Samstag, 7. Mai 2011 09:42 Uhr

Peilomat: Eine Mischung aus Foo Fighters und Münchner Freiheit

Berlon. Peilomat geben Vollgas! Auf der Bühne und dahinter erst recht. Mit deutschen Texten, die was zu sagen haben und kein Blatt vor den Mund nehmen. „Icherzähler“ heißt das zweite Peilomat Album, das gerade bei Edel:Records erschienen ist. Lauter als je zuvor, und mit dem Mut manchmal auch mal leise zu werden.

Ohrwürmer und große Melodien, 14 Titel mit persönlichen, erfrischenden und einfach guten deutschen Texten. Mitten aus dem Leben. Mal hart, mal nachdenklich, mal gefühlvoll – aber immer auf den Punkt. Ende März erschien die erste Single aus dem neuen Werk: „Du hältst den Regen nicht auf“.

Kennengelernt haben sich die Jungs 2004, als sie durch puren Zufall gemeinsam in einem Probenraum landeten. Hier merkten alle drei ziemlich schnell, dass es bei Ihnen musikalisch extrem funkt und es sofort eine gemeinsame Vorstellung von der Musik gab, die sie zusammen machen wollten.

„Es sollte einfach gut nach vorne gehen und richtig knallen“ erinnert sich Drummer Hennich Marien „…und außerdem wollten wir eingängige Melodien, starke Songs und Chöre mit drin haben.“, ergänzt Bassist Sebi. „Im Prinzip so was wie eine Mischung aus den Foo Fighters und der Münchner Freiheit, aber halt als Trio.“

Seit dem ersten Auftritt im November 2004 waren sie nicht mehr zu halten. Laut, erfrischend gut und mit hinreißender Spielfreude rockten Peilomat sich überall, wo sie ihre Verstärker anschließen durften, die Seele aus dem Leib.

Was nun folgte, war die bis dato turbulenteste Zeit im Leben der drei Jungs. Von der kleinsten Kneipenbühne bis zu den größten Festivals, von der Isomatte im klammen Backstage bis hin zum 5 Sterne-Superior Luxushotel – Peilomat haben so ziemlich alles erlebt, was das Rockmusikerleben so mit sich bringt – mit allen Höhen und Tiefen. Schon vor ihrem ersten Plattenvertrag 2007 hatten sie über 250 Konzerte gespielt, zahlreiche namhafte Bands wie „Silbermond“ und „Reamonn“ supportet – und eine Menge Preise abgeräumt.

Die selbstproduzierte Demo EP ging dank der stetig wachsenden Fanbase mehrere tausend Mal über den Merchandising-Tisch. Da ließ der erste Plattenvertrag nicht lange auf sich warten.

Mit einem Majorlabel im Rücken stieg dann die erste Single „Grossstadtkinder“ prompt in die deutschen Charts ein. Die Band spielten eine Supporttour für „Tokio Hotel“ in den größten Arenen des Landes, drehten Musikvideos, fanden ihre Gesichter auf Großflächenplakaten wieder und promoteten ihr Debütalbum in zahlreichen TV-Shows.
Während der ersten eigenen Deutschland Tour im Herbst 2007 erreichte die Band dann überraschend die Nachricht, dass die Plattenfirma die Band nicht weiter aufbauen würde.

„So geht das vielen jungen Bands, wenn man nicht aus dem Stand richtig erfolgreich ist, wird man schnell wieder fallen gelassen“ – erinnert sich Sebi Wagner.

Statt jedoch über die Schnelllebigkeit im Musikbusiness zu jammern ließen die Peilomaten nicht locker. Nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ feuerten sie kurzerhand auch ihr bisheriges Management und nahmen das Ruder einfach wieder selbst in die Hand. Frontmann Flo erinnert sich: „Wir hatten keinen Bock uns gegenseitig zu bemitleiden. Schließlich hatten wir bis zu diesem Punkt enorm viel selber geschafft und unsere Fanbase eigenhändig aufgebaut. Wir mussten unseren Fans einfach beweisen, dass wir es auch ohne große Plattenfirma weiter nach oben schaffen können.“

Und der Plan ging auf: Im Februar 2008 trat die Band bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest an, drehte zum Wettbewerbssong „Jenny“ in Eigenregie ein Musikvideo, dass schnell über 150.000 Plays auf Youtube erzielte, und veröffentlichte den Song als Download auf der eigenen MySpace Seite. Im Sommer 2008 brachten die Jungs gemeinsam mit dem Fernsehmoderator Elton die EM Hymne „Allemann“ heraus, und belegten Platz 23 in den deutschen Singlecharts. Die zweite Tour führte Peilomat bis nach Österreich und in die Schweiz.

Im Jahr 2009 feierte die Band ihren ersten, halbwegs runden Bandgeburtstag unter dem Motto „500 Jahre Peilomat“ mit einem ausverkauften Konzert und einer extrem aufwändigen Liveshow, welche für die erste Peilomat DVD „Live im Kulturbahnhof“ aufgezeichnet wurde.

Danach hatten die drei Jungs sich eine kleine Auszeit redlich verdient, um erstmals seit langen Jahren Luft zu holen, neue Songs zu schreiben und auch mal völlig andere Dinge auszuprobieren – Kinder in die Welt zu setzen, Tango zu tanzen oder mit Kitesurfen anzufangen. Und auch um einfach mal Bilanz zu ziehen. „Das ging ja alles unheimlich schnell, fast wie eine Achterbahn – und wir mittendrin.“, erinnert sich Sebi Wagner. „Da war es gut, sich mal zu fragen: Wo stehen wir eigentlich gerade – und wo wollen wir hin?!“

2010 haben Peilomat  erstmals mehr Zeit im Studio als auf der Bühne verbracht und intensiv und eigenhändig an ihrem zweiten Longplayer gearbeitet. „Dieses Album ist in einer Zeit entstanden, in der bei uns viel passiert ist“ resümiert Drummer Hennich, „das spiegeltsich natürlich auch in der Musik wieder“. Erwachsener sind sie geworden, entspannter, routinierter, reifer – aber auf keinen Fall leiser. „Viele der Songs haben wir uns einfach von der Seele geschrieben“ erzählt Sänger Flo, der das Album selbst produziert hat.

„Es gibt Songs die Mut machen, Songs die Arsch treten, Songs für die Seele und natürlich Gute- Laune-Nummern. Für alles gab es eine Zeit, in der wir selbst diese Songs dringend gebraucht haben. Und deshalb haben wir sie geschrieben.“

Daher hat es auch ein wenig Zeit gebraucht, bis das neue Baby fertig war, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Und der Titel passt wie die sprichwörtliche Faust auf´s Auge:

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