Montag, 9. Dezember 2013 17:21 Uhr

Thomas D: Alles über sein neues Album zum Phantom Tommy Blank

Thomas D von den ‚Fantastischen Vier‘ veröffentlicht am 20. Dzember das neue Werk „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ über ein Phantom-Musiker, von dem kein Mensch bis dato je was gehört hatte…

Thomas D: Alles über sein neues Album zum Phantom Tommy Blank

Zu den Stars des hochkarätig besetzten Albums gehören: Moses Pelham, Samy Deluxe, Kaas (Die Orsons), Herbert Grönemeyer, Cäthe, Nicolas Müller (Jupiter Jones), Maxim, Chefket, Alin Coen, Afrob und Haudegen. Gerade hatte die zweite Single aus Thomas D’s neuen Album Videopremiere: „Erfolg is a Bitch“ feat. Nicholas Müller von Jupiter Jones.

Der geneigten Leserschaft wollen wir den „Ein Erklärungsversuch von Thomas D“ nicht vorenthalten!

„Wo soll ich anfangen? Ich erinnere mich noch genau an den Tag als ich Tommy das erste Mal traf. Es war auf einem Hip Hop Festival im Backstage. Irgendjemand hat uns vorgestellt. Es waren ja jede Menge Kollegen da und alle schienen den Typen zu kennen. Er sah mich kurz an mit seinen glasklaren, wachen und etwas irren Augen und sagte nur „TD, TB“, und lief einfach weiter. Später hörte ich ihn zum ersten Mal rappen, Er gab eine spontane Freestyte Jam und ich dachte nur: Hey, das ist der authentischste Rapper, den ich je gehört und gesehen hab. Tommy hatte eine wahnsinnig direkte Art, absolut kompromisslos, immer geradewegs zum Punkt, wahrscheinlich hat ihn das am Ende auch das Leben gekostet, aber der Reihe nach…“

„Seltsamerweise gab es keine Platten oder Videos von ihm, man konnte ihn nur live erleben und als ich ihn einmal fragte warum er nichts von seinen Sachen aufnimmt und veröffentlicht, sagte er nur: „Soweit sind die Leute noch nicht. Darauf würden die Wenigsten klarkommen“. Er erzählte mir die Geschichte von Robert Oppenheimer, zu dem sein Kollege nach Erfindung und erstem Test der Atombombe sagte „Von nun an sind wir Hurensöhne“. Damals hab ich noch nicht kapiert, was er mir damit sagen wollte…

Es waren so ziemlich alle hinter ihm her, Verlage und Plattenfirmen wollten ihn unter Vertrag nehmen, aber er erschien zu keinem Termin, war plötzlich wieder für Wochen unauffindbar. Er gab keine Interviews und keine Autogramme. „Das ist alles nur Show“, sagte er. Trotzdem waren die Leute verrückt nach ihm, jeder seiner Auftritte wurde frenetisch bejubelt und es war jedes mal ein ganz besonderes Erlebnis, ihn auf der Bühne zu sehen, für manche sogar wie ein Schock.

Thomas D: Alles über sein neues Album zum Phantom Tommy Blank

Tommy war wie ein Phantom, keiner wusste, wo der Typ wohnte. Ich weiss nicht mal ob er überhaupt ein Handy hatte, und wenn, dann kannte niemand seine Nummer. Aber wenn er irgendwo auftauchte, stand er sofort im Mittelpunkt des Geschehens. Er hatte so eine ganz besondere Aura, nach einem Konzert kam mal ein betrunkener Typ daher und fing an zu randalieren und wahllos Leute zu verprügeln. Als er Tommy gegenüber stand, genügte ein einziger Blick, nur ein einziger Moment und der Kerl verzog sich kleinlaut. Werd ich nie vergessen…

