Dienstag, 2. April 2013 15:03 Uhr

Rosenstolz-Anna: Hier ist die erste Single ihrer neuen Band Gleis 8

20 Jahre lang kannte man die Berlinerin Anna R. als Stimme von Rosenstolz, dem Duo, das es von der spärlich besuchten Kleinkunstbühne in die immer vollbesetzten Freiluft-Arenen dieses Landes geschafft hat und dessen Alben „Das große Leben“, „Die Suche geht weiter“ und „Wir sind am Leben“ zuletzt die deutschen Charts dominierte.

Peter Plate hatte Anna die eingängigen Melodien und die sensiblen Texte auf den Leib geschrieben und die präsentierte sie unverwechselbar – mal zarte Diseuse, mal wilde Rampensau. Dennoch beschlossen beide im vergangenen Jahr, neue Wege zu gehen, jeder für sich, neue Herausforderungen zu suchen.

Gleis 8

Anna R: „Auch wenn es 20 Jahre gut geklappt hat mit uns, möchte ich als Sängerin nun auch meine eigenen Lieder schreiben, meine eigenen Gedanken loswerden.“ Eine Solokarriere ist dies aber trotzdem nicht. GLEIS 8 sind nämlich eine Band.

„Das kannte ich ja bislang nicht, eine erste Band, in der man zunächst unbeobachtet seine Erfahrungen macht, sich austobt.“ sagt AnNa. „Mit GLEIS 8 habe ich nun diese Lebensumstände, dieses Gefühl, erstmals mit mehreren Leuten zusammen zu arbeiten, sich auszutauschen, zunächst gar nicht zu wissen, worauf das alles hinausläuft und am Ende einen gemeinsamen Weg zu finden.“

Gleis 8

Die vier Musiker haben zuvor schon miteinander gearbeitet. Neben der Sängerin war Lorenz Allacher als Saxophonist bei den Rosenstolz-Tourneen zu hören. Beide begannen, zunächst an neuen Songs zu schreiben, ehe der Hamburger Timo Dorsch hinzu stieß. Timo: „Das ist auf Annas Geburtstagsparty passiert. Wir stellten ein ähnliches musikalisches Verständnis fest, die Ideen waren da. Aus dem Na-gucken-wir-mal wurden dann regelmäßige Proben.“

Zu denen brachte Timo den kongenialen Schlagzeuger und Tastenmann Manne Uhlig aus Hamburg gleich mit nach Berlin. Fertig war das, was GLEIS 8 nun ihr „Wohlfühlgebilde“ nennen, in dem seither erdacht, gespielt und diskutiert wird, bis es bewegt, bis es rockt. Und es wird viel gespielt, denn jedes Instrument, fast jede Funktion ist hier – wie auch in einem guten Fußballteam – doppelt besetzt. AnNa: „Es gibt da keine Einschränkungen. Bei uns darf jeder zeigen, wie er sich das vorstellt. Aber wer es am besten kann, der macht es am Ende auch.“

Das ist nicht zuletzt für alle Beteiligten auch das Aufregende an GLEIS 8. „Es ist spannend, sich selbst neu zu erfinden. Auch die Strukturen untereinander, das ist wie mit einer ersten großen Liebe, die sich noch finden will“, sagt AnNa. Und diese Spannung, diese Aufregung hört man dem Album „Bleibt das immer so“ an. Hier spannt sich ein Bogen von tiefer Menschlichkeit („Geh nicht“) über selbstbewusst Sinnliches („Die Chance“) bis hin zu Rockballaden, die mit warmem Rhodes Piano beginnen, um sich in ein lustvoll-verzerrtes Gitarrenbrausen zu steigern (“Zeit“).

„Bleibt das immer so“ ist sehr viel verspielter, als man dies von Musik kennt, wie sie heute üblicherweise im Radio zu hören ist. „Wir haben uns einfach mal von unserem Geschmack leiten lassen“, resümiert Lorenz Allacher, „und da wir vier Personen mit vier verschiedenen Vorlieben sind, haben wir schon etwas recht Eigenes geschaffen“. Da finden sich neben den vielen Gitarren, dem treibenden Schlagzeug, auch Bläser und Streicher und neben Piano und Orgel eben auch mal ein Xylophon und eine paraguayische Harfe. Das will manchmal rocken, das kann in den Balladen zart und seelenvoll sein, das geht manchmal auf wie ein samtener Vorhang vor der breiten Cinemascope-Leinwand – und es ist immer berührend, immer echt.

Gleis8_Album_800

Der lyrische Ton, den GLEIS 8 hier setzen und den AnNa mit ihrer unverwechselbar tiefen, kraftvollen Stimme trägt, verrät, was sie erleben, wie sie damit umgehen: ein bisschen Zweifel, ein bisschen Verlust, aber eine unbedingte Verbundenheit mit diesem Leben, der Wille, damit klar zu kommen. Apropos: Wie kommt eigentlich eine Band damit klar, dass ihre Mitglieder in zwei verschiedenen Städten leben? „Wo liegt das Problem? Für zwei von uns sind die gemeinsamen Proben, die mal in Hamburg und mal in Berlin stattfinden, dann jeweils ein wenig wie Urlaub“, so Manne.

Außerdem dauert eine Zugfahrt von Hamburg nach Berlin heute gerade einmal anderthalb Stunden. Und abfahren tun die Züge am Berliner Hauptbahnhof stets von GLEIS 8. Womit wir dann auch die Frage nach dem Namen geklärt hätten.

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Foto: Universal music

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