Donald Trump: Sein eigenes Twitter ist eine Pleite. Zum Glück!

Leni HübnerLeni Hübner | 09.03.2022, 20:41 Uhr
Donald Trump im Anzug mit roter Krawatte vor blauer Wand
Donald Trump im Anzug mit roter Krawatte vor blauer Wand

Foto: IMAGO/ ZUMA Wire

Nachdem Donald Trump bei Twitter gesperrt wurde, kündigte er an, selbst ein Netzwerk zu gründen. Das ist nun fertig, doch scheint „Truth Social“ in jeder Hinsicht ein riesiger Flop zu werden.

Als Donald Trump noch US-Präsident war, galt Twitter als sein liebstes Spielzeug. Hier konnte er hetzen und haten, er konnte Menschen gegeneinander aufbringen, Gerüchte über sogenannte Fake-News verbreiten und seine eigenen Wahrheiten hinausposaunen. Doch nach dem Sturm auf das Kapitol, zog Twitter die Reißleine und sperrte den Trump-Account.

Plattform für Volksverhetzer

Während offiziell noch immer nicht bewiesen ist, dass Donald Trump Menschen bewusst gegen die Demokratie aufgebracht hat – durch seine wiederkehrende Behauptung, die letzte Präsidentschaftswahl sei gefälscht gewesen, und durch seine Ankündigung, der Amtseinführung Joe Bidens fernzubleiben, weil er ihn nicht anerkennen will – ist sich die Mehrheit des Volkes einig: Donald Trump ist ein gefährlicher Volksverhetzer.

Twitter verbreitet Hoffung: Kleines Mädchen im ukrainischen Keller bewegt die Welt

„Twitter geht es nicht um Redefreiheit. Ihnen geht es nur darum, eine linksradikale Plattform zu fördern, auf der einige der bösartigsten Menschen der Welt frei sprechen dürfen“, ließ Trump damals noch über eine Pressemeldung des Weißen Hauses mitteilen.

Und er kündigte an, dass er sich nicht zum Schweigen bringen lassen werde. Schon bald werde er sein eigenes Netzwerk präsentieren.

Truth Social hat nichts mit Wahrheit zu tun

Das Ergebnis: Truth Social, eine Social-Media-Plattform, „die eine offene, freie und ehrliche globale Konversation fördert, ohne politische Ideologien zu diskriminieren“, heißt es auf der Webseite.

Allerdings scheint hier nichts zu funktionieren und so gehen Experten bereits zwei Wochen nach dem Launch davon aus, dass sich das Netzwerk nicht als Konkurrent zu Twitter und Co etablieren wird.

Sogar Donald Trump selbst schimpft laut über Truth Social, wie die Webseite The Daily Beast berichtet. So soll er sich über die bescheidene Optik beschwert haben und sich fragen, warum das verdammte Ding nicht sofort zu einem Hammererfolg wurde. Immerhin haben ihn ja 75 Millionen Amerikaner wiederwählen wollen, die sollen nun gefälligst Truth Social nutzen und in Trumps Kasse einzahlen – das ist gewiss die Trump-Logik dahinter.




Donald Trump lobt Wladimir Putin

Doch die gut 2 Millionen Visits, die das Netzwerk in den ersten Tagen verzeichnen konnte, sind rückläufig. Menschen, die sich direkt nach dem Launch anmelden wollten, fanden sich auf endlosen Wartelisten wieder. Mittlerweile gibt es laut The Daily Beast nur noch gut 300.000 Besucher am Tag, zu denen der Ex-Präsident offensichtlich nicht gehört, denn er hat hier noch keinen einzigen „Truth“ (wie die Tweets hier heißen) veröffentlicht.

Vielleicht ist das gut so, denn was Donald Trump über seine Fernsehsender und Radiostationen verbreitet, ist schlimm genug. Je weniger seine Pro-Putin-Äußerungen hören und je weniger erfolgreich seine Versuche sind, einen Krieg zwischen Russland und China anzuzetteln, desto besser.

Den Kreml-Kriegsverbrecher Putin können vielleicht nur noch einige Frauen aufhalten.




Meinungsfreiheit hat nichts mit Hass zu tun

Laut der Washington Post hat Trump letzten Samstag in einer Rede in New Orleans tatsächlich die Idee promotet, die US-Kampfjets mit chinesischen Flaggen zu tarnen, um dann Bomben auf Russland zu werfen und anschließend genüsslich auf deren Vergeltungsschlag gegen China zu warten. Wieso darf sich dieser Mensch überhaupt noch zur nächsten US-Wahl aufstellen lassen?

Mit der Wahrheit und der Meinungsfreiheit nimmt es Truth Social übrigens doch nicht so genau, wie geplant. Wie der Standard recherchiert hat, können „verleumderische und sonst wie anstößige Inhalte“ zu Sperren führen. Dabei können die Administratoren selbst entscheiden, was unter diese Formulierung fällt, was die Löschung von Nutzerkonten extrem vereinfacht.

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Wladimir Putin (li) und Donald Trump als Brüder im Geiste beim Gipfeltreffen in Osaka 2019.

Foto: IMAGO/ ZUMA Wire

Plattform-Erfolg doch vorprogrammiert?

Trotz all dieser schlechten Nachrichten scheint der Aktienkurs der Firma Trump Media & Technology, die hinter Truth Social steht, zu steigen. Es könnte sein, dass sich die Plattform langfristig als Ort für den harten Trump-Kern etabliert. Ähnlich wie die rechtsextreme App Gab, die schon von Google und Apple aus den Shops verbannt wurde, könnte Truth Social entsprechend ein reines Insidernetzwerk für Verschwörungstheoretiker werden. Keine schöne Vorstellung.