Freitag, 3. Oktober 2014 13:49 Uhr

Robin Gibb: Was bleibt nach dem Tode – Ein bewegender Besuch bei der Witwe

Hausbesuch in Thame, Oxfordshire bei Dwina Gibb, Witwe des 2012 an Krebs verstorbenen Robin Gibb. In dem beeindruckenden, 780 Jahre alten Anwesen, das als „The Prebendal“ bekannt ist und in dem schon die französische Nationalheldin Johanna von Orléans zum Tode verurteilt wurde, hat die Bee-Gees-Legende seit Anfang der Achtziger gelebt.

Robin Gibb - Was bleibt nach dem Tode? Ein Besuch bei der Witwe

Nun liegt er auf dem Kirchenfriedhof gegenüber begraben. Mit „50 St. Catherine’s Drive“ erscheint heute sein letztes Studioalbum, das noch einmal die Ausnahmekarriere und Stimme des Briten aufblitzen lässt. Was seine letzten Wünsche waren und wie Barry, der einzige Überlebende der vier Gibb-Brüder, mit dem Verlust umgeht, erzählten uns Dwina und Sohn Robin-John (Rufname RJ) bei einer Tasse Tee.

Dwina, wie geht es Ihnen heute?
Dwina: Gut. Ich habe jüngst ein Theaterstück geschrieben, das noch bis Ende September im benachbarten Sonning aufgeführt wird und gute Kritiken bekommen hat. Es heißt „Last Confessions Of A Scallywag“ (zu deutsch: „Letzte Bekenntnisse eines frechen Typen“, Anm. d. Red.). Manche denken, es wäre ein Stück über Robin, aber das stimmt nicht. Es ist ein irisches Theaterstück, eine Komödie.

Hilft Ihnen die kreative Arbeit über den Kummer hinweg?
Dwina: Schon. Ich bin in Nordirland aufgewachsen, das damals wie ein Kriegsgebiet anmutete. Ich war jung und lebte in ständiger Angst. Um mich aufzumuntern, schrieb ich Komödien und komödiantische Dialoge. Als Robin starb, hatte ich erneut das Gefühl, an einem sehr dunklen Platz zu sein. Also fing ich wieder damit an. Ich mag das Schreiben. Und das Zeichnen. Eine meiner Zeichnungen war auch das erste, was Robin von mir sah, bevor wir uns kennenlernten.

Robin Gibb - Was bleibt nach dem Tode? Ein Besuch bei der Witwe

Sind Sie jetzt viel allein?
Dwina: Nein, mein Sohn RJ lebt vorne an der Straße im Haus neben dem Tor. Er ist vor gar nicht langer Zeit Vater geworden. Meine Familie aus Irland kommt auch oft zu Besuch. Meine Mutter wird diesen Monat 90, ich sehe sie also bald wieder.

Barbara, die Mutter der Bee-Gees-Brüder, lebt auch noch.
Dwina: Ja, sie hat fast 30 Jahre mit Robin und mir in Miami gewohnt. Sie lebt immer noch dort, genauso wie Barry Gibb. Unsere loyale Mitarbeiterin Nancy, die schon RJs Kindermädchen war, kümmert sich um sie, denn sie ist mittlerweile ans Bett gebunden. Als Robin starb, war sie unfassbar traurig. Sie hat so viel wegstecken müssen in ihrem Leben: den Tod von Andy, dann den von Maurice. Aber als dann auch noch Robin starb, war sie untröstlich. Es ist hart für sie, drei ihrer Söhne überlebt zu haben. So etwas erwartet man als Mutter doch nicht.

(Robin-John kommt dazu und stellt sich vor)

Thame liegt etwa 50 Meilen von London entfernt. Kommen trotzdem noch oft Fans vor das Tor?
Dwina: Oh ja. Manchmal gucken sie auch bei RJ durch die Fenster.
RJ: Meist wollen sie die Gedenktafel an der Mauer sehen, die besagt, dass mein Vater hier gelebt und Musik geschrieben hat. Und natürlich auch das Grab, das gleich gegenüber auf dem Friedhof ist.
Dwina: Dazu muss man wissen, dass die Heritage Foundation blaue Gedenktafeln anbringt, wenn du verstorben bist und grüne, wenn du noch lebst. Es gibt immer noch eine grüne Tafel für die Bee Gees in London, denn Barry Gibb lebt ja noch. Aber wenn Barry geht, wird auch die gegen eine blaue ausgetauscht. Auch Robin hat in seiner Funktion als Präsident der Heritage Foundation Gedenktafeln für verschiedene Leute anbringen lassen. Als der berühmte Radio-DJ Alan Freeman starb, dem Robin auf der neuen Platte ein Lied widmet, weil er als erstes seine Soloplatten im Radio spielte, hat er für ihn auch so eine blaue Tafel aufhängen lassen.

War Robin so was wie ein Held in dieser Kleinstadt?
Dwina: Definitiv! Wir kennen hier jeden, denn wir alle leben schon seit vielen Jahren hier. Deshalb fuhr bei seiner Beerdigung die Pferdekutsche mit dem Sarg eine Ehrenrunde über die Hauptstraße – und alle hatten Erinnerungen an Robin in die Fenster gehängt, gingen raus auf die Straße und erwiesen ihm die letzte Ehre. Es war sehr bewegend, das zu sehen.

Robins Grab sieht recht unspektakulär aus: Ein paar Blumen und Fanbriefe, das war’s.
Dwina: Es fehlt noch der Grabstein! Dafür braucht man aber eine besondere Genehmigung, denn die St Mary’s Church ist über 1000 Jahre alt, es liegen neun Schichten von Gräben darunter – da gibt es bestimmte Regeln, die man befolgen muss. Wir müssen warten, bis sich der Boden gelegt hat. Wir müssen dann einen Stein haben, der der Form entspricht, die gewollt ist. Aber unser Stein soll schon besonders sein, es ist schließlich der von Robin! Ich habe einen blauen, sehr schweren, irischen Kalkstein ausgewählt, denn Robins Mutter ist irisch. Wir werden „How Deep Is Your Love“ und andere Titel und Worte aus seinen Songs auf der Rückseite des Steins eingravieren lassen. Alle würden wir ja nicht unterkriegen. (lacht)

Haben Sie mal damit geliebäugelt, dieses wunderschöne, historische Gebäude zu verlassen, um die schmerzvollen Erinnerungen abzuschütteln?
Dwina: Nein, nie.
RJ: Wir haben nicht das Gefühl, dass wir das müssen. Wir haben auch die vielen Bilder und Andenken, die hier sind, so belassen wie es zu seinen Lebzeiten war. Ich liebe es auch nach wie vor, die Stimme meines Vaters im Radio zu hören. Da gibt es nichts abzuschütteln.
Dwina: Wir hören Robins Musik jeden Tag. Wir haben noch die Bücher, in die er seine Texte geschrieben hat. Seine Kleidung, Brillen und seinen Hut. Wir bewahren alles auf.

Robin Gibb - Was bleibt nach dem Tode? Ein Besuch bei der Witwe

Mit „50 St. Catherine’s Drive“ erscheinen nun seine letzten Songs. Stimmt es, dass er die Platte eigentlich schon 2008 herausbringen wollte?
RJ: Das stimmt. Aber kurz vor der Fertigstellung hatte er den dringlichen Wunsch, wieder mit Barry als Bee Gees aufzutreten. Er stellte die Veröffentlichung seines Soloalbums also zurück, um diesen Wunsch weiterzuverfolgen. Als das nicht passierte, wurde er krank, und deshalb wurde das Album nie veröffentlicht. Die drei Stücke „One Way Love“, „Instant Love“ und „Don’t Cry Alone“ habe ich mit meinem Vater zusammengeschrieben. Ich habe dem Album in den letzten Monaten noch den letzten Schliff im Studio gegeben, aber eigentlich war es schon vor sechs Jahren so gut wie fertig.

War es ein schmerzvoller Prozess, sich mit dem musikalischen Vermächtnis Ihres Vaters zu beschäftigen?
RJ: Schon, weil er nicht mehr hier ist. Andererseits war es aber auch schön, sein letztes Werk zu vervollständigen und seinem Wunsch nachzukommen. Es war eine Ehre und eine freudevolle Erfahrung. Während der Produktion selbst fühlte ich nie so etwas wie Trauer. Wir versuchten einfach nur seinem Geschmack gerecht zu werden. Als wir eine geeignete Plattenfirma suchten, um das Album herauszubringen, wollten viele die Songs abändern, sie trauriger machen, sie zu einer Ode über den Mann werden lassen, der von uns gegangen ist. Aber mein Vater hätte die Stücke genauso fröhlich und poppig herausbringen wollen, wie er sie aufgenommen hat. Also gingen wir sicher, dass sie nun unverändert erscheinen.

Der Song „Sydney“ soll Robins allerletzte Aufnahme sein.
Dwina: Ja, er nahm das Stück oben im Schlafzimmer auf – mit seinem Keyboard und auf dem Garage-Band-Programm seines iPads. Er beabsichtigte, den Song mit Barry fertigzustellen; das Stück ist also noch genau so roh, wie es von Robin zurückgelassen wurde. Es ist das Lied, was er sich für eine Reunion mit Barry als Bee Gees ausgeguckt hatte. Es war sein sehnlichster Wunsch, noch einmal mit Barry zusammenzuarbeiten. Er wollte es unbedingt. Aber leider kam es nicht mehr dazu.

Aber daran gedacht, den Song trotzdem von Barry beenden zu lassen, haben Sie nicht?
Dwina: Barry kann ihn ja immer noch fertigmachen, wenn er es möchte.

Robin Gibb - Was bleibt nach dem Tode? Ein Besuch bei der Witwe

RJ, Sie und Ihr Vater singen auch ein Duett auf der Platte. War er stolz, dass Sie in seine Fußstapfen treten?
RJ: Absolut. Aber in seine Fußstapfen treten will ich ja gar nicht. Aber ich bin natürlich mit Musik aufgewachsen, sie war immer um mich herum. Anders als mein Vater habe ich eine klassische Musikausbildung, ich erlernte die Violine und das Klavier. Heute benutze ich Keyboards und Gitarre, um zu komponieren.

Wie kam es zu Ihrer ersten Zusammenarbeit?
RJ: Ich hatte 2007 einen Dance-Track geschrieben. Mein Vater kam rein und fing an, Vocals darüber zu singen. Wir haben den Song dann gemeinsam zu Ende gebracht und produziert. So hat es angefangen! Wir haben dann das „Titanic Requiem“ zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic zusammen geschrieben. Es existiert noch viel unveröffentlichtes Material von ihm und mir. Auch Songs für andere Künstler wie Peter André. Und wir hatten noch viel vor: Wir wollten sogar zusammen auftreten!

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