Britenband The The: Probelauf für ein Comeback?

dpadpa | 03.11.2021, 09:42 Uhr
Läutet Matt Johnson vielleicht sein Spätwerk ein?
Läutet Matt Johnson vielleicht sein Spätwerk ein?

Prudence Upton/earMusic/Edel/dpa

Zornig, sperrig, kultig: so könnte man The The mit drei Adjektiven treffend beschreiben. Matt Johnson bringt nun mit einem neuen Live-Album die Musik kreativ ins Heute. Der Beginn einer zweiten Ära?

The Clash, The Jam, The Damned, The Stranglers und so weiter – in den großen Punk-Zeiten Ende der 1970er und Anfang der 80er gehörte ein „The …“ im Bandnamen offenkundig dazu. Auf die Spitze trieb es vor 40 Jahren der Londoner Sänger, Songwriter und Gitarrist Matt Johnson: Er nannte sein Projekt schlicht The The, was irgendwie sperrig klang, den Musiker aber nicht vom (zumindest zeitweiligen) Erfolg abhielt.

Energie für ein Comeback

Die Alben „Soul Mining“ (1983), „Infected“ (1986), „Mind Bomb“ (1989) und „Dusk“ (1993) gehören mit ihrer Mischung aus düsterem Rock, Postpunk, Blues und Avantgarde längst zu den Klassikern jener Zeit – und zu den Lichtblicken einer an glatten Synthie-Sounds überreichen Pop-Ära. Nach dem seltsamen Country-Cover-Ausflug „Hanky Panky“ (1995) und dem halbherzigen „NakedSelf“ (2000) kam dann so gut wie nichts mehr von Johnson und The The.

Die zahlreichen treuen Fans hofften dennoch stets auf eine Neuauflage des immer wieder mit prominenten Gastmusikern angereicherten Kult-Projekts (Sinéad O’Connor, Johnny Marr von The Smiths, Neneh Cherry, Jools Holland). Das nun erschienene Doppel-Album „The Comeback Special – Live At The Royal Albert Hall“ lässt immerhin ahnen, dass noch genug Energie für eine echte kreative Rückkehr mit neuen Songs in Matt Johnson steckt.

Es leben die 80er Jahre

Das Konzert von The The in dem legendären Londoner Musiktempel am 5. Juni 2018 war innerhalb von Minuten ausverkauft. Und Johnson enttäuschte nicht mit seiner verjüngten Band. 24 Live-Tracks voller Kraft und Spielfreude enthält die Platte. 80er-Jahre-Songs wie „The Beat(en) Generation“, „This Is The Day“ oder „Uncertain Smile“ sind hervorragend gealtert – vielleicht geben sie dem inzwischen 60 Jahre alten Musiker ja den entscheidenden Schub für ein Spätwerk.

Ursprünglich sollte das „The Comeback Special“ schon 2019 erscheinen, aber Corona sei Dank hat Johnson sich mehr Zeit nehmen können. So gibt es jetzt neben dem Konzertfilm auch noch ein Coffee-Table-Book dazu. Dem Glide-Magazine sagte der Sänger: „Ich habe versucht, neue Versionen der Songs zu machen, ohne ihre Seele zu stören. Ich wollte, dass sie sich frisch und zeitgemäß anfühlen.“ Eine gute Übung, um ein echtes Comeback zu starten.

(dpa-infocom/KT)