Mittwoch, 13. Juli 2011 16:10 Uhr

Rap trifft Folkmusik: Alles über Pigeon John und sein neues Album

Berlin. Anfang der 90er Jahre trafen sich allwöchentlich in einem kleinen Cafe in Los Angeles ein Haufen Rap Fanatiker, um unter den Augen und Ohren eines hyperkritischen Publikums die neuesten Reime und Techniken zu präsentieren. Wer den Ansprüchen nicht entsprach, wurde mit „please pass the mic“-Rufen von der Bühne gebuht und durfte maximal in der nächsten Woche wieder antreten.

Auch Pigeon John musste durch diese Schule und mehr als einmal wurde er wieder von der Bühne gejagt. Doch der Junge aus Inglewood, Großraum Los Angeles, setzte sich durch und entwickelte seinen ganz eigenen Stil: Hintergründig, schlau und ironisch. An Bühnenpräsenz dürfte ihm so leicht keiner was vormachen und unzählige erfolgreiche USA-Tourneen, begeisterte Konzertbesucher in Kanada, Frankreich und Australien belegen, dass sich die zahlreichen Abende am Mikrofon ausgezahlt haben. PJ ist einer der besten Live Acts, die das aktuelle Hip Hop Game zu bieten hat.

„Dragon Slayer“ heißt das neue Album des Rappers, das am Freitrag erscheint und das in den USA bereits auf dem legendären Quannum-Label verlegt wurde, Heimat von DJ Shadow, Lyrics Born und Blackalicious. Pigeon John sagte dazu: „Dragon Slayer ist keine Abkehr von meinen bisherigen Alben, es läuft lediglich auf einer anderen Wellenlänge. Es ist ein wenig riskant. Aber mal im Ernst: was habe ich zu verlieren?“

Zusammen mit Herve Salters von General Elektriks verzichtete er bei Dragon Slayer vollkommen auf Samples, spielte und bearbeitete alle Instrumental-Passagen selbst und gab dem Album dadurch eine nie zuvor gehörte Nähe: „Es ist ein komplett neues Unterfangen“, sagt Pigeon John und erklärt: „Der Prozess ist größer als alles, was ich bis dahin gemacht habe: Ich bin nicht nur der Autor meines Buches, ich bin auch mein eigener Lektor. Die Zusammenarbeit mit Herve Salters lässt meine Musik für mich in einem völlig neuen Licht erscheinen. Ich liebe es.“

Eingerahmt von der Hitsingles „The Bomb“ und „Ben Vereen“ – zwei euphorischen Mitsing-Hymnen über die kleinen Beziehungs-Kämpfe nicht nur mit Frauen – findet „Dragon Slayer“ immer die Schnittmenge mit dem Zuhörer. Ein Album wie ein guter Freund. Aufmunterndes Schulterklopfen, gute Witze und originelle Sichtweisen inklusive. Wow! Cool!

„The Bomb“ wird bekanntlich in einem VW-Werbespot verwendet, der Gene Kellys und Donald O’Connors Sitz-Tanz aus „Singing In The Rain“ auf die Rückbank des VW Jetta verpflanzt. Pigeon Johns Songs waren bereits in den XBOX-Spielen „Project Gotham“ und „NBA Inside Drive 2002“, in der Fernsehshow „Infomania“ und dem Kirsten Dunst-Film „Get Over It“ zu hören. Er war der erste Rapper in Chuck Ds Indie 103 Radio-Show und der erste Künstler, der ein zweites Mal zu „Daily Habit“ auf Fuel TV eingeladen wurde.

Gut gekleidet, charismatisch und jung wie er ist, hat PJ auch schon Print- und Fernsehwerbung für Levis und Nestle Crunch gemacht. Nun gut. Leben muss man ja auch von was aber viel wichtiger sind nach wie vor die unglaublichen Live-Shows, die der Mann aus Kalifornien seinen Fans und allen Musik-Liebhabern zu bieten hat. So spielte er auch beim letzten SXSW-Festival zwischen Acts wie Polyphonic Spree und Brandi Carlile und setzte mit seinem Auftritt eine Marke, die mehr als nur überzeugte.

In seiner Freizeit macht der umtriebige Musiker dann noch ein bisschen Musik mit den Untergrund-Veteranen von L.A. Symphony und Brainwash Projects und ansonsten lebt er mit seiner Frau Harmony in Northridge einem nördlichen Vorort von Los Angeles.

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