24.07.2020 22:07 Uhr

Tim Bendzko: Versuchskaninchen der weltweit ersten Show-Coronastudie

Am 22. August wird Popstar Tim Bendzko Teil einer bisher weltweit einzigartigen Konzert-Studie. Unter dem Titel „Restart-19“ will die Uniklinik Halle die Verbreitungswege des Coronavirus beobachten, um sie für spätere Kulturveranstaltungen berechnen zu können.

imago images / Future Image

Bendzko spielt dabei in der Arena in Leipzig drei Konzerte in verschiedenen Sicherheitsszenarien. Dafür werden derzeit 4000 gesunde Freiwillige zwischen 18 und 50 Jahren gesucht.

„Alle Maßnahmen, die bis jetzt ergriffen wurden, auch gerade in Bezug auf Konzerte und Großveranstaltungen, beruhen auf Annahmen und Vermutungen. Und was könnte mehr helfen als Fakten und entsprechende Daten?“, so der 35-Jährige im Interview mit dem Radiosender MDR JUMP.

Tim Bendzko wird zum Versuchskaninchen einer Live-Coronastudie

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Tourneen dürfen nicht mehr verschoben werden

Er selbst habe seine Tour auf Januar 2021 schieben müssen. Eine nochmalige Verschiebung wäre laut Bendzko eine Katastrophe, da man dann kaum noch Crewmitglieder für die Konzertproduktion finden würde. „An dem Tag, an dem es dann weiter geht, wird es dann ein Hauen und Stechen geben, weil sich dann wahrscheinlich viele umorientiert haben und einfach anderen Berufen nachgehen. Weil alle Familien haben und ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Und dann aus der Sicherheit wieder in die Unsicherheit zurückzugehen, stelle ich mir persönlich ein bisschen schwierig vor.“

Das gelte für alle, die im Hintergrund bei den Konzerten arbeiten, aber auch für Managements und Veranstalter.

Soll Helene Fischer vor 1000 Leuten spielen?

Dass es an einem effektiven Förderprogramm für die Kulturbranche mangelt, ist für Bendzko unverständlich. Dazu sagte der Berliner Popstar in dem Interview: „Frei nach dem Motto: Kultur ist nicht systemrelevant! Was abwegiger gar nicht sein könnte, weil die Geschichte gezeigt hat, dass in schweren Zeiten Kultur umso wichtiger wird für die Leute. Und ich hoffe, dass das Erwachen schnellstmöglich passiert. Sonst wird es da sehr viele Insolvenzen geben.“

Quelle: instagram.com

Der Aufwand rechnet sich nur bei Zehntausenden

Auch die bisherigen Modelle für um die 1000 Konzertbesucher seien absolut nicht praktikabel. „Eine Helene Fischer, ein Peter Maffay oder ein Udo Lindenberg – wenn die jetzt Konzerte für tausend Leute spielen sollten, dann könnten die das in der Theorie tun… mit einem Instrument. Aber wenn die da mit der ganzen Band auftauchen und mit der ganzen Bühne, ist das einfach nicht wirtschaftlich. Und ,nicht wirtschaftlich‘ heißt nicht, dass die sich dann nicht bereichern, sondern, dass sie draufzahlen!“

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