15.09.2020 23:05 Uhr

Steiner & Madlaina: Frische Ware aus der Schweiz

Wer in den letzten zwei Jahren nur einmal vor einer Bühne stand, auf der Nora Steiner und Madlaina Pollina sangen und Gitarren spielten, der ahnte ja bereits, dass diese beiden Schweizerinnen Mitte zwanzig in Sachen Songwriting (…und Gesang! …und Charisma!) in der Champions League spielen

Foto: Tim Wettstein

Alle anderen werden spätestens von ihrem zweiten Album „Wünsch mir Glück“ überzeugt werden, das am 29. Januar 2021 erscheinen soll.

Damit das auch jeder mitbekommt, treten Steiner & Madlaina nun mit der ersten Single-Auskopplung gepflegt die Tür ein: „Wenn ich ein Junge wäre (ich will nicht lächeln)“ ist nämlich nicht weniger als ein wütendes Statement, dass man(n) sich gerne zu Herzen nehmen darf, während man(n) herzlich eingeladen ist, bei dem „Lalalalalala“-Gröl-Chor im Refrain mitzusingen.

Steiner & Madlaina: Frische Ware aus der Schweiz

Foto: Promo

Ein Song, entstanden aus großer innerer Wut

„Wenn ich ein Junge wäre…“ beginnt mit wuchtigen Drums und breitkreuzig klingenden Gitarren. Oder wie Madlaina es sehr treffend beschreibt: „Wenn Noras Gitarre reinplatzt, klingt das wie der erste Auftritt des Bösewichts in einer Comic-Verfilmung.“ Steiner & Madlaina haben den Song live mit ihrer Tourband im Studio eingespielt, sehr dynamisch eingefangen von Produzent Alex Sprave. Ähnlich unbehauen sind die Lyrics, die in diesem Fall von Nora stammen. „

Der Song ist aus einer großen inneren Wut und Frustration entstanden, deswegen habe ich bewusst nicht drauf geachtet ihn sprachlich zu verschönern“, erklärt sie. Und singt zum Beispiel: „Ich muss nichts beweisen, kenn mich auch mit Technik aus. Ich weiß ganz genau, was ich nicht will und was ich brauch.“

„Wer bestimmt das Rollenbild der Frauen?“

So weit, so Wut – was dem Song, aber den Twist gibt, der sich auch in den Kopf eines jeden Indie Boys drehen wird, ist der Refrain: „Wenn ich ein Junge wäre, würde man mir mehr zutrauen? Wer bestimmt das Rollenbild der Frauen? Wenn ich ein Junge wäre eine ganze Woche lang, wüsste ich, ob man Dinge schneller ändern kann?“

An dieser Stelle sollte man vielleicht dem Arschloch danken, das Nora auf einer Party in ihrem DJ-Set unterbrechen wollte, weil er meinte, sie könne das nicht – die volle Tanzfläche aber anderes vermuten ließ. Oder die selbst ernannten Feministen aus ihrem Bekanntenkreis, die zwar beim „Women’s March“ in Zürich an der Seite ihrer Freundinnen mitlaufen, aber Nora, die seit ihrer Jugend Konzerte spielt, auf einer Party erklären wollen, wie man eine Anlage anschließt.

Ein trotziger Song

Diese Dudes waren es nämlich, die Nora in Laune brachten, diesen Song rauszuhauen. „Ich dulde das nicht mehr. Als Frau werde ich ständig von Männern belächelt, verbessert und weniger ernst genommen. Was soll das?“

Madlaina ergänzt: „Das Lied ist zwar trotzig und wütend, aber es soll jeden, der es hört, in erster Linie einladen, mal zu überlegen, wie weit man selbst Teil des Problems ist. Man könnte sagen, dass das ein wenig das Leitmotiv des ganzen Albums geworden ist, weil wir auch bei anderen Themen immer wieder zu dieser Einsicht kommen.“

Steiner & Madlaina über eine schönen Trend

Steiner & Madlaina schreiben ihre Songtexte jeweils alleine, sind aber trotzdem schon seit ihrer Jugend eine kreative Einheit. Gerade auf diesem Album haben sie viel über die Themen und Texte gesprochen und sich gegenseitig als höchste und einzige Instanz in Sachen Qualitätskontrolle ausgetauscht. „Bei diesem Lied haben wir lange darüber diskutiert, wie es wirkt und ob es die richtigen Punkte trifft“, erklärt Nora. „Ich hatte anfangs ein wenig Schiss, weil diese Debatte so viele Leute triggert, die dazu ihre feste Meinung haben und denken, sie sei die einzig richtige. Ich bin nicht gegen Männer und es ist ein schöner Trend, wenn sich viele von ihnen als Feministen bezeichnen – aber dazu gehört eben auch, dass man sich mit dem Thema und seinem eigenen Handeln nachhaltig beschäftigt.“

An dieser Stelle des Interviews lacht Madlaina trotzig auf und erzählt, dass einige von diesen besagten Bekannten, den beiden mansplainen wollten, dass der Song ja nicht feministisch sein könne, weil sie ja sängen „Wenn ich ein Junge wäre …“