Julian Reichelt: Förderer von Frauenkarrieren, Opfer der Linken?

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 17.01.2022, 15:12 Uhr

IMAGO / Norbert Schmidt

Der gefeuerte, ehemalige „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt hat ja bekannterweise eine sehr spezielle Selbstwahrnehmung. Jetzt stilisierte er sich in einer TV-Sendung selbst zum Opfer — und zum Verbündeten des Feminismus.

Machtmissbrauch, nicht angemessene Verhältnisse mit Mitarbeiterinnen — das sind die Dinge, die dem ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt (41) angelastet werden und 2020 zu seiner Kündigung führten. In der Talkrunde „Links.Rechts.Mitte“ des österreichischen Senders „Servus TV“ erklärt Reichelt, dass eigentlich genau das Gegenteil der Fall gewesen sein… und stilisiert sich gewissermaßen zum Förderer von Frauenkarrieren hoch.

Reichelt als Feminist und Opfer

Die Vorwürfe gegen ihn seien „perfider, erfundener Quatsch“, erklärt er — und dreht das Bild um: „Ich glaube tatsächlich, dass ich dazu beigetragen habe, an ganz vielen Positionen Frauenkarrieren bei Axel Springer und ‚Bild‘ zu ermöglichen, die vorher leider nicht möglich waren“, zitiert „Horizont“ Reichelt.  Darüber, wer das tatsächliche Opfer im Reichelt-Skandal ist, hat er keinen Zweifel: er selbst. Das habe mit einer, natürlich links zu verortenden, Kampagne gegen ihn zu tun: „Ich glaube durchaus, dass es ein politisches Klima gibt, in dem man dankbar dafür ist, dass kritische Stimmen verstummen“. Die Außerkraftsetzung der Unschuldsvermutung bezeichnete er des Weiteren als „beliebtes Instrument linker Agitation“.

Ex-Bild-Chef Julian Reichelt ätzt gegen Corona-Politik auf Twitter

Reichelts Impf-Kritik

Seit seinem Weggang bei „Bild“ machte Reichelt immer wieder Stimmung gegen die Corona-Politik der Bundesregierung — und spielte damit Impfgegnern und Rechten in die Hände. Auch im Interview mit „Servus TV“ bestätigt er seine Sicht: „Die Impfpflicht eignet sich zur Radikalisierung, weil sich viele belogen fühlen“, so der Journalist, der argumentierte, dass sich bei der Omikron-Variante um eine „milde Variante“ handle, die Infizierte meist gar nicht bemerken würden. Er selbst sei Berufsskeptiker und stolz darauf, tönte er.

 

Neue Plattform für „Journalismus, wie er sein sollte“

In Zukunft dürfte es nicht stiller um Reichelt werden. Wie er im Interview erzählte, arbeitete er bereits an einer neuen Plattform. Seine Marschrichtung: „Journalismus, wie er sein sollte, der nach den Fakten sucht und sagt, was ist“, für ihn eine Marktlücke. Kritiker könnten anmerken, dass diese Vorgabe bislang nicht gerade Reichelts Stärke gewesen war. Mehr wollte Reichelt indes nicht über sein neues Projekt verraten.