haben sich extrem früh getrennt, meine Mutti hat das alleinige Sorgerecht bekommen und ich bin alle zwei Wochen zum anderen Teil der Familie gefahren. In den vergangenen Jahren habe ich leider nur wenig Zeit zuhause verbringen können, was mich schon etwas beschäftigt.

Inwiefern?

Das sind halt meine Verwandten. Wer weiß, wie lange alle noch da sind. Außerdem: Wenn man nur noch im Berufsmodus unterwegs ist und Konzerte gibt, läuft man in die Gefahr, sich darin ein Stück weit zu verlieren. Auch wenn du frei hast, wirst du auf der Straße als Max Giesinger angesprochen. Es ist schwer, aus dieser Rolle rauszuspringen. Und wenn du merkst, dass die private Person einen immer kleineren Teil einnimmt, musst du echt aufpassen. Dann ist es auch mal sinnvoll, drei Tage in der Woche nicht in musikalischer Mission unterwegs zu sein. Man muss halt die richtige Balance finden. Aber das gilt für andere Berufe natürlich auch. Auf jeden Fall komm ich bei meinen Heimatbesuchen im Badnerland immer sehr gut runter. Interview: Thomas Bremser, dpa

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© dpa-infocom, dpa:200616-99-442205/3

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