Sonntag, 22. März 2020 16:39 Uhr

Moses Pelham über Weltschmerz, Musik und das Leben als Veganer

Klatsch-tratsch.de

Als Rapper des Rödelheim Hartreim Projekts wurde Moses Pelham (49) vor einem Vierteljahrhundert schlagartig bekannt. Xavier Naidoo und Sabrina Setlur machte er zu Stars. Es folgten weitere Hits mit Formationen wie Glashaus, aber auch allein. Nun brachte die Frankfurter Rap-Legende kürzlich mit „Emuna“ ein neues Album auf dem Markt, auf dem sich der Vollblutmusiker auch mal von seiner verletzlichen Seite zeigt.

So singt er zum allerersten Mal einen ganzen Song und beweist dass er durch und durch Künstler ist. klatsch-tratsch.de stattete Moses kurz vor der Corona-Krise einen Besuch in der Redaktion ab.

Deine aktuelle Single heißt“Juli“. Wovon handelt die?
Ich würde sagen von Unzufriedenheit, Weltschmerz. Weltschmerz klingt so trivial. Ich glaube Kurt Cobain würde sagen “Everything is wrong”. Aber ich muss dazu sagen, dass ich nur meine Perspektive dazu erläutern kann, ich bin nicht der Autor dieses Stücks. Das Stück ist eine Coverversion, im Original ist das Lied von Tex. Ich kann dir nur sagen, warum ich es gecovert habe und was ich dabei fühle.

Würdest du sagen, dass momentan so eine düstere Zeit herrscht, wo die Leute teilweise schon gar nicht mehr die Nachrichten hören können, weil es alles so schwer zu ertragen ist. 
Naja, das Lied ist von 2002. Ich habe das auch schon immer so empfunden. Das ist eine Perspektive, die ich gut verstehe.

Verfolgst du denn auch Nachrichten oder lieber nicht?
Ich höre im Auto fast ausschließlich Inforadio.

„Juli“ ist der erste Song von dir, der komplett von dir gesungen ist. Wie kam es dazu? War das ein anderer Vibe?
Für mich ist es insgesamt das erste Mal, dass ich auf einer Platte singe. Schon auf „Weiße Fahne“, dass ich im Refrain singe war für mich persönlich schon eine große Sache. Eigentlich ist es ja überhaupt nichts besonderes, ich bedien mich meiner Stimme und mache das, was ich immer mache. Weil ich mir aber so bewusst die vergangenen Jahrzehnte verbot selbst zu singen und es immer voll die große Sache war für mich, ist das überhaupt ein Thema.

Bei den Alben, für die ich den Sängern vorsang, was sie singen sollen, war das für mich jedes Mal ein schwieriger Moment, es sei denn, ich kannte die Personen schon etwas besser. Das kostete immer Überwindung, denen vorzusingen. Ich weiß nicht, warum das für mich so eine große Sache ist.

Fühlst du dich dadurch auch verletzlicher?
Total, Total! Das ist halt wirklich nicht meine Kernkompetenz. Wenn man auf Dauer noch mit Leuten wie Cassandra (Steen) oder mit Xavier (Naidoo) oder mit Sängern zu tun hast, wie dem Faiz, die einfach Kreise um dich singen, wird man dann doch so ein bisschen demütiger und vorsichtiger.

Dein Album “Emuna“ steht ja für den Glauben…
Emuna wird oft mit Glaube übersetzt. Kraft des Glaubens finde ich aber viel treffender. Aber wenn es so leicht zu übersetzen wäre, hätte ich mich ja nicht eines Begriffs aus einer anderen Sprache bedient. Dann hätte ich “Kraft des Glaubens” verwendet. Was Emuna sagen will ist viel, viel komplexer.

Wie kam es dazu, dass du das dann gewählt hast?
Ich hatte einige ganz spannende Titel für das Album, aber Emuna war einfach der gewaltigste. Für mich ist die positive Botschaft darin das Spannendste. Mein Rabbi sagt, dass ich der Menschheit einen Dienst damit erweise diesen Begriff publik zu machen, die er die größte Kraft in jedem Menschen nennt.

Obwohl es jetzt ein alleinstehendes Album ist, hattest du beim Entwickeln einen roten Faden im Sinn?
Ich würde so gerne mal ein Konzeptalbum machen. Ich glaube es gelingt mir allein deshalb schon nicht, weil ich vorher immer gar nicht weiß, über was ich schreiben werde. Die Chords des jeweiligen Stückes, an dem ich arbeite, rühren irgendwas in mir und da kommen Dinge zutage, von denen ich nicht wusste, dass sie da sind.

Was ich sagen will ist, ich habe darüber keine Kontrolle. Deshalb ist es für mich unmöglich ein Konzeptalbum zu machen. Manche Leute erwarten auch, dass so eine Platte funktioniert wie ein Buch, dass man von vorne bis hinten eine Geschichte erzählt. So ist das bei mir nie. Es ist eher wie eine Gedichtsammlung. Jedes Stück beschäftigt sich mit etwas, was aus mir rauskam. Der einzig rote Faden ist, dass das alles Dinge sind, die mich in diesem Zeitraum beschäftigten.

Moses Pelham über Weltschmerz, Musik und das Leben als Veganer

SonyMusic

Du bist seit 30 Jahren im Business. Was denkst du, wenn du heute Musik konsumierst, in einer Zeit, wo man den Deutschrap wieder vermehrt feiert. Was für Emotionen hast du dabei?
Ich finde es spannend, was deutsche Musik in den letzten 20 Jahren so erreicht hat, auch in Bezug auf die Akzeptanz der Medien. Im Bezug auf: “Wieso macht er das jetzt auf deutsch?!” Da hat sich sehr viel getan, aber auch was Rapmusik insgesamt für einen Einfluss auf die gesamte Popmusik hatte und was für ein Anteil Rap an diesem Kuchen hat, ist schon einfach bemerkenswert. Wenn du mir das vor 25 Jahren erzählt hättest, hätte ich mir das gar nicht vorstellen können.

Das war aber auch zu einer Zeit, wo es keine Influencer gab …
Na gut, die nannten sich nicht Influencer, aber natürlich gab es Menschen, die Vorreiter waren und anderen halfen, ihre Meinung zu bilden.

Ich meine das im Sinne von Berufsbild, dass sie wirklich auf Social Media die Message verbreiten.
Der Weg der Monetarisierung war vielleicht ein anderer, aber es gab eine Zeit, in der waren das Menschen, die sich Journalisten nannten.

Eine Sache, die ich interessant finde, ist dass du seit sechs Jahren vegan lebst. Warum, kann man sich schon fast denken, aber kannst du Leuten, die auf der Kippe stehen, etwas mit auf den Weg geben?
Ich bin seit 99 Vegetarier, vegan bin ich seit 2014. Ich tue mich schwer damit, einem anderen zu sagen, was er machen soll, weil ich auch nicht will, dass mir jemand sagt, was ich machen soll. Aber ich kann echt nur an Dich appellieren, dir vor Augen zu führen, was mit diesen Lebewesen passiert.

Quelle: instagram.com

Die kriegen nicht nur gesagt, was sie machen sollen, sondern das Wichtigste und Wesentlichste, das Leben wird ihnen am Ende auf grausame Weise entrissen, aber für die kurze schmerzhafte Lebenszeit auch dermaßen entwertet, dass man sich fragt, ob man das überhaupt noch Leben nennen kann. Ich kann nur fragen: Willst Du daran beteiligt sein?

Gibt es eine Sache, die du richtig gut kochen kannst? Wenn du beim ‚Perfekten Promi-Dinner‘ mitmachen würdest, welches Gericht würdest du servieren?
Also, man sagt ich mache einen bösen Hamburger. Am meisten gelobt worden bin ich aber am Ende für mein Risotto, aber ohne das ich glaubte, da etwas Besonderes zu machen. Da ist halt einfach viel Liebe und viel Geduld drin.

Du bist mittlerweile seit 30 Jahren im Business, wie schaffst du es, dass man kaum etwas aus deinem Privatleben an die Öffentlichkeit gelangt?
Ich finde es falsch. Jeder kann mit seinem Leben machen, was er will. Ich möchte nicht Bestandteil deiner Klatschspalten sein. Ich finde das unwürdig. Ich verbiete mir da stattzufinden und würde auch geeignete Maßnahmen ergreifen mich dagegen zu wehren.

Moses Pelham über Weltschmerz, Musik und das Leben als Veganer

SonyMusic

Was sind die restlichen Pläne für das Jahr?
Ich bin momentan noch mitten im Album-Veröffentlichungsmodus. Vier Tage, nachdem das Album erschien ging meine Tour schon los, die ja nun leider unterbrochen werden musste. Jetzt arbeite ich schon wieder an einem weiteren Video und bin noch dabei ein Buch zu schreiben, was im Oktober erscheint.

Kannst du darüber schon was sagen?
Es ist eine Autobiografie, die sich an der Geschichte meines Labels orientiert, also beginnend in dem Moment, in dem ich mir das Türschild an die Tür hänge und endet heute. Da gibt es noch ein paar Sachen fertigzustellen. Ansonsten gibt es keine Projekte, die spruchreif wären, aber ich fühle mich damit im Moment auch wirklich ausgelastet, und Anfang 2021 hab‘ ich ja schon wieder die „Emuna“-Tour nachzuholen.

Das könnte Euch auch interessieren