Parker Millsap: Zwischen Honky-Tonk und Soul

Parker Millsap fehlt die Nähe zu seinem Publikum.
Parker Millsap fehlt die Nähe zu seinem Publikum.

Tim Duggan/dpa

14.04.2021 11:41 Uhr

Parker Millsap lässt sich nicht konkret auf eine bestimmte musikalische Stilrichtung festnageln. Er wandert vielmehr zwischen verschiedenen Musikwelten hin und her.

Wenn Amerikaner über ihre Landsleute aus dem Staat Oklahoma sprechen, begleiten sie dies mit einem mitleidigen Lächeln. Denn „Okies“ gelten als einfache Leute vom Land.

Doch wenn Parker Millsap auf die Bühne tritt, weicht das oft süffisante Lächeln einem verzückten Blick. Schließlich hat „Okie“ Millsap mit seinen knapp 28 Jahren bereits die Blues-, Americana- und Country-Welt erobert.

Schon bei seinen ersten größeren Auftritten vor sieben Jahren bescheinigte ihm das US-Rundfunksyndikat National Public Radio (npr) großes Potenzial. Er habe eine Stimme, die sowohl für „Honky-Tonk aus dem Süden als auch Soul aus dem Norden“ geeignet sei, dazu noch gutes Aussehen wie ein Filmstar und ein Händchen für das Komponieren.

Nach einer knapp dreijährigen Pause hat Millsap jetzt ein neues Musik-Projekt abgeschlossen. Das Album „Be Here Instead“ ist zumindest musikalisch ein neuer Gehversuch, denn er wendet sich stilistisch vom düsteren und energiegeladenen Folk ab. Stattdessen versucht er sich auf seinem fünften Studio-Album in neuen Ausdrucksformen – und hat mit allem experimentiert, vom Klavier über Effektpedalen bis hin zu Old-School-Drum-Machines. So lässt sich sein Stil auch nicht festzurren.

Die erste, bereits ausgekoppelte Single „The Real Thing“, mit Erin Rae als Gastsängerin, ist nach Millsaps Bekenntnis „ein Song, dessen Bedeutung mir mit der Zeit neue Facetten offenbart hat“. Zunächst wollte er eigentlich nur ausdrücken, wie sehr er seine Frau vermisse. Danach ging es „um meine generelle Abneigung gegen Internetkommunikation, und dann kam die Pandemie, und es ging darum, dass ich von dieser Art von Kommunikation abhängig bin und mich nach körperlicher Nähe sehne. Die These des Songs ist also: Facetime ist Mist.“

Gefühlvoll geht es auch im Song „Vulnerable“ (Verletzlich) zu. „Es geht dabei um hören und gehört werden“, verrät Millsap. „Es geht darum, stark zu sein, indem man nachgiebig ist. Es ist einfach eine Erinnerung am mich selbst, nett zu sein.“

Auch ihn haben die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen hart getroffen. „Ich vermisse es, für euch alle zu spielen“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Zwar habe er mit seinem Team einige Videos aufgenommen, um die Zeit zu überbrücken, „aber nichts ist besser als Live-Musik“. Er könne es daher kaum erwarten, wieder „in Fleisch und Blut“ vor seinem Publikum aufzutreten.