Natürlich war Tommy in jeder Beziehung extrem. Ich glaube er nahm alle Drogen dieser Welt, er trank, in seinem Bus war alles voller Flaschen, er war exzessiv und zerrissen. Mit der Begeisterung der Leute für seine Musik und dem Hype um seine Person konnte er nichts anfangen. Auch die vielen Frauen, die sich ihm an den Hals werfen wollten, lies er oft einfach links liegen. Ich glaube, das er irgendwo eine Familie hatte, denn machmal gab er mir Geld und bat mich, es auf ein Konto zu überweisen. Er wollte aber nicht darüber reden, und wenn Tommy etwas nicht wollte, war es sinnlos nachzuhaken. Er war ein Einzelgänger, obwohl er den Leute so viel geben konnte. Einmal wäre er fast gestorben, ich glaube es war eine Überdosis von irgendwas. Aber er stand immer wieder auf, und gab sofort wieder Vollgas, immer am Limit, so war sein Leben. Es schien, das der Ruhm und die Anerkennung der Anderen Segen und Fluch für ihn war. „Vergiss nie, Erfolg ia a bitch“ sagte er einmal zu mir.

Eines Tages stand ich auf meinem Hof in der Eifel und ein riesiges gelbes Etwas kam querfeldein über die Wiese auf mich zugerast. Es war ein amerikanischer Schulbus, am Steuer sass Tommy. Er sah aus als ob der Teufel hinter ihm her wäre, rammte direkt durch das Gattertor und riss dabei den halben Zaun ein. „Hey TDissooo, ich dachte ich schau mal vorbei hier, ich glaube hier finden sie mich nicht“ sagte er trocken. Der Schulbus war sein Wohnmobil, in dem er wohl schon länger lebte. Wir sprachen tage- und nächtelang über Gott und die Welt. Wir kamen uns sehr nahe, wurden wie Brüder. „Wir kennen uns in Wirklichkeit schon länger“ sagte er, „das hier ist Schicksal“.

Es gab von ihm nichts geschriebenes, entweder hatte er alle seine Texte im Kopf oder sie kamen spontan. „Ich muss das nicht aufschreiben, Mann“ sagte er, „das kommt alles von selbst“. Also fing ich an seine Sachen in ein Textbuch zu schreiben. Lass uns ein Album machen“, sagte ich „die Leute müssen dein Zeug hören“. Er lachte. „Wenn du meinst das das was ändert“. Farhot kam vorbei aus Hamburg, Mitch aus Wien und wir suchten zusammen nach den richtigen Beats. Tommy sagte mir, wen er auf der Platte dabei haben wollte. Er wusste genau wer welchen Refrain singen sollte und welche Rapper er sich wünschte.

Thomas D: Alles über sein neues Album zum Phantom Tommy Blank

Also fing ich an zu telefonieren und zu koordinieren. Alle sagten sofort ja, und jeder hatte etwas beizusteuern, seine eigene Geschichte mit Tommy Blank. Nicht nur schön, aber immer intensiv. Endlich kam alles zusammen, so wie es sein sollte, dachte ich… Eines Morgens war er weg und nur das Textbuch mit seinen Versen lag noch in der Küche. Es war ein paar Tage, bevor wir anfangen wollten, die Raps aufzunehmen. Als ich zum Studio hoch ging und dort kein Wohnmobil mehr sah, wusste ich irgendwie, das es diesmal für immer war…

Ein paar Wochen später kam dann dieser seltsame Anruf von der Polizei. Sie hätten einen Bus gefunden an der russischen Grenze in Polen und auf der Frontscheibe war meine Telefonnummer aufgekritzelt. Keine Spur von Tommy, nur sein ganzer Krempel war noch da, der Baseballschläger, sein Personalausweis, ein Reiseführer von Südamerika und seine Kappe, die er immer getragen hatte. Ich durfte den Bus mitnehmen, man ging erstmal davon aus, das er wiederkommen würde. Aber seitdem hat niemand Tommy gesehen oder gehört und alles was mir bis heute geblieben ist, ist dieser Bus und die Texte die ich von ihm aufgeschrieben habe. Ich fürchte,er wird nie wieder kommen, jedenfalls nicht als die Person die wir kannten. Und so haben wir dieses Album gemacht, mit Tommy und für Tommy und für alle die es hören mögen. Danke Moses, Samy, Herbert, Alin, Kaas, Nicki, Cäthe, Maxim, Hagen, Sven, Chefket, Afrob und die Jungs von Exclusive und Farhot und Mitch, danke, das ihr alle dabei wart und mir damit auch irgendwie geholfen habt, das alles zu verarbeiten. Ruhe in Frieden Tommy, Rest in Peace!“

Fotos: Christoph Köstlin

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