Montag, 2. Dezember 2013 17:20 Uhr

Thea Hjelmend spielt mit Kaffeetasse und Stuhl oder auf dem Klo

Eine Katze hat neun Leben. Die norwegische Sängerin Thea Hjelmeland hat mindestens zwölf. Es ist ja eigentlich nicht zu fassen, wie viel großartige Musik aus einem verhältnismäßig bevölkerungsarmen Land wie Norwegen kommt.

Thea Hjelmend spielt mit Kaffeetasse und Stuhl oder auf dem Klo

Pop-Ikonen wie A-Ha oder Ane Brun, Rock-Heroen wie Motorpsycho, Madrugada oder Kaisers Orchestra sowie Jazzgrößen wie Jan Garbarek, Nils Petter Molvaer und Marius Neseth bilden nur die Speerspitze einer äußerst vitalen Musikszene, für die Genregrenzen nicht existieren und der Horizont bestenfalls der Ausgangspunkt fu?r neue Perspektiven ist. Die norwegische Sängerin und Songschreiberin Thea Hjelmeland verkörpert diese Offenheit nun auf ganz ungewöhnliche Weise.

Thea Hjelmelands Debütalbum trägt den Titel „Oh, The Third“. Es ist nicht nur schwer zu glauben, dass es sich bei dieser uüberaus komplett wirkenden Song- Sammlung um ein Debütalbum handelt, die CD klingt zugleich wie eine Compilation, die sich auf verschiedenste Lebensabschnitte und Haltungen bezieht.

Thea Hjelmend spielt mit Kaffeetasse und Stuhl oder auf dem Klo

In manchen Stücken klingt die nordische Chanteuse stark, selbstbestimmt und autark, in anderen unschuldig und verletzbar, einige Stu?cke sind präzise modellierte Pop-Songs, andere stehen eher für eine der Folkore oder dem Alternative Rock abgelauschte Beiläufigkeit. Allen gemeinsam sind ihre Intensität und Eindringlichkeit. Obwohl „Oh, The Third“ tatsächlich in einem Rutsch aufgenommen wurde, deckt die CD doch mehr als ein halbes Lebensjahrzehnt der jungen Künstlerin ab. „Diese Songs sind über einen langen Zeitraum entstanden“, bestätigt Thea Hjelmeland. „Die ersten schrieb ich mit 16, die ju?ngeren mit 22. In diesen Jahren habe ich nicht nur sehr unterschiedliche Lebensphasen durchlebt, sondern mich auch auf vielen Instrumenten ausprobiert, die mich in verschiedene Richtungen führten. Ich hatte immer Angst, musikalisch einzurasten. Mir reichte es deshalb völlig aus, dass all diese Songs von mir kommen, um meine Identität zu spüren.“

Manche dieser Lieder erzählen Geschichten, die sich direkt aufs Leben ihrer Schöpferin beziehen, einige geben aber auch Beobachtungen wieder, die Thea Hjelmeland bei anderen gemacht hat. Sie lässt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden instrumentalen und vokalen Mitteln auf die jeweilige Atmosphäre ein, die der Song vorgibt. „Ich bin immer wieder überrascht, wenn mir jemand sagt, dass sich meine Stimme von Song zu Song so sehr verändert. Ich singe einfach und gebe dem Song die Temperatur, die er braucht. So geht es mir mit allen Komponenten der Musik. Man muss ein Schlagzeug nicht unbedingt immer als Trommel wahrnehmen, sondern kann es auch als Klang, der gut mit allen anderen Klängen eines Songs harmoniert, hören.“

Dabei greift Thea Hjelmeland nicht nur auf reguläre Instrumente zurück, sondern bringt auch Spielzeug und Alltagsgegenstände zu Gehör. „Die Instrumente kann ich präzise kalkulieren, aber ich finde es viel spannender, auf das Holz einer Tür zu pochen, einen Stuhl hin und her zu schieben oder die Kaffeetasse auf den Tisch zu klopfen, um zu sehen, welchen Sound das ergibt. In einem Song spielen wir Heizung und Klo. Auf der Toilette hat man so einen fantastischen natürlichen Hall. Klänge werden ja nicht nur von Instrumenten erzeugt.“

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