18.02.2020 21:38 Uhr

Greta Thunberg: Schwester Beata strebt auch auf die große Bühne

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Nicht viele 14-jährige können das, was Beata Ernman mit ihrer Stimme anstellt. Schon bald stellt sie ihr Gesangstalent in Stockholm als junge Édith Piaf unter Beweis – an der Seite ihrer als Opernsängerin bekannten Mutter Marlena Ernman.

Doch die zwei Damen sind nicht die einzigen bekannten Gesichter der Familie – Sowohl Vater Svante, als auch die Großeltern Olof und Mona kennt man in Schweden durchaus aus Film und Fernsehen. Ach so und auch Beatas Schwester kennt man wohl und das weltweit, denn die ist niemand geringeres als Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Greta Thunberg: Kleine Schwester Beata strebt auf die Bühne

Greta Thunberg (r) undSchwester Beata Ernman (l) bei einer „Fridays for Future“-Demo.Foto: Henrik Montgomery/TT News Agency/AP/dpa

Mehr als „die Schwester von …“

Die Schwestern Greta Thunberg und Beata Ernman verbindet Vieles: von der Liebe zu den Familienhunden über gemeinsame Kindheitserinnerungen bis hin zu manch schwermütigem Moment. Bis 2019 verbrachten sie jeden tag gemeinsam und dann trennte die beiden jungen Schwedinnen plötzlich für Monate ein riesiger Ozean. Während die 17-jährige mit Vater Svante im Kampf gegen die Klimakrise nach Amerika reiste, blieb die Stimmgewalt mit Mutter Malena, sowie den Hunden Roxy und Moses daheim in Stockholm. Neben der Schule bastelte sie dort auch an der eigenen Musikkarriere.

Doch der lange Verzicht aufeinander hat sich wohl gelohnt, denn herausgekommen ist auf beiden Seiten des Atlantiks ganz Erstaunliches. Der Einsatz des blonden Mädchens für das Klima und eine bessere Welt ist bekannt. Die Umweltaktivistin hat mit ihrem ‚Schulstreik fürs Klima‘ die weltweite Klimabewegung ‚Fridays for Future‘ losgetreten und so Millionen Menschen zum Protest für mehr Klimaschutz inspiriert. Die rund zwei Jahre jüngere Beata galt bislang vor allem als „die Schwester von…“ – doch das soll sich in diesem Jahr ändern.

Beata als junge Édith Piaf

Am 19. September feiert das Musical ‚Forever Piaf‘ in einem Theaterhaus in Stockholm große Premiere – In der Hauptrolle: Beata Ernman. Bis Ende November ist Greta Thunbergs kleine Schwester dann als junge Édith Piaf zu sehen und zu hören – an der Seite ihrer Mutter, die die ältere Version der Piaf verkörpern wird. „So lange ich zurückdenken kann, habe ich getanzt und gesungen“, wird die angehende Sängerin in einer Mitteilung zum Musical zitiert. Die Musik von Édith Piaf habe ihre Kindheit begleitet, so Beata. „Dass ich ihre unsterbliche Musik aufführen darf, ist ein Traum, der in Erfüllung geht.“

Damit schlägt die 14-Jährige eine ähnliche Laufbahn ein, wie ihre Mutter Malena Ernman, die ist in Schweden nämlich als Opernsängerin bekannt, hat das Land, aus dem auch die Kultgruppe ‚ABBA‘ stammt, aber auch schon mal beim Eurovision Song Contest vertreten. Im Hause Ernman-Thunberg spielte Musik somit stets eine besondere Rolle, besonders für Beata. Und während der Klimakampf ihrer Schwester im vergangenen Jahr größer und größer wurde, veröffentlichte das Mädchen im Mai ihren Debütsong „Bara du vill“ (zu dt.: Wenn du nur willst). „So stolz auf meine supertalentierte Schwester“, schrieb Greta damals auf Instagram. Auf Spotify haben sich den Song bislang knapp 190 000 Menschen angehört.

Stimmgewaltig!

Schaut man den beiden Mädchen ins Gesicht, sind die Ähnlichkeiten der Schwestern nicht zu übersehen, von Beatas lockigeren Haaren einmal abgesehen. Ihre Stimmen sind dagegen grundverschieden: Während Greta Thunberg in der Regel leise und zurückhaltend spricht, verfügt Beata Ernman schon mit 14 über eine überaus kräftige Stimme. Das beweist unter anderem das von dem Stockholmer Theater veröffentlichte Video einer Gesangsprobe, in dem sie mit stark gerolltem R den Piaf-Klassiker „Non, je ne regrette rien“ (zu dt.: Nein, ich bereue nichts) schmettert.

Auf Instagram teilt die junge Schwedin fleißig spannende und spaßige Momente aus dem Leben einer Jugendlichen. Lustig war aber bei Weitem nicht alles in ihrer Kindheit, und das hat wie bei ihrer großen Schwester auch mit psychischen Erkrankungen zu tun. Als Kind hatte sie immer wieder plötzliche Wutanfälle, die ihre Mutter im Familienbuch „Szenen aus dem Herzen“ als „meltdowns“ – das lässt sich wohl am Besten mit Zusammenbrüche oder als Kernschmelze übersetzen – beschreibt.

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Schwere Zeiten

„Du blöde Schlampe!“ und noch Schlimmeres rief Beata ihrer Mutter entgegen – sie ist hochsensibel, ganz besonders bei Geräuschen. Alles muss oft mucksmäuschenstill sein, sonst explodiert das junge Mädchen. Es sind traurige Phasen, die die Familie gleich zweimal durchmachen muss: Erst ringen die Eltern um Gretas psychische wie physische Gesundheit, Beata erhält in dieser Zeit wenig Aufmerksamkeit und zieht sich zurück.

„Beata verschwindet in ihrem Zimmer, sobald sie von der Schule nach Hause kommt. Wir kriegen sie kaum zu Gesicht. Sie spürt unsere Unruhe und geht uns aus dem Weg“, beschreibt es ihre Mutter. Als es mit Greta schließlich aufwärts geht, fangen die Probleme von vorne an – dieses Mal bei Beata.

Greta Thunberg: Kleine Schwester Beata strebt auf die Bühne

Familie Ernman-Thunberg 2011; Foto: imago images / TT

„Ich dachte, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt“, so das Mädchen in einer Talkshow des schwedischen Senders TV4. Nach langen Untersuchungen wurden bei ihr letztlich ADHS mit Zügen des Asperger-Syndroms sowie Zwangsstörungen und Trotzverhalten diagnostiziert. Die klare Diagnose habe sie erleichtert, sagt Beata Ernman. „Das war wie eine Erklärung für alles.“
Ihre Mutter erkennt in dieser schweren Zeit aber noch etwas anderes. „Sie lebt und atmet Musik und Tanz“, schreibt sie in dem Buch weiter. Als Opernsängerin kenne sie niemanden mit einem besseren Gehör als sie selbst – „außer Beata“. Und dann schreibt sie noch diese zwei kleinen Sätze: „Jede Familie hat eine Heldin oder einen Held. Beata ist unsere Heldin.“

Von Steffen Trumpf (dpa/KT)