Top News
Mittwoch, 8. Mai 2019 22:40 Uhr

„Von Wegen Lisbeth“: Frischer Indiepop-Sound aus Berlin

Foto: Marian Lenhard

Ein Abrissunternehmen, ein stinkender Bahnhof und der Dönerladen um die Ecke. Auf dem neuen Album von Von Wegen Lisbeth geht es um Alltägliches – und um die großen Themen im Leben: Liebe und Politik.

Foto: Marian Lenhard

Die Berliner Indiepop-Band Von Wegen Lisbeth ist für ihren außergewöhnlichen Stil und clevere Wortwitze bekannt. Mit ihrem zweiten Album „sweetlilly93@hotmail.com“ bleibt die Band sich treu und schafft mit Liedern über Liebe und Alltägliches ein klassisches Popalbum.

Mit Punk und Ska fing es an

Schon zu Schulzeiten begannen die fünf Berliner Jungs, gemeinsam Musik zu machen. Unter anderem Namen spielten sie zunächst keinen Pop, sondern Punk und Ska. Schon damals testeten die experimentierfreudigen Musiker skurrile Instrumente aus, die auch heute noch ihren Stil prägen. So etwa das Omnichord, das Frontsänger Matthias Rohde als „Gameboyharfe“ beschreibt.

Während die junge Band in den Anfängen „vor fünf Leuten und drei Hunden gespielt“ hat, wie Rohde es ausdrückt, sind ihre Konzerte heute innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Als Supportband für AnnenMayKantereit und Element of Crime erlangten die Lisbeths auch außerhalb der Hauptstadt an Bekanntheit, bis dann mit dem ersten Album „Grande“ der große Durchbruch kam.

„Irgendwann nachdem ‚Grande‘ rauskam, haben wir auf einem Festival gespielt“, sagt Rohde. „Und auf einmal haben die Leute da mitgesungen. Also alles. Da waren wir so: Was ist denn hier los? Da kamen wir gar nicht drauf klar. Das ist jetzt sehr oft so und das ist sehr schön. Da haben wir aber auch für uns gemerkt: okay unsere Musik interessiert ja doch ein paar mehr Leute als nur uns und unsere Freunde.“

Neues synthielastiges Album

An ihren Debüterfolg schließen Von Wegen Lisbeth nun mit einer Mischung an, die typisch und frisch zugleich ist. Schon der Titel „sweetlilly93@hotmail.com“ verrät, dass die Berliner sich nicht daran stören, anzuecken. Auch ihre 13 Songs sind voll von Wortwitzen und zweideutigen Kommentaren, die einen auch beim erneuten Hören immer noch etwas Neues entdecken lassen. Die titelgebende Mailadresse gibt es wirklich. Die Band hat sie sich zugelegt.

Foto: Marian Lenhard

Thematisch gehen die Lisbeths vor allem die kleinen Themen des Alltags an: Sie besingen ein Abrissunternehmen, einen stinkenden Bahnhof und den Dönerladen um die Ecke. Dabei schwingen immer auch wieder politische Botschaften und Gesellschaftskritik in ihren Texten mit. So erzählen die Berliner von Hass im Internet, kritisieren die Lethargie der Jugend und positionieren sich gegen die AfD: „Warum ist die AfD immer noch da, obwohl ich heut‘ beim Yoga war?“ Ihr wichtigstes Stilmittel bleibt dabei die Ironie.

Erinnerungen an 80er-Jahre-Sound

Im Gegensatz zu ihrem Debütalbum zeigt sich „sweetlilly93@hotmail.com“ allerdings etwas nachdenklicher und melancholischer. Bei „Plattentests.de“ stellen die Kritiker fest: „Die Melodien sind weniger spaßwillig, die Themen werden dafür aber ein wenig ernster dargestellt.“ Während viele der politischen Botschaften in den schwungvollen Liedern mit Synthiesound eingebettet sind, zeigen sich die Liebeslieder weniger beschwingt und sind voller Verletztheit, Enttäuschung und Sehnsucht.

In „Am wenigsten zu sagen“ beklagen die Lisbeths: „Ich hab da, wo ich am meisten fühl‘, am wenigsten zu sagen“, und fragen „Geht’s nur mir so oder schweigen wir zu laut?“. Ihre Texte wirken ehrlich und emotional und bieten so jede Menge Identifikationspotenzial. So auch „Alle 11 Minuten“, in dem Frontsänger Rohde über vergangene Liebe singt: „Langsam ist’s wirklich schon viel zu lang‘ her, du fehlst mir nicht mehr“.

Auch musikalisch bleibt Von Wegen Lisbeth sich auf „sweetlilly93@hotmail.com“ treu. Die Synthesizer treten dieses Mal aber etwas stärker in den Vordergrund und das Album ist leicht vom Sound der 80er Jahre geprägt. So schafft es „sweetlilly93@hotmail.com“ trotz teils ernster Themen und melancholischer Töne, gute Laune zu machen und zum Tanzen einzuladen. (Rachel Boßmeyer, dpa)

Foto: SonyMusic

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren