Dienstag, 24. Februar 2015 18:55 Uhr

Nena plaudert hier über ihr neues Album, Madonna, Blondie & Co.

„Oldschool“ heißt das neue Nena-Album, und der Titel passt: Für die Aufnahmen hat sich die deutsche Poplegende nämlich niemand Geringeres als HipHopper Samy Deluxe an die Seite geholt! Und so sehr nach früher hat Nena seit den Achtzigern nicht mehr geklungen!

Nena plaudert hier über ihr neues Album, Madonna, Blondie & Co.

Elektronisch, quirlig und mitunter ganz schön kantig kommen die neuen Songs daher – und zeugen trotzdem von der Lebenserfahrung einer Frau im besten Alter, die sich den Spaß nicht nehmen lässt. Beim Gespräch in Hamburg ist Nena (54) dann auch gut drauf und gibt eine Runde Bio-Rotwein aus.

Nena, Ihr Album heißt „Oldschool“. In dem gleichnamigen Lied wirkt es so, als wenn Sie mittlerweile auch etwas stolz darauf sind, oldschool zu sein.
Ich habe ein neues Zeitgefühl entwickelt und gehe inzwischen anders mit Zeit um. Früher konnte ich über Vergangenheit gar nicht gut sprechen und dachte, es sei besser, alles immer nur hinter mir zu lassen und unbedingt im Hier und Jetzt zu leben. Dabei leben wir doch ausschließlich im Hier und Jetzt, es ist uns nur meistens nicht bewusst. Und die Vergangenheit schwingt immer mit, mal mehr, mal weniger. Es ist eine Illusion, dass man alles Erlebte abhaken und in irgendeine Schublade packen kann. Manchmal schwelgt man in Erinnerungen, manchmal erinnert man sich nur flüchtig an irgendwelche Bilder. Die Erfahrungen und Erlebnisse sind immer abrufbar. Mittlerweile macht es mir auch richtig Spaß, Dinge bewusst in die Zukunft zu planen, ohne mich dabei schlecht zu fühlen.

Was haben Sie zuletzt geplant?
Übermorgen bin ich mit meinem Mann zum Essen verabredet, darauf freue ich mich. Ist doch gut zu wissen, dass es auf jeden Fall übermorgen ist und nicht irgendwann. (lacht)

In dem Song „Oldschool“ singen Sie davon, dass Ihre erste Platte vor 34 Jahren erschien.
Ja, und weiter heißt es da: „Sie ist so alt, man kann sie nicht mal mehr im Laden kaufen.“ Dass das erste Nena-Album vor 34 Jahren rauskam, fühlt sich für mich unendlich lang an, es könnte aber auch genauso gut gestern gewesen sein. Ich muss schmunzeln, wenn ich mir überlege, wie viel doch in ein einziges Leben reinpasst. Da komme ich mit dem Verstand nicht immer hinterher.

Für das Album haben Sie mit dem Hamburger Rapper Samy Deluxe zusammengearbeitet. Hat Ihnen seine Außensicht auf Sie und Ihr Werk noch mal eine andere Perspektive gegeben?
Samy hat für „Oldschool“ den Anstoß gegeben und kam irgendwann ungefragt mit Songideen, die mich schon beim ersten Hören beflügelt haben. Ab da waren wir praktisch unzertrennlich. Er hat auf jeden Fall noch mal eine andere Perspektive reingebracht. Das beste Beispiel dafür ist der Song „Bruder“. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, auf diesem Album noch mal zu thematisieren, dass ich mein erstes Kind verloren habe, wie 1987 mit dem Song „Wunder geschehn“.

Wie hat Samy Deluxe das Thema an Sie herangetragen?
Ich hatte mal von dem Tod meines ersten Kindes erzählt, und als wir im Studio waren, bat er mich plötzlich um ein Gespräch unter vier Augen. Was dann kam hat mich echt berührt. Er spielte mir die erste Strophe von „Bruder“ vor. Mit seinen Worten sprach er mir direkt aus der Seele. Er konnte sich auch auf dieser Ebene komplett in mich reinfühlen, vielleicht weil er selber Vater ist. Ich fand dann die richtigen Worte für die zweite Strophe, und so haben wir uns wundervoll ergänzt. Das passierte so selbstverständlich, schöner kann man nicht zusammen arbeiten.

Wenn jemand anderes sich Gedanken macht, wie er Nena sieht, kann das auch ganz schnell in Klischees abdriften.
Nee, wir sind nicht in Klischees abgedriftet, aber wir haben eins ganz bewusst aufgegriffen, die Berufsjugendliche. (lacht)

Frauen im Popbusiness wird das ja gerne vorgeworfen.
Stimmt, da bin ich nicht alleine.

Nena plaudert hier über ihr neues Album, Madonna, Blondie & Co.

Madonna wirft man zum Beispiel vor, sich unangemessen freizügig für ihr Alter anzuziehen.
Und wenn Madonna nackt über den Jungfernstieg reitet … Ich bin für maximale künstlerische Freiheit auf allen Ebenen.

War es Ihnen ein Bedürfnis, sich das mit der Berufsjugendlichkeit von der Seele zu singen und schreiben?
Erstaunlicherweise kam die Initialzündung für den Song von den Männern! Samy und die anderen Jungs, Derek von Krogh und Jan van der Toorn, haben sich in einer Nacht, als ich schon längst im Bett war, in die Außen-Perspektive gebeamt und darüber abgejamt, was ich oft zu hören kriege, wenn ich unterwegs bin.

Haben Ihnen die Männer auch zum ironischen Umgang mit dem Klischee der Berufsjugendlichkeit verholfen?
Ich kann gut über mich selber lachen, und überhaupt lache ich sehr gerne. Ironie in so klare Worte zu fassen, hat mir auf jeden Fall eine neue Tür geöffnet und echt Spaß gemacht.

Verletzt es Sie, wenn Sie Kritik über sich lesen?
In den Achtzigern wurde ich dafür oft angemacht. Es hieß: Jemand, der so viel lacht, kann keine Tiefe haben und nicht ernst durchs Leben schreiten. Das fand ich sehr befremdlich. Meine Oma hat früher schon immer zu mir gesagt: “Kind, Lachen ist die beste Medizin.” Und sie hatte Recht.

Das ist ein Frauending, sich so eine Kritik zu Herzen zu nehmen, oder?
Ach, offenes Feedback nehme ich mir sehr zu Herzen, ohne Signale von außen bin ich aufgeschmissen. Ich muss aber nicht mehr mit allem, was auf mich einströmt, in Resonanz gehen. Vieles perlt einfach an mir ab, vor allem, wenn es mir nicht gut tut. Intensiv sind immer noch zwischenmenschliche Sachen, zum Beispiel Konflikte mit Menschen.

Also Krach mit dem Ehemann zum Beispiel?
Das Beziehungsspiel ist vielleicht das größte Lernfeld auf der Ebene. Da rausche ich oft noch viel leichter ab in die innere Zerstörtheit, als die Erfahrung effektiv für mich zu nutzen.

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