Montag, 3. September 2018 09:37 Uhr

„Wir sind mehr“: Was passiert da heute Abend in Chemnitz?

Andreas Frege (Campino) von den Toten Hosen. Foto: WENN.com

Nicht nur ostdeutschen Musikern wie Kraftklub, Clueso oder Sebastian Krumbiegel machen die ausländerfeindlichen Krawalle in Chemnitz Sorgen. Selbst die irischen Rockgrößen von U2 äußern sich. Am Montagabend wollen Künstler unter dem Motto „Wir sind mehr“ gegen Rechts ansingen. Sind das wieder die üblichen Promi-Absichtserklärungen und das war’s dann?

"Wir sind mehr": Was passiert da heute Abend in Chemnitz?

Andreas Frege (Campino) von den Toten Hosen. Foto: WENN.com

Die fremdenfeindlichen Krawalle in Chemnitz beschäftigen viele Popstars und Musiker – und zwar nicht nur deutsche. Die irischen Rockgrößen U2 fanden zum Auftakt ihrer Europatour in Berlin am Freitagabend deutliche Worte. Künstler wie Sebastian Krumbiegel, BAP oder Clueso rufen dazu auf, sich gegen Rechts zu stellen.

Für heute Abend ist ein Gratis-Konzert in Chemnitz geplant: Die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet wollen in der sächsischen Stadt unter dem Motto „wirsindmehr“ ein Zeichen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt setzen.

Nicht jeder ist ein Freund dieser Bühnen.Initiative. So sagte Kabarettist Serdar Somuncu („Mein Kampf“) dazu am Sonntagabend in der Show von Anne Will: „Dann rülpst Udo Lindenberg wieder ‚Nazis raus!‘ ins Mikrofon, und wir glauben, wir haben das strukturelle Problem gelöst.“

Auch Bono mischte sich ein

Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel rief im Deutschlandfunk dazu auf, sich klar gegen Rechts zu stellen: „Liebe Leute, bitte, bitte, bitte: Zeigt auf der Straße, dass wir nach wie vor die Mehrheit sind.“ Der gebürtige Leipziger sagte am Sonntag: „Ich glaube, dass jeder Mensch – egal, ob er ein Künstler ist oder ich sag jetzt mal ein ganz normaler Mensch ist, ober er ein Taxifahrer ist, ob er im Büro arbeitet oder an der Kasse sitzt: Er sollte sich jetzt positionieren.“ Für Menschen, die nach wie vor mit Pegida, der AfD, populistischen oder rechtspopulistischen Strömungen sympathisierten, habe er null Verständnis.

Quelle: instagram.com

Ähnlich äußerte sich der Frontmann der irischen Rockband U2. Sänger Bono rief am Freitagabend mehr als 14 000 Fans in der Berliner Mercedes Benz Arena zu: „Solche Leute gehören nicht zu Europa und diesem Land“, erklärte der 58 Jahre alte Sänger beim Konzert der Band. Während der Show der vier Musiker tauchte plötzlich der Slogan „#wirsindmehr“ auf dem riesigen Bühnen-Bildschirm auf. Die Menge applaudierte und jubelte.

Klare Grenzen setzen

„Ich wünsche mir, dass wir alle wieder zusammenfinden, auf einen Grundkonsens kommen, zu einer Haltung, einem gemeinsamen Verständnis, das uns alle, die wir hier leben, verbindet“, sagte der aus Erfurt stammende Sänger Clueso (38) der „Welt am Sonntag“. „Aber jetzt und hier müssen wir klare Grenzen ziehen und „Nein“ sagen zu Rassismus und Gewalt.“ Demokratie sei auch Arbeit, „viel Arbeit an etwas, das immens wichtig ist und uns alle zusammenhält“.

Quelle: instagram.com

Die Kölner Band BAP postete auf ihrer Homepage Werbung für das geplante Konzert in Chemnitz und stellte dazu einen Song, in dem es heißt: „Wie wär es, wenn du dem Blaumann jetzt sagst, dass du Rassistensprüche gar nicht verträgst?“

In Chemnitz gibt es seit Tagen fremdenfeindliche Demos und Gegenproteste. Auslöser war der Tod eines 35 Jahre alten Deutschen, der am 26. August bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden war. Zwei Begleiter wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft. (dpa/KT)

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