Mittwoch, 1. August 2018 20:07 Uhr

Nee, oder? Plácido Domingo in Bayreuth ausgebuht

So jetzt unternehmen wir mal einen kleinen Ausflug in die Opernwelt. In den 1990ern sang Plácido Domingo den „Parsifal“ in Bayreuth, 2000 dann den Siegmund in der „Walküre“. 18 Jahre später kehrt er in ganz anderer Rolle auf den Grünen Hügel zurück – und ein undankbares Publikum tut sich schwer mit dem Weltstar.

Nee, oder? Plácido Domingo in Bayreuth ausgebuht

Plácido Domingo als Dirigent bei der Eröffnung des Balls der Wiener Philharmoniker am 18.01.2018. Foto: Georg Hochmuth

Es sind ungewohnte Töne für den Starsänger: Plácido Domingo, einer der größten Stars der Klassik-Szene, wird bei den Bayreuther Festspielen von Teilen des Publikums ausgebuht. Zwar gibt es nach der „Walküre“ am Dienstagabend auch Applaus für den 77-jährigen Spanier – die Unmutsbekundungen aber sind deutlich zu hören.

Zuvor hat er allerdings nicht etwa – wie 18 Jahre zuvor – den liebenden Zwillingsbruder Siegmund gesungen, sondern das Orchester geführt. Domingo ist seit Jahren ja auch als Dirigent tätig, in diesem Jahr steht er zum ersten Mal auf dem Grünen Hügel am Pult, wo er in den 1990er Jahren noch den „Parsifal“ sang.

Nee, oder? Plácido Domingo in Bayreuth ausgebuht

Szene aus der „Walküre“ mit Catherine Foster (Brünnhilde), Greer Grimsley (Wotan), Marina Prudenskaya (Fricka). Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth

Domingo führt weitgehend ruhig, solide und ohne großen Bombast durch den zweiten Teil von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Ausgerechnet die große Arie „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ droht dem Maestro am Pult zu Beginn aber etwas zu entgleiten.

Die Quittung dafür bekommt dann auch Tenor Stephen Gould als Siegmund von einigen Zuschauern. Auch er muss ein paar Buhs einstecken.

Castorf-Relikt

Die „Walküre“ ist ein Relikt, gewissermaßen ein Gruß von Frank Castorf, dessen hoch umstrittene Interpretation des „Ring des Nibelungen“ (Premiere 2013) die vergangenen Jahre in Bayreuth geprägt hat. Das gefiel längst nicht jedem Wagnerianer. Castorf zeigt sich in diesem Jahr nicht mehr auf der Bühne. In den vergangenen Jahren hatte er stets nach Teil vier, der „Götterdämmerung“, ein Buh-Konzert über sich ergehen lassen. Die Sänger wurden in der aktuellen Bayreuther Walküre aber eigentlich immer gefeiert – so auch in diesem Jahr. Anja Kampe als Sieglinde, John Lundgren als Wotan und vor allem Catherine Foster als Brünnhilde, das Gesicht und die Stimme des Castorf-„Rings“, werden vorbehaltlos gefeiert.

Mit der „Walküre“ endete die diesjährige Premierenwoche in Bayreuth. Die Festspiele dauern noch bis zum 29. August.

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