Samstag, 15. Dezember 2018 13:45 Uhr

„The toten Crackhuren im Kofferraum“ über Seehofer und das F-Wort

Wenn es einen Preis für den wohl ungewöhnlichsten Bandnamen geben würde, dann ginge der definitiv an Lulu, Doreen,  Kristeenager und Ilay: Zusammen nennen sie sich nämlich The toten Crackhuren im Kofferraum. Nach einer kurzen Verschnaufpause melden sich die Damen mit einer neuen Platte zurück, die den zauberhaften Titel „Bitchlifecrisis“ trägt und am 1. Februar auf den Markt kommt.

The toten Crackhuren im Kofferraum über das Jobcenter, Seehofer und Familie

Foto: Jonathan Göpfert

Wie ist dieser Name Zustande gekommen?
Wie der Name genau zustande gekommen ist, kann ich dir leider nicht mehr sagen. Nur so viel: Es war eine sehr Rotweingeschwängerte Nacht. Am nächsten Tag war der Name da und wir haben ihn einfach behalten. That’s the Story.

Wie sind die Reaktionen auf den Namen?
Die meisten Menschen haben sich mittlerweile an den Namen gewöhnt. Viele Männer finden das voll lustig und fragen, ob sie einen „Crackhure“ nennen dürfen. Wenn man dann ‚Ja‘ sagt, dann freuen die sich wie kleine Kinder. Wir nehmen das aber nicht so ernst, denn es war von vornherein klar, dass man sich viel dummen Scheiß anhören muss, wenn man sich so nennt. Das ist Ok und wir können das ab.

Ihr wart gefühlt jetzt länger weg vom Fenster. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
In der Zwischenzeit haben wir studiert und gearbeitet und uns auch einfach mal Zeit zum Abschalten gegönnt. Wir waren zeitweilig ja mal 7-8 Mädchen und da gab es teilweise schon ein bisschen Stress. Da braucht man halt irgendwann ein bisschen Urlaub, damit man auch kreativ sein kann. Manche haben Kinder bekommen, manche sind umgezogen. Wir waren dennoch viel unterwegs und haben viel live gespielt, obwohl jetzt nichts Neues kam.

Quelle: instagram.com

Eine eurer ehemaligen Mitglieder ist Nura von SXTN
Stimmt … (schweigen)

Ist das gerade ein feindseliges Schweigen?
Nein, aber wir haben dazu einfach nichts zu sagen. Schönen Gruß auch.

Also, alles gut? Keine Morddrohungen oder ähnliches?
Nein. Mit Mord wurde noch nicht gedroht und es sind auch keine Anwälte eingeschaltet. Es ist alles cool.

Auf eurem neuen Album ist ein Song namens „Jobcenter Fot*en“. Wie kam es denn zu dem Track?
Mit „Jobcenter Fot*en“ sind nicht die Leute gemeint, die allgemein beim Jobcenter arbeiten, sondern es gibt halt Fot*en, die beim Jobcenter arbeiten. Die könnten auch beim Kaufland arbeiten. Es gibt überall Fot*en. Es geht aber um die, die beim Jobcenter arbeiten.

Ich hatte ein Erlebnis, Doreen hatte ein Erlebnis und wir haben auch viele Freunde, die von unschönen Erlebnissen mit dem Jobcenter erzählen. Ich habe mal sechs Monate lang Hartz IV bezogen und dass war halt keine schöne Zeit. Ich habe jetzt nicht Highlife gemacht und gedacht: „Geil, Kohle!“ – Ich meine das, was du da kriegst, ist Existenzminimum. Aber ich musste mir da viele Ansagen gefallen lassen und ich wurde tatsächlich zweimal sanktioniert. Meiner Meinung nach zu Unrecht und das war einfach ein Scheißgefühl und darum geht es in dem Lied.

Wären wir gerade in einer Ami-Talkshow, dann hätte ich von diesem Zensurpiepsen jetzt einen Tinitus – Du hast bestimmt vier mal Fot*e in nicht mal einer Minute gesagt. (lacht)

Sorry, aber das ist mittlerweile ein ganz normales Wort im Life und ich finde das Wort voll in Ordnung. Früher war Fot*e fast das schlimmste Wort, das es gab, weil ich das immer auf Frauen bezogen habe. Für mich ist eine Fot*e, eine Person, die hinterfotzig und gemein ist – unabhängig vom Geschlecht. Deswegen spielt im Video die Jobcenterfot*e ein Mann. Das war uns auch wichtig, dass das nicht so in Verbindung gebracht wird.

The toten Crackhuren im Kofferraum über das Jobcenter, Seehofer und Familie

Foto: Jonathan Göpfert

Einige Leute unterstellen euch aber auch, dass ihr mit der inflationären Nutzung des Wort „Fot*e“ auf den SXTN-Zug mitaufspringt …
Warum? Das Wort gibt es doch schon ewig und weil SXTN jetzt zufällig Frauen sind und das Wort Fot*e benutzen, heißt das noch lange nicht, dass wir das Gleiche machen. Das sehen wir nicht so. Das hatte keine von uns so bedacht. Der Text ist übrigens von 2014 oder 2015 und da war „Fot*en im Club“ noch gar nicht draußen.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn ihr mit euren Eltern das Album anhört?
Ich glaube, meine Mama kennt noch nicht so viel vom neuen Album. Ich habe ihr aber kürzlich „Crackhu*ensöhne“ geschickt. Da geht es inhaltlich darum, dass ich keine Kinder möchte. Also, dass meine Mutter keine Enkel bekommt. Da war sie glaube ich schon ein bisschen geschockt. Aber grundsätzlich findet sie alles cool, was ich so mache. Natürlich mag sie das Wort „Fot*e“ auch nicht so gerne und fragt, ob das denn sein muss. Aber daran gewöhne ich sie noch. (lacht)

Quelle: instagram.com

Grölt dann bei einer Familienfeier nach drei Bier die ganze Family mit?
Bei „Jobcenterfot*en“ eher nicht. Wobei mein 10-jähriger Cousin war mal in mich verliebt, weil er dachte ich sei ein Youtube-Star. Er hat bei Youtube mal das Video und mich darin gesehen. (lacht)

Manchmal ist es unangenehm, wenn meine Mutter in der ersten Reihe mit einem viel zu engen Merch-Shirt steht und das voll abfeiert. Unsere Eltern machen sich gar nicht so große Gedanken drüber, die finden das eigentlich ganz schön, weil sie wissen, dass wir das gerne machen. Die sind schon stolz auf mich.

Meine Mutti weiß gar nicht, dass ich eine Crackhure bin. (lacht)

Wer ist denn das „Arschloch des Jahres“?
Eigentlich mehrere Politiker, aber Horst Seehofer ist definitiv weit oben.

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