13.10.2020 16:41 Uhr

Piano-Klänge und Elektro-Beats: Schillers neuer Sound

Klavier und Elektronik: Mit seinem neuen Album «Colors» bewegt sich Christopher von Deylen alias Schiller spielerisch zwischen zwei Extremen und vereint diese. Ein besonderer Ort hatte Einfluss auf das Album - und der chinesische Star-Pianist Lang Lang.

Daniel Bockwoldt/dpa

Ruhige Piano-Melodien auf der einen und gewaltige Elektro-Beats auf der anderen Seite. Ein Wechselspiel von Analogem und Digitalem. Zwei Pole, die eigentlich nicht zusammenpassen und trotzdem in Einklang gebracht werden.

Mit seinem neuen Album „Colors“ wagt Christopher von Deylen (49) laut eigener Aussage eine „stilistische Ergänzung“ zu seiner früheren Musik. „Ich habe versucht, Intensität durch Kontrast zu erreichen“, beschreibt der Klangkünstler die Stimmung in seinen Liedern.

Seit mehr als 20 Jahren steht von Deylen für elektronische Klänge und sphärische Melodien. Eine Erfolgsmischung, mit der der Norddeutsche mehrmals die Charts erobert hat. Sieben Millionen Alben hat er eigenen Angaben zufolge bereits verkauft. Viele davon standen auf Platz 1.

Mit „Colors“ hat der Künstler, der bislang als Schiller durch die Welt reiste, jetzt das erste Album unter seinem bürgerlichen Namen veröffnetlicht. „Einfach, weil ich mich mit dieser Präzision auf Piano und Elektronik diesmal in einem ganz klar definierten Korridor bewege“, sagt er.

Schon im Alter von sechs Jahren bekam er von seinem Großvater ein Klavier geschenkt. „Die Freude war anfangs groß, wurde jedoch relativiert, als die dazugehörige Klavierlehrerin durch die Tür schritt“, sagt von Deylen und lacht. Der Grund: Das Nachspielen bereits bestehender Werke empfand er als „zu sportiv“. Der intuitive Umgang mit dem Instrument habe ihm dabei gefehlt.

Später komponierte von Deylen dann ein Stück für den chinesischen Star-Pianisten Lang Lang. „Ein Stück, das ich in dieser Virtuosität niemals hätte selbst spielen können“, sagt er. „Wir haben uns nachts um 3.00 Uhr getroffen, weil Lang Lang nur da Zeit hatte“, erinnert sich der Norddeutsche, der das Treffen als „retardierendes Moment“ bezeichnet. „Ich hatte auf einmal wieder ein stärkeres Bedürfnis, mich dem beeindruckenden Klangkörper ‚Klavier‘ zu widmen“.

Doch nicht nur Lang Lang, sondern auch ein ganz spezieller Ort konnte die Liebe zum Klavier neu entfachen: die Natur. Ob ein Trip mit dem Auto von Berlin nach Indien, eine Reise auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ zur Arktis oder Eindrücke aus dem Iran – besondere Orte beeinflussten sein Schaffen schon immer. „Auch dem jetzigen Album liegt die Natur zu Grunde“, sagt von Deylen, der die Lieder in einem Studio am Waldrand produzierte. „Meine innere Stimme erfasse ich in der Natur wesentlich direkter“, sagt der frühere Berliner. Die permanente Stimulanz der Großstadt sei ihm auf Dauer einfach zu laut.

„Colors“ steht für Melodien und Texte voller Poesie. Die Klänge haben fast schon hypnotischen, meditativen Charakter. Im Song „Heliotrope“ rauschen die Töne wie Wasser, in „Free“ meint man, durch die Tiefen des Ozeans zu tauchen. Und das Titelstück „Colors“ nimmt die Hörer mit auf eine Reise durch die Welt – eine Reise voller Farbwechsel und verschiedener Landschaften.

„Das Album ist eine Hommage an das Träumen“, beschreibt der Künstler sein Werk. Es sei Filmmusik für den eigenen Kopf. „Einfach mal alles um sich herum vergessen. Mut zum Eskapismus.“

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