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Dienstag, 28. Mai 2019 11:07 Uhr

Rammstein: Schocken wollen sie gar nicht

Foto: Jens Koch

Rammstein sind bislang die erfolgreichste deutsche Band im In- und Ausland und wohl auch die provokanteste. Wenn es nach der Meinung vieler Medien geht. Erstmals äußern sich die Herrschaften nun zu einem umstrittenen Video-Trailer.

Rammstein: Schocken wollen sie gar nicht

Foto: Jens Koch

Mit dem halbminütigen Snippet hatten sie ihre Single „Deutschland“ beworben und der Aufschrei unmittelbar danach war groß, obwohl noch niemand das komplette Video gesehen hatte.

Musiker der Band, die gestern Abend (27. Mai) ihre Tour in Gelsenkirchen eröffneten, waren darin in KZ-Häftlingskleidung aufgetreten. Der Holocaust werde hier zu „Marketingzwecken missbraucht“, hatte Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, gesagt. In der neuen Ausgabe des deutschen Musikmagazins ‚Rolling Stone‘ äußern sich die Musiker zum ersten Mal über ihre Beweggründe.

Rammstein: Schocken wollen sie gar nicht

Foto: Jens Koch

Das Gegenteil von Entertainment

„Es geht uns nicht darum, Leute zu schocken“, sagt Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz. Aber natürlich habe die Band diese Reaktionen aktiv provoziert. „Wir wollen provozieren, Leute in Bewegung bringen. Das ist das Gegenteil von Entertainment.“ Es stelle sich auch die Frage, „warum wir beim Thema Deutschland immer gleich so empfindlich sind.“ Flake weiter: „Der Song handelt von dem ambivalenten Verhältnis, das wir zu Deutschland haben. Und das Video zeigt, woher dieses Verhältnis womöglich kommt.“

Rammstein-Rollinmg Stone

Foto: Rolling Stone/Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH

Schlagzeuger Christoph Schneider gibt zu, dass ihn die heftigen medialen Reaktionen überrascht haben. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so einen Aufruhr geben würde“, erklärte er dazu im Interview mit dem Magazin. „Für mich ist das eine starke Szene.“ Er stehe nach wie vor hinter der Entscheidung, den 35 Sekunden langen Filmausschnitt ins Netz zu stellen.

Einen Nerv getroffen

Der Teaser repräsentiere doch gut das zwei Tage später in voller Länge veröffentlichte Rammstein-Video „Deutschland“. Niemand werde verhöhnt, die Band mache sich auch überhaupt nicht lustig.

Rammstein-Rollinmg Stone

Foto: Rolling Stone/Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH

„Aber die Tatsache, dass hier Rammstein am Galgen hängen, macht den Trailer eben für einige zur Provokation“, so Schneider. „Wir haben mit dem Song einen Nerv getroffen, etwas erschaffen, das viele bewegt und anspricht.“

Rammstein sprechen auch offen über die zermürbenden Aufnahmen zum neuen, namenlosen Album, mit dem sich für Gitarrist Richard Z. Kruspe ein Kreis schließt: „Ich habe das Gefühl, dass wir wieder an dem Punkt angekommen, sind, an dem wir damals angefangen haben. Der Kreis schließt sich, inhaltlich und musikalisch.“ Selbstkritisch fügt er allerdings hinzu: „Was mir fehlt, ist ein Moment mit positiver Perspektive auf dem Album, ein Hoffnungsschimmer. Aber vielleicht gibt es den gerade einfach nicht.“

Der neue ‚Rolling Stone‘ erscheint mit zwei Covern und ist ab 29. Mai erhältlich.

Übrigens: Heute Abend veröffentlichen Rammstein ihr neues Video „Ausländer“.

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