Bewegende StoryMara und Matze: Kann diese große Liebe das Schicksal besiegen?

Leni HübnerLeni Hübner | 07.01.2022, 19:28 Uhr
Mara und Matze: Kann diese große Liebe das Schicksal besiegen?
Mara und Matze: Kann diese große Liebe das Schicksal besiegen?

Foto: Instagram/ Mara.Matze

Ein Unfall verändert alles: Matze wird zum Pflegefall und Mara kämpft darum, ihn Schritt für Schritt zurück ins Leben zu holen. Ein schreckliches Drama, das Millionen Menschen tief berührt.

Eigentlich kennt man solche furchtbaren Storys nur aus dem Fernsehen, doch für Mara Erxleben – eigentlich Tamara – und Mathias von Appen, genannt Matze, ist das Unbegreifliche plötzlich Realität. Ein Arbeitsunfall verändert ihr ganzes Leben. Das Herausragende hier ist aber, mit welcher Kraft sie darum kämpfen, trotzdem eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

Eine Liebe, die auch andere spüren können

Statt Reisen und Abenteuer wie Bungeejumping gehören nun Pflege und Therapie zum Alltag der beiden Endzwanziger. Und das ist nicht immer leicht: Es gibt Rückschläge und Tiefpunkte wie bei anderen auch, die das Schicksal mit Matze und Mara teilen. Doch irgendwie ist das Paar anders oder ihre Liebe ist stärker. Beschreiben kann man das nicht, nur deutlich sehen und vor allem spüren.

Denn Mara lässt uns an ihrem neuen Leben teilhaben. Ganz direkt und ehrlich, mit Zeilen, die Matze gelten und uns ins Herz treffen. Fast 150.000 Menschen verfolgen ihre Geschichte auf Instagram, auf Facebook sind es knapp 15.000. Und alle sind fasziniert davon, wie die beiden sich gegen das Unfassbare auflehnen. Mara hat akzeptiert, dass ihr „alter“ Matze nicht mehr existiert. Da formt sich ein neuer Mensch, der vielleicht nie wieder so selbständig wird wie früher, aber der immer noch der ist, den sie liebt.

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Der Tag, der alles veränderte

Der Tag des Unfalls, der 22. Oktober 2019, war eigentlich ein Tag wie jeder andere. Matze und sein Kollege Jan hatten einen ganz normalen Einsatz auf dem Dach eines Hauses. Es ging um ein paar Ausbesserungen, die sie innerhalb von zwei Arbeitstagen erledigen konnten. Als Matze schon dabei war, nach getaner Arbeit auf dem Dach aufzuräumen, rutscht er plötzlich ab und fällt acht Meter tief. Ein Gerüst gab es nicht.

Sein Kollege reagiert sofort und rennt zu ihm, um erste Hilfe zu leisten. „Er hat Mathias das Leben gerettet“, sagt Matzes Mutter Gabi Riedmann. Ihr fällt es noch immer schwer, daran zu denken. Der Anblick ihres Sohnes schmerzte tief und zugleich wollte sie es nicht wahrhaben, was passiert war: „Es war einfach zu viel, es zerreißt einem das Herz, wenn man das eigene Kind so sieht.“

Vom Krankenhaus ins Fernsehen

Auch der behandelnde Neurologe Dr. René Kakos lobt die schnelle Notfallversorgung durch Matzes Kollegen. „Die Schädel-Hirn-Verletzungen waren sehr ausgeprägt.“ Matze hatte eine schwere Lungenquetschung, Gesichtsfrakturen und ein Schädel-Hirn-Trauma. Teile seines Schädelknochens wurden entfernt und Matze abschließend in ein künstliches Koma versetzt.

Dass Matze überlebt hat, verdankt er seinem Ersthelfer und den schnellen Not-Operationen, erzählt der Mediziner  bei „Stern TV“. Das RTL-Magazin begleitet den Fall seit über einem Jahr und sorgt dafür, dass noch mehr Menschen Anteil nehmen können. Aber anders als bei anderen Schicksalsgeschichten, gelingt es dem Paar, dass wir nicht nur Mitleid haben, sondern von der großen Liebe angesteckt werden. Ja, ihre Kraft ist inspirierend.

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Corona und die Folgen

Dabei sind es oft nur sehr kleine Fortschritte, die Matze macht. Seit er aus dem künstlichen Koma aufgewacht ist, wird jede Veränderung als Erfolg angesehen, der Mut macht. Ihm selbst, seiner Mutter und natürlich Mara, die nicht von seiner Seite weicht. Nur Corona und die strikten Hygienemaßnahmen konnte die beiden trennen. „Ich bekam einen Anruf“, erzählt Matzes Mutter, „Sie dürfen heute nicht mehr kommen. Vorbei“, noch heute kommen ihr bei dem Gedanken die Tränen. Und auch Mara muss weinen, wenn sie sich an die Zwangsauszeit erinnert: „Da fühlt man sich verraten und verkauft.“

Erst vier Monate später, durfte Gabi wieder zu ihrem Sohn. Leider hatte der in der Zwischenzeit wieder abgebaut und schien seine Mutter kaum noch zu erkennen. Und auch für Mara endete endlich die ungewollte Trennung. Gemeinsam nahmen sie den Kampf wieder auf. Es folgte bald darauf die Reha, bei der Mara die ganze Zeit in der Klinik bleiben durfte. Als sie merkte, dass Matze nach einigen Monaten immer ungeduldiger und unmotivierter wurde, beschloss sie, ihn mit nach Hause zu nehmen.

Es geht wieder bergauf

Seitdem gibt Matze Gas, erzählt Mara. Dreimal die Woche geht er zur Ergotherapie und zur Logopädie „Er kann allein essen, er kann sich allein auf das Bett setzen, er kann sich fast alleine das T-Shirt anziehen, er braucht nur für die rechte Seite noch Unterstützung von mir“, berichtet sie stolz. Sprechen kann er leider noch nicht. Bei allem, was sie erzählt, steht Matze im Mittelpunkt. Sich selbst nimmt die junge Frau enorm zurück.

Es ist beeindruckend, wie sehr Mara auf ihren Liebsten eingeht, mit welcher Kraft sie für ihn da ist und wie sie damit umgeht, dass er sich so verändert hat. Einige alte Züge erkennt sie aber an ihm: „Bequemlichkeit ist so ein Ding, was früher schon war“, erzählt sie schmunzelnd. Schon vor dem Unfall hat sie eher für Ordnung gesorgt. „Aber ich hoffe natürlich, dass du irgendwann den Tisch abräumst“, wendet sie sich direkt an ihren Freund.

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Seit 17 Jahren ein Paar

Trotz ihrer Power und Liebe kann auch Mara nicht jeden Tag gleich gut mit diesem neuen Leben umgehen. „Erinnerungen sind da“, sagt sie und kann die Tränen nicht aufhalten. „Aber mir tut es so leid für ihn. Ich weiß, ich bin gesund, ich kann alles machen, aber er kann es einfach noch nicht.“ Noch! Ihr Glaube ist fest, dass es besser wird.

Kennengelernt haben sich Mara und Matze in der 5. Klasse – also vor fast 17 Jahren. Matze gab Mara ihren ersten Kuss, da war sie etwa 15 Jahre alt. Er war immer fröhlich, hat immer gelacht. Das bestätigt auch seine Mutter, die seine Unbeschwertheit sehr vermisst. Natürlich begreift auch Matze, dass er nicht mehr in sein altes Leben zurückkann. Dr. Krakos vermutet, dass dieses Bewusstsein die Krise in der Reha ausgelöst haben könnte.

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Zukunftspläne sind geschmiedet

Als nächstes möchte das Paar zu Matzes Mutter ziehen. Das wäre schon längst passiert, aber es gab Schwierigkeiten, eine Genehmigung für einen Anbau zu bekommen. Nun wird das alte Haus abgerissen und erst wenn der Neubau steht, können die drei ihre Zukunftspläne umsetzen.

Für Mara wird es eine Entlastung sein. Sie wünscht sich, auch mal wieder ein wenig Zeit für sich zu haben. Diesen Wunsch hat sie sich schon viel zu lange verweigert, findet Matzes Mutter. Es ist ganz normal, dass man nicht 24/7 nur für einen anderen Menschen da sein kann, auch wenn man ihn mehr liebt als alles andere auf der Welt.