Markus Söders Trachtentruppe: Warum das Netz (zu Unrecht) über Bayern lacht

Leni HübnerLeni Hübner | 27.06.2022, 20:45 Uhr
Joe Biden und Markus Söde
Joe Biden und Markus Söde

IMAGO / Sammy Minkoff

Als Ministerpräsident von Bayern hat Markus Söder natürlich immer nur das Beste im Sinn. Doch beim Empfang der Staatsgäste zum G7-Gipfel hat er übertrieben, lästert man in den sozialen Medien. Aber stimmt das?

Als Ministerpräsident von Bayern durfte Markus Söder endlich mal wieder seine Bedeutung unterstreichen und die hohen Staatsgäste des G7-Gipfels am Flughafen in München höchstpersönlich in Empfang nehmen. Selbstverständlich hat er sich selbst dafür in einen landestypischen Trachtenanzug geschmissen und auch eine Auswahl prächtiger Bayerinnen in Dirndln und Bayern in Lederhosen aufmarschieren lassen.

Bayern prägt das Deutschlandbild in der Welt

Genau das wirft man Markus Söder nun vor: So stellt man sich Deutschland bei den Simpsons vor, heißt es! Andere lästern, dass Söder mal wieder keine Gelegenheit auslasse, die Rückständigkeit Bayerns zu präsentieren.

Aber wenn man sich die aktuellen Fotos ansieht und mit anderen internationalen Staatsempfängen vergleicht, wirkt das Willkommen gerade durch die Tracht doch nun wirklich sehr herzlich. CNN-Moderator Jake Tapper postet eine Szene mit seinen zwei Schuhplattlern auf Twitter (3,3 Millionen Follower). Sein Kommentar: „Guten Abend aus Deutschland!“ Das Ausland lacht. Und Spott gibt’s dafür auch im Inland.

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Seltsamerweise lernen die Deutschen es nicht mehr, zu ihren Traditionen und regionalen Eigenheiten zu stehen. Natürlich wirkt es befremdlich, wenn man ältere Herren in kurzen Hosen sieht und das hochgeschnürte Dekolletee erscheint nicht gerade zeitgemäß: Aber man muss es den Bayern lassen, dass sie als einzige im Land ihre Kultur ausleben. Und zwar täglich.




Trachten sind Kultur

In anderen Ländern ist es durchaus üblich, dass Menschen in Tracht bei Empfängen den Staat repräsentieren. Doch die Aborigines in roten Lendenschurzen, die Hula-Mädchen mit Blumenkette und Pau oder Ostafrikaner im Kikoi, einem traditionellen Wickelrock, werden dort als selbstverständlich angesehen, wenn nicht gar in ihrer Kultur bestärkt.

In Deutschland befürchtet man immer gleich, nicht ernst genommen zu werden. Obwohl auch andere Regionen Trachten haben, sieht man Schwarzwälder Bollenhüte, die bestickte Haube der Spreewaldtrachten oder die Kutschermütze der Nordlichter eher nur verschämt auf Volksfesten auf dem Dorf oder bei Tanzgruppen.

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Markus Söder präsentiert Emmanuel Macron und dessen Frau Brigitte die bayerische Kultur.

Foto: IMAGO/ Sammy Minkoff

Brathendl-Hüte auf dem Oktoberfest

Ganz allein steht Söder übrigens nicht mit seiner Meinung, dass zu Bayern „Modernität, aber auch Brauchtum“ einfach dazu gehören. So schreibt ein Twitter-User, dass sich nun alle wieder über die „provinziellen Trachtenoutfits“ aufregen, aber Ende September pilgern sie dann „mit Aldi-Lederhosn und klatschendem Brathendl-Hut“ auf das Oktoberfest.

Die internationalen Gipfel-Gäste haben sich übrigens über den Empfang gefreut. „Mag sein, dass dem einen oder anderen das nicht so gefällt“, sagt Söder diplomatisch, „also allen Gästen, die da waren, hat es super gefallen.“ US-Präsident Joe Biden (79) sieht wirklich gut gelaunt aus und selbst der französische Präsident Emmanuel Macron (44) strahlt auf allen offiziellen Fotos.

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Markus Söder ist konsequent

Zum Abschluss kriegen übrigens alle Gipfel-Teilnehmer einen Rucksack mit bayerischen Spezialitäten wie Wurst, Käse, Süßigkeiten und Schafkopf-Karten. Da sind die Bayern also in jeder Hinsicht konsequent. Und genau mit diesem Selbstbewusstsein prägen die Bayern das Bild auf der Welt, nicht nur mit ihren Trachten. Darüber sollte der Rest der Republik nicht meckern, sondern sich ein Beispiel nehmen und die eigene Kultur mal wieder feiern.