Was nun, Thomas Anders? In Russland hat er eine große Fanbase …

dpadpa | 04.03.2022, 14:21 Uhr
Thomas Anders Russland
Thomas Anders Russland

IMAGO / STAR-MEDIA

Der Sänger hat seine geplante Konzertreise aufgrund der aktuellen Lage durch Russland und die Ukraine verschoben. Er warnt aber davor, Menschen mit russischen Wurzeln zu stigmatisieren.

Sänger Thomas Anders, der seit seiner Zeit mit Modern Talking eine große Anhängerschaft in Russland hat, verstören die Bilder aus dem ukrainischen Kriegsgebiet. „Es ist für mich unvorstellbar, und ich bin fassungslos“, sagte Anders der Deutschen Presse-Agentur.

Tour durch Russland und Ukraine verschoben

Eine für die kommenden Wochen geplante Konzertreise durch Russland und die Ukraine habe er verschoben. Der 59-Jährige warnt gleichzeitig davor, Menschen mit russischen Wurzeln in Deutschland zu stigmatisieren.

„Wir müssen in uns gehen. Es ist doch nicht die russische Bevölkerung, die den Krieg möchte. Die Ukraine ist ein Brudervolk. Fast alle Russen, die ich kenne, haben Verwandte oder Freunde in der Ukraine und umgekehrt.“

Es sei für ihn ebenfalls falsch, russische Künstlerinnen und Künstler unter Generalverdacht zu stellen und ihre Auftritte abzusagen. Er wolle in Zukunft auch wieder in Russland auftreten.

Weltstar Anna Netrebko stürzt über Putin: Auch die New Yorker Oper reagiert

Der Musiker weiter: „Ich singe für die Bevölkerung, die es verdient hat, unterhalten zu werden, und nicht für die Politik. Ich finde sogar, man muss es machen. Das ist ein Austausch der Kulturen.“ Die Feindseligkeit, die sich momentan aufbaue, könne dadurch entspannt werden, erklärte Anders weiter.




Wie Thomas Anders in Russland zum Superstar wurde

2018 sprach Thomas Anders über den Erfolg von Modern Talking und auch den großen Erfolg als Solokünstler in Russland. Die Erklärung war einfach: Er habe einfach das Glück gehabt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, sagte der heute 59-Jährige gegenüber „Focus“.

„Alles hängt mit Gorbatschow zusammen, er war ja ein sehr westlicher russischer Präsident. Er hat damals gemerkt, dass das System kollabiert und man sich gegenüber dem Westen öffnen muss. In Russland hätten die Menschen natürlich nie öffentlich aufbegehrt, aber sie standen im Supermarkt nun einmal vor leeren Regalen, im ganzen Land hat sich eine gewisse Unzufriedenheit breit gemacht. Die Russen sind nicht ins Rebellentum geflüchtet, das wäre in der Sowjetunion fatal gewesen. Aber Gorbatschow hat diese schlechte Stimmung zur richtigen Zeit bemerkt.“

„Wir hatten keine politischen Texte“

Der einstige Staatschef hatte sein Reich politisch und wirtschaftlich gegenüber dem Westen geöffnet. „Westliche Musik gab es sonst ja nur unter der Ladentheke. Und Ende der 80er Jahre waren wir mit ‚Modern Talking‘ die Nummer Eins in den europäischen Charts.“

„Was wichtig war: wir haben keine politischen Texte gesungen. Die russische Plattenfirma hat sich dann eine entsprechende Lizenz für unsere Songs gekauft. Es wurde weiter nicht groß monetär vergütet, aber wir haben allein in Russland 100 Millionen Tonträger verkauft.“