Samstag, 5. Oktober 2019 16:46 Uhr

Seeed: Gehen sie mit ihrem neuen Album „Bam Bam“ baden?

Foto: Erik Weiss

Seeed – Deutschlands Dancehall-Kollektiv Nummer eins haut mit „Bam Bam“ das langerwartete und mittlerweile fünfte Album auf den Markt. Nach dem Tod von Sänger Demba Nabé im Mai 2018 kommen die Berliner endlich mit neuer Musik.

Bereits drei Songs haben Seeed schon in diesem Jahr aus dem Album ausgekoppelt, allerdings so richtig erfolgreich war keiner davon.

Seeed: Gehen sie mit ihrem neuen Album "Bam Bam" baden?

Foto: Warner Music

Nur die Single „Lass sie gehn“, die – wie der Name schon erahnen lässt – von einer gescheiterten Beziehung handelt – schaffte es mit Müh und Not gerade in die Top 50 der deutschen Charts. Allerdings flog  diese Nummer auch schon wieder nach einer Woche raus. Eine echte Nackenklatsche für die sonst so erfolgsverwöhnte Hit-Kombo!

Das erste Album nach sieben Jahren

Sieben Jahre sind seit dem letzten Studioalbum “Seeed” vergangen. Das ist eine lange Zeit, nicht nur nach den Maßstäben des Instagram-Story-Zeitalters. Seitdem wurde beispielsweise Fortnite erfunden, Annegret Kramp-Karrenbauer und die seltsame Angewohnheit junger Menschen, vor Läden zu kampieren, um dort Sportschuhe zu kaufen.

Dancehall – die Soundästhetik, die Seeed einst in Deutschland salonfähig machten – ist zu einem Standard im globalen Streaming-Pop geworden. Und Deutschrap, damals gerade erholt von einer schweren Krise, ist zum gefühlten Alleinherrscher über die Charts und Festivals aufgestiegen. Seeed haben dieses Genre immer auf Armlänge gehalten.

Die großen Hits fehlen

Wie also crasht man mit einem neuen Album die Party seiner Kinder? Seeed haben sich für den konsequenten, ja, den einzigen für sie denkbaren Weg entschlossen: Sie haben sich geöffnet und erneuert, um sich selbst treu zu bleiben. “Bam Bam” ist das erste Seeed-Album, das konsequent in deutscher Sprache geschrieben und performt wurde.

“Bam Bam” klingt nach Aufbruch, nach Aufsteh’n, Rausgeh’n, die Welt ein bisschen bunter und besser machen. Die erste Single “Ticket” swingt zwischen Afrobeats und, äh, Dreampop, mit dieser speziellen Mischung aus leiser Melancholie und bedingungsloser Lebensbejahung, die Seeed über die Jahre perfektioniert haben.

“G€LD” basiert auf einer Neuinterpretation des Jahrhundert-Riddims “Diwali” – eine Reminiszenz an die Wurzeln der Band in der Berliner Dancehall-Szene der neunziger und nuller Jahre.

Eine gute und eine schlechte Nachricht

Immer bei dir” schließlich ist die längst überfällige Zusammenkunft mit Trettmann, Seeeds gefühltem Statthalter im Autotune-La-La-Land der Jetztzeit.

Drei einzigartige Stimmen auf einem in jeder Hinsicht einzigartigen Song: Die Bausteine sind formell Dancehall-Reggae, in ihrer Gesamtheit aber ergeben sie eher ihr eigenes Genre – und einen klugen, klaglosen Kommentar zur Hektik-Mektik unserer Zeit noch dazu. Peter Fox meint es zwar anders in diesem Fall, aber fasst es doch perfekt zusammen: “Alles fresh, alles neu, big pimpin’!”

Zusammengefasst kann man bei dem Album von einer guten und einer schlechten Nachricht sprechen: Die Gute zuerst: Seeed bleiben auch hier ihrem Sound treu, den die Fans lieben. Die schlechte Nachricht: Dieses Album bietet halt nicht unbedingt die ganz großen Hits.

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