Ex-Bild-Chef Julian Reichelt ätzt gegen Corona-Politik auf Twitter

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 10.01.2022, 21:31 Uhr

IMAGO / Norbert Schmidt

Während die „Bild“-Zeitung nach der Kündigung von Julian Reichelt scheinbar etwas „ruhiger“ geworden ist, gießt der Ex-Chef mehr denn je Öl ins Feuer.

Es war ein Medienskandal, der das Jahr 2021 prägte: Die „Bild“-Zeitung feuerte ihren ehemaligen Chefredakteur Julian Reichelt (41), nachdem dieser nicht angemessene Beziehungen mit Mitarbeiterinnen eingegangen sein und seine Position missbraucht haben soll.

Ganz so still ist es um den ehemaligen Kriegsberichterstatter trotzdem nicht geworden — leider, würden die meisten Gegner behaupten. Wir werfen an dieser Stelle einen Blick darauf, was Reichelt Monate später so von sich gibt — und das ist definitiv so einiges.

Reichelt greift verbal ordentlich daneben

Reichelt nutzt seine Reichweite auf Twitter (117.400 Follower) derzeit vor allem, um gegen Maßnahmen zur Eindämmung des Covid-19-Virus zu wettern. Genau das hatte die das Blatt mit den vier großen Buchstaben auch vor seinem Rauswurf geprägt. Jetzt greift er erneut zu radikalen, aufstachelnden Worten. So spricht er von einer „grausamen Pandemie-Politik gegen unsere Kinder“, wirft der ehemaligen Bundeskanzlerin Merkel ihre Kinderlosigkeit vor und schreibt Sätze wie: „Eine Politik, die unzählige Kinder in Selbstmordgedanken und in den Tod treibt, und von Spiegel und Öffentlich-Rechtlichen verherrlicht, gefeiert und befeuert wurde, ist unverzeihlich“.

 

Satiriker Beisenherz bringt US-Vergleich

Reichelts Tiraden gehen aber noch weiter: „Wer Kinder hat, sollte niemals vergessen, welche Politiker, Virologen und Medien dafür verantwortlich waren, Kinderseelen jahrelang zu zertrampeln“, schrieb er am 7. Januar.

Satiriker Micky Beisenherz (44) kommentierte dies zielsicher mit den Worten „Smells like Büffelhelm“ — eine Anspielung auf die Trump-Supporter, die — verbal angefeuert vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump (75) im Januar 2021 das US-Kapitol stürmten und eine Welle der Gewalt auslösten.

Die Stimmungsmache geht weiter

Auch die Causa von Tennis-Ass Novak Djokovic (34), dem die Einreise nach Australien aufgrund von Covid-Gesetzen verweigert wurde und der zeitweise in einem Hotel in Zwangsquarantäne war, lässt Reichelt nicht unkommentiert — und nutzt die Causa, um einmal mehr Stimmung zu machen. „Was der Corona-Wahnsinn in unseren Köpfen angerichtet hat, erkennt man daran, dass wir seit Tagen ernsthaft darüber diskutieren, ob ein kerngesunder Tennisspieler zu einem Tennisturnier reisen darf“, schreibt er.

Dass Djokovic wissentlich gegen Landesgesetze verstoßen hat, lässt Reichelt unerwähnt.

 

Julian Reichelt sieht sich selbst als das große Opfer

Im Gegenteil: Er freut sich, dass der Sportler am 10. Januar nun doch einreisen durfte.

So ganz hat Reichelt aber offensichtlich nicht mit seinen Ex-Kollegen gebrochen — denn in den letzten Tagen retweetete er mehrfach Beiträge des „Bild“-Politjournalisten Filipp Piatov. Da wirkt seine Twitter-Bio fast wie eine Drohung: „I’ll be back“, steht darin — ein Zitat von Arnold Schwarzenegger aus dem Film „Terminator“. Ob und wohin er zurück kommt, Reichelt — der Möchtegern-Terminator und ewige Stimmungsmacher, dem gravierender Machtmissbrauch in der eigenen Firma vorgeworfen wird — bleibt abzuwarten. Eins steht fest: Reichelt, der Medienprofi, ist sich bewusst, was Tiraden wie die seinen auslösen können.