Ein Fitzek mit Beisenherz-Effekt: Das neue Buch „Schreib oder stirb“

dpadpa | 26.03.2022, 11:41 Uhr
Die Erfolgsautoren Micky Beisenherz und Sebastian Fitzek veröffentlichen ihren ersten gemeinsamen Thriller «Schreib oder stirb».
Die Erfolgsautoren Micky Beisenherz und Sebastian Fitzek veröffentlichen ihren ersten gemeinsamen Thriller «Schreib oder stirb».

Markus Scholz/Gerald Matzka/dpa

Kann man beim Lesen gleichzeitig lachen und Gänsehaut bekommen? Die Erfolgsautoren Micky Beisenherz und Sebastian Fitzek versuchen das mit ihrem gemeinsamen Thriller „Schreib oder stirb“ zu erreichen.

Wer auf ein sanftes Heranführen an die Geschichte hofft, wird enttäuscht. Direkt im Prolog wird den Leserinnen und Lesern die Kombination aus Alptraumszenario und Comedy um die Ohren gehauen: „“Tut mir leid, dass ich Sie töten muss“, war sein erster Satz.

Was man halt so zur Begrüßung sagt, wenn man zufällig in einem schlachthausgleichen Kerker auf einen Unbekannten trifft, der nackt und gefesselt in einer Badewanne zittert.“ Es ist der Beginn eines literarischen Wechselspiels aus Lachen und Fürchten. In „Schreib oder stirb“ treffen gleich zwei Erfolgsautoren aufeinander – Thriller-Schreiber Sebastian Fitzek und Gag-Autor Micky Beisenherz.

Das 336 Seiten lange Werk reiht sich in gewisser Weise ein in die bisherigen Bestseller von Fitzek. Der 50-Jährige arbeitet auch hier mit einer Metaebene. So erklärt eine der Figuren: “Mein Thriller handelt von einem Literaturagenten, der eines Morgens aufwacht und seinen Namen in der Presse liest. Ein geständiger Kindesentführer bittet ihn zu sich in die Psychiatrie und macht ihm ein Angebot. Nimmt er es an, wird der Agent zum Helden und rettet ein kleines Mädchen. Lehnt er es ab, stirbt die Siebenjährige. Und kurz darauf ist auch das Leben des Literaturagenten auf ewig zerstört.“ Was quasi auch die Handlung des tatsächlichen Buchs wiedergibt. Und wie in einem klassischen Fitzek sind die Menschen im Umfeld des Protagonisten mindestens verdächtig, wenn nicht irgendwie in den Fall verwickelt.




Der „Beisenherz-Effekt“

Dennoch sollten treue Fitzek-Fans bereit sein, sich auf Neues einzulassen. „Nichts ist schlimmer, als wenn du in eine Marmeladenstulle beißen willst und verwechselst es aus Versehen mit einer Leberwurststulle. Die kann noch so gut geschmiert sein, das ist erst mal blöd“, sagt Fitzek im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Deswegen nicht die Katze im Sack kaufen, sondern reinlesen. Aber dann glaube ich, erkennt man alles, was einen typischen Fitzek ausmacht, aber jetzt eben auch mit dem Beisenherz-Effekt.“

Der benannte „Beisenherz-Effekt“ – ein pointiertes Gagfeuerwerk, das an die Moderationen aus dem Dschungelcamp oder der „heute-show“ erinnert. Kein Wunder, schreibt Beisenherz doch seit Jahren als Autor Witze für solche Shows. Und so könnte eine Passage im Buch durchaus auch Teil einer Polit-Satire-Sendung im Fernsehen sein: „“Dadurch ist mein frontotemporales Gehirn geschädigt mit der Folge, dass ich keine Impulskontrolle mehr habe und mir jegliche Empathie fehlt.“ Ein Jammer. Der Mann wäre der ideale Vorstandsvorsitzende eines DAX-Konzerns.“

Ein wohlig vertrautes Gefühl

Immer wieder sorgen Seitenhiebe gegen zeitgenössische Personen oder Ereignisse, wie der vermeintliche Unterschied des Abiturs in Bayern und NRW, für ein wohlig vertrautes Gefühl beim Lesen des Thrillers. Gleichzeitig können Passagen wie „Etwas mehr Desinfektionsmittel und jemand wie Karl Lauterbach würde das Ding als Wohnung mieten“ auch einem Diktat der Aktualität unterworfen sein.

Das Problem kennen die Autoren. „Bei diesen popkulturellen Bezügen läuft man Gefahr, irgendwann nicht mehr aktuell zu sein. Ich finde aber, das hat Stephen King mal gesagt, ein fiktionaler Roman braucht einen Anker in der Realität“, sagt Fitzek. „Das ist ganz wichtig, wenn man Fantasiewelten aufbaut, in denen man Hunde verbuddelt, die dann wieder aufstehen und als Monster aus dem Friedhof kommen. Da braucht es ein ganz realistisches Fundament.“

Beisenherz ist eigentlich kein großer Leser von Thrillern. „Ein paar Fitzek-Bücher habe ich gelesen beziehungsweise nicht selten auch als Hörbücher gehört beim Joggen, was unter anderem dazu geführt hat, dass ich mich in einem Moment mal so erschrocken habe, dass ich fast in den Graben gelaufen wäre“, so der 44-Jährige.

Menschliche Abgründe und Witze

In dem gemeinsamen Thriller von Beisenherz und Fitzek ist das Experiment von menschlichen Abgründen und Witzen, die einem im Hals stecken bleiben, gelungen. Was unter anderem an den überzeichneten Personen wie Engin liegt, einem „drei-Zentner-Koloss aus dem türkischen Clan-Milieu“, der Herz-Schmerz-Schmonzetten verfasst. Und an den Autoren, die sich auch im Interview immer wieder mit Gags ergänzen. „Ich würde auch gerne erzählen, dass er privat ein unglaubliches Schwein ist und es mich überhaupt nicht überrascht, dass er zu solchen Gedanken fähig ist, wie er sie in den Büchern niederschreibt“, so Beisenherz über seinen Co-Autor. „Aber nichts davon kann ich bestätigen. Glauben Sie mir, das tut mir in der Seele weh.“

Treue Fitzek-Fans werden wohl ihre Freude an dem Buch haben. Was auch daran liegt, dass weder Fitzek noch Beisenherz ausschließlich in ihren Genres bleiben. „Es ist jetzt nicht ganz so, dass ich für die Spannung und Micky für den Humor zuständig war, sondern er hatte auch viele Anregungen für mich“, so Fitzek.

Trotzdem fragt man sich beim Lesen nach den ersten 150 Seiten, wie gut die hohe Dichte an kleinen Pointen in Form eines Buches funktioniert. Oder ob nicht manche Witze für sich alleine, vielleicht in der Kürze als Beitrag auf Twitter, besser gewirkt hätten